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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Weißkopfschafe: Idealisten sind gefragt

01.09.2018

Nordenham /Wesermarsch „Die Zahl der Weißkopfschafe ist deutlich zurückgegangen. Dabei ist an dem Schaf nichts Negatives festzustellen“, schreibt Ina Martens in ihrem Buch „Deutsches weißköpfiges Fleischschaf“. Die 110 Seiten starke Chronik über „100 Jahre Herdbuchzucht 1918-2018“ ist bei der Jubiläumsveranstaltung auf Hof Iggewarden (Gemeinde Butjadingen) vorgestellt worden. Knapp zwei Jahre hat Ina Martens aus Jade an dem Buch gearbeitet, das reich illustriert ist mit Bildern aus früheren Zeiten.

Eigener Fotograf

Das ist auch einem “Profi-Fotografen für die Top-Models“ zu verdanken. Denn schon 1918 „leistete sich der Verband etwas, was heute noch bestaunt werden kann. Fotograf Paeschke in Burhave fertigte Hefte mit Abbildungen von wichtigen Böcken und Mutterschafen an“, heißt es in dem Buch.

Fast ausverkauft

Das Buch „Deutsches weißköpfiges Fleischschaf“ wurde in einer Auflage von 100 Stück gedruckt und ist nach Aussage der Autorin Ina Martens „fast verkauft“. Letzte Exemplare können in der Geschäftsstelle des Landes-Schafzuchtverbandes Weser-Ems in Oldenburg, Mars-la-Tour-Straße 6 zum Preis von 17,50 Euro erworben werden.

1986 beschickten erstmals Züchter aus Weser-Ems die Grüne Woche in Berlin. Auch da kam ein Lkw zum Einsatz. Weil nicht alle Begleitpersonen vorne in die Fahrerkabine passten, fuhren einige Helfer als Betreuer zwischen den Schafen im Laderaum mit. Dick in Wolldecken eingehüllt bei winterlichen Temperaturen fuhren sie über die Transitstrecke nach Berlin. Es gab keine Probleme bei der Grenzkontrolle. (aus dem Buch „Deutsches weißköpfiges Fleischschaf“).

Die Zucht des Deutschen weißköpfigen Fleischschafes begann entlang der deutschen Nordseeküste in Oldenburg, Stade und Schleswig-Holstein. Der erste Herdbuchverband entstand 1885 in Eiderstedt (Schleswig-Holstein). 1918 wurde die „Züchtervereinigung des schweren, frühreifen Butjadinger Marschschafes“ gegründet. Die Gründungsversammlung fand im damaligen Friesischen Hof in Nordenham statt. Zum Vorsitzenden wurde W. Kloppenburg aus Klippkanne bei Brake gewählt.

Nach Gründung der Herdbuchverbände wurden in kurzer Zeit viele Schafe dieser Rasse in die Zuchtbücher eingetragen, in der Wesermarsch waren es in knapp drei Jahren über 7500 Tiere, fand Ina Martens beim Studium alter Ordner, Kladden und Hefte heraus. Verblieben sind im Weser-Ems-Gebiet noch 670 erwachsene Herdbuchtiere.

Dank einer im Jahr 2000 vom Land Niedersachsen eingeführten Zuchterhaltungsprämie sei die negative Entwicklung aufgefangen worden, „die Weichen für 100 Jahre erfolgreiche Weißkopf-Zucht sind gestellt“. Wäre da nicht der Wolf, vor dessen Eindringen in unsere Region der Vorsitzende des Landes-Schafzuchtverbandes Weser-Ems, Heiko Schmidt aus Berne, warnt.

Krankheiten und Seuchen hat es immer wieder gegeben, berichtet Ina Martens, die mit Ehemann Horst selbst züchtet. Die Räude sei in den Nachkriegsjahren ein großes Problem gewesen. 1946 sei die Moderhinke aufgetreten, auch der Leberegelbefall habe so manches Tier dahingerafft.

Voller Schrecken

Immer wieder gab es die Maul- und Klauenseuche, 1955 einen Brucellose-Ausbruch. „Mit Schrecken zog ab 2006 die Blauzungenkrankheit durch Europa“, schreibt Ina Martens. Die befallenen Tiere seien qualvoll verendet.

Rodenkirchen wurde zum weithin bekannten Hauptauktionsort. Rodenkirchen war auch deshalb ein guter Auktionsort, weil es hier die drei Markthallen gab, die bis zum Abzug der Hengstkörung nach Oldenburg 1906 das Zentrum der Oldenburgischen Pferdezucht darstellten. Heute nutzen die Schafzüchter die 1899 fertiggestellte Hengsthalle.

Trotz des guten Organisationsgrades in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts gelang den Züchtern die gemeinsame Vermarktung der Wolle nicht. „Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Zuchtgeschichte“, heißt es in dem Buch.

1951 war der Verkauf noch eine einträgliche Nebeneinnahme. Auf dem freien Markt gab es für das Kilogramm neun Mark, zehn Jahre später nur noch vier Mark. Heute, so Heiko Schmidt, deckt der Erlös nicht mal die Schurkosten. Die aktuellen Preise liegen bei 40 bis 50 Cent je Kilo.

1981 hätten einige Züchter schon das Ende der Weißkopfzucht vorhergesehen, dem Schaf hing der Makel an, eine fettige Rasse zu sein. Dem widerspricht Ina Martens entschieden: Die innere Verfettung wurde weggezüchtet. Die täglichen Zunahmen sowie die Fruchtbarkeit halten jeglicher Konkurrenz stand. Landesvorsitzender Heiko Schmidt sagt: „Die Vorgänger haben uns ein ganz tolles Schaf gezüchtet. Jetzt fehlt es an Idealisten, die diese Zucht fortführen.“

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