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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Ohne Vinnen keine Midgard

19.04.2008

NORDENHAM Am 10. November 1905 wurde die Midgard Deutsche Seeverkehrs Aktiengesellschaft (DSAG) gegründet – nicht etwa in Nordenham, sondern in der Reichshauptstadt Berlin. Dieser Schritt war eine kleine wirtschaftliche Revolution: Erstmals sollte eine Privatgesellschaft einen ganzen Hafen betreiben und nicht nur einzelne Gewerke.

Treibende Kraft war der Bremer Reeder Adolf Vinnen (1868 bis 1916), der Unternehmer und Bankiers aus Berlin, Hamburg, Bremen, Dresden, Köln, Bonn und Oldenburg zu einem Konsortium zusammenbrachte. Er wurde auch erster Vorstandsvorsitzender der Midgard. Seit 1903 hatte Vinnen, der in Nordenham viel Land geerbt hatte, diesen Plan verfolgt. Großherzog Friedrich August (1900 bis 1918) unterstützte ihn dabei.

Grund: Der Güterumschlag war in den Jahren vor 1905 erheblich zurückgegangen. Dadurch waren die Hafenanlagen zu einer finanziellen Belastung für das Großherzogtum geworden. Das neue Unternehmen übernahm für 1,2 Millionen Mark die Hafenanlagen und Lagerhäuser und verpflichtete sich, den Hafen für 300 000 Euro zu sanieren.

Sofort ließ die Midgard Gelände aufspülen, ein Elektrizitätswerk bauen und gab vier große und sechs kleine Brückenkräne sowie vier Schwingkräne in Auftrag. Arbeiter mussten von außen angeworben werden, deshalb gründete das Unternehmen am 15. Oktober 1906 den Nordenhamer Bauverein, der Arbeiterhäuser an der Blumen-, Werner- und Körnerstraße errichten ließ.

Die Geschäfte liefen gut: Selbst in der Rezession von 1907 bis 1909 wuchs der Hafen so stark, dass der Pier um 125 Meter nach Norden verlängert werden musste. 1907 erwirtschaftete das Unternehmen 340 000 Mark Gewinn. Von 1906 bis 1913 nahm der Umschlag um 247 Prozent zu. Von See kamen Salpeter, Erz, Getreide, Kohlen und Holz, nach See gingen Kalidüngesalze, Koks und Zement.

1910 und 1911 kam es zu erheblichen Differenzen in Vorstand und Aufsichtsrat. Hintergrund waren Vorwürfe, der Hamburger Salpeter-Importeur Edmund Siemers – er war auch Aufsichtsratsvorsitzender – werde zu sehr bevorzugt. Die Differenzen endeten Anfang 1911 mit dem Rücktritt sowohl des Vorstandsvorsitzenden Adolf Vinnen als auch des Aufsichtsvorsitzenden Edmund Siemers, dessen Firma aus dem Konsortium ausschied.

Am 29. Mai 1911 kaufte der Stinnes-Konzern in Mülheim an der Ruhr die Midgard-Aktien im Wert von zwei Millionen Mark. Hugo Stinnes (1870 bis 1924) übernahm den Aufsichtsratsvorsitz; er wollte die Midgard zum Ausfuhrhafen von Kohle aus dem Ruhrgebiet machen. Vorstandsvorsitzender wurde Fritz Seedorf, der bis zu seinem Tod 1925 im Amt blieb. Aufsichtsratschef war von 1924 bis Kriegsende Hugo Stinnes junior. Nach den schwierigen 20er-Jahren ging es ab 1932 wieder aufwärts.

Nach dem Krieg prägten die Vorstandschefs Erich Eilers (1952 bis 1968), Bruno Krenzin (1968 bis 1984), Johannes Eilers (1984 bis 1994) und Helmut Werner (1994 bis 2003) das Unternehmen. Vor allem der Umschlag von Munition und Tropenholz rief Kritik hervor. Mitte der 80er-Jahre baute das Unternehmen einen großen Drehwippkran im Stadthafen und übernahm das ehemalige Asbestos-Gelände mit der heutigen Midgard-Nord.

1998 wurde die Midgard an den Entsorger Rethmann verkauft. Heute sind der Umschlag von Kohle, Stahlbrammen und Schiffstreibstoffen die Säulen des Geschäfts.

In der nächsten Folge geht es um die Hüttenbetriebe.

Visurgis bestand

nur 23 Jahre

Die letzte Firma der industriellen Gründerzeit Nordenhams war die Visurgis-Heringsfischereigesellschaft. Visurgis ist das lateinische Wort für Weser.

Am 17. Oktober 1907 wurde sie in Bremen auf Betreiben des Midgard-Chefs Adolf Vinnen gegründet. Sie war eng sowohl mit der „Nordsee“-Dampffischereigesellschaft verbunden als auch mit der Midgard, von der sie das Gelände zwischen dem Nordende des Piers und der Einfahrt zum Fischereihafen erhielt. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges besaß sie 33 Logger mit 500 Mann Besatzung.

1916 kaufte Hugo Stinnes die Visurgis-Aktien und gliederte das Unternehmen in die Midgard ein, die jetzt Midgard Deutsche Seeverkehrs- und Heringsfischerei AG hieß.

1930 wurde die Visurgis an die Bremen-Vege-

sacker Heringsfischerei-Gesellschaft verkauft.

Henning Bielefeld
Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2203

Weitere Nachrichten:

Midgard | Hafen | Rethmann

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