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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Harter Brexit wird Milchbauern schaden

21.02.2019

Nordenham /Wesermarsch Nach Jahren der Krise hat sich auch für die Milchbauern in der Wesermarsch der Markt inzwischen stabilisiert. „Die politische Entwicklung ist aber gegenwärtig völlig unübersichtlich“, sagt Hendrik Lübben, Vorsitzender des Milchausschusses und stellvertretender Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Wesermarsch. Der 37 Jahre alte Landwirtschaftsmeister fügt im Gespräch mit der NWZ hinzu: „Wenn ein harter Brexit kommt, kann es zu einem starken Einbruch des Milchmarktes kommen, der auch uns Landwirte in der Wesermarsch schaden würde.“

Denn Irland liefere 65 Prozent seiner Milchmenge an Großbritannien. Zölle auf verschiedene Milchprodukte und aufwendige Zollabfertigungen bei einem harten Brexit könnten dazu führen, dass Irland auf den übrigen europäischen Markt drängt. Zudem werde es schwieriger, Käse aus der Europäischen Union in Großbritannien zu vermarkten.

Zurzeit sei der Markt in einem Gleichgewicht, so dass ohne einen harten Brexit auf ein verhältnismäßig gutes Jahr gehofft werden könnte.

Nach den Erläuterungen von Hendrik Lübben im Gespräch mit der NWZ lässt sich die Entwicklung der vergangenen fünf Jahre für die Milchbauern in der Wesermarsch so zusammenfassen:

Die Milchpreiskrise – also zu geringes Milchgeld, das die Landwirte für ihre Milch von den Molkereien bekommen – hatte 2014 begonnen. 2015 kam das Ende der Milchquotenregelung in der Europäischen Union hinzu. Die Jahre 2015 und 2016 waren dann für den Erlös der Milchbauern äußerst schlechte Jahre. 2017 und 2018 folgten zwei Jahre mit einer gewissen Markterholung – jedoch mit Höhen und Tiefen in einem schwankenden Milchmarkt.

Wegen der großen Marktschwäche waren große Mengen Milchpulver von der Europäischen Union und von Unternehmen eingelagert worden. In Spitzenzeiten waren es 380 000 Tonnen. Diese Mengen haben den Markt in den vergangenen zwei Jahren zu Lasten der Erträge der Milchbauern stark beeinflusst. Daraufhin hat die Europäische Union, so berichtet Hendrik Lübben weiter, mutig gehandelt und Milchpulver im Ausschreibungsverfahren zu Beginn teilweise unter Einstandspreis verkauft. Aufgrund der so gestiegenen Nachfrage ist der Verkauf vom Markt – überwiegend Lebensmittelindustrie – gut aufgenommen worden. Inzwischen sind die Läger geräumt.

Die Situation des Milchmarktes hat sich zugunsten der Landwirte gut entwickelt und stabilisiert. Die Molkereien sind wieder in der Lage, beim Absatz zu differenzieren (Käseproduktion und Herstellung von Pulver). Dadurch können die Molkereien die Preise zugunsten der Milcherzeuger festigen.

Die europa- und auch weltweite Entwicklung schlägt voll durch auf die Milchbauern in der Wesermarsch. Hendrik Lübben zieht dieses Fazit: „Zurzeit ist der Markt zu unseren Gunsten im Gleichgewicht, so dass wir auf ein verhältnismäßig sicheres Jahr 2019 hoffen können. Die politische Situation wird jedoch völlig unübersichtlich, wenn es zum harten Brexit kommt. Dann könnte der Milchmarkt stark einbrechen.“

Die Krisenjahre 2014 bis 2018 haben dazu geführt, dass 90 der bis dahin 520 Betriebe im Landkreis aufgegeben haben. Somit werden jetzt nur noch 430 Höfe bewirtschaftet.

Viele Betriebsleiter überlegen nach Kenntnis von Hendrik Lübben sehr genau, ob für sie die Landwirtschaft eine Zukunft hat. Auch junge Betriebsleiter erkunden, ob sie auf Nebenerwerb umstellen oder sich auf Jungviehaufzucht oder Mutterkuh-Haltung beschränken – und sich einen Job außerhalb der Landwirtschaft suchen.

Hinzu kommen Wetterunbilden (siehe gesonderten Bericht) und die Frage, ob die Betriebe zunehmende Anforderungen und Auflagen der Politik künftig noch erfüllen wollen und können.

150 Milchkühe und Nachzucht

Der 37 Jahre alte Landwirtschaftsmeister Hendrik Lübben ist stellvertretender Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Wesermarsch und Vorsitzender des Milchausschusses. In Langenriep bei Abbehausen bewirtschaftet der verheiratete Vater zweier Kinder einen Milchviehbetrieb mit 150 Kühen und Nachzucht.

Horst Lohe Nordenham / Redaktion Nordenham
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