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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Endlich etwas tun gegen Treibsel

01.11.2017

Reitlanderzoll Es ist feucht, struppig. braun und macht alle Jahre wieder viel Arbeit: Treibsel. Zwei Sturmfluten in einer Woche haben Ende Oktober besonders viel von dieser salzhaltigen Biomasse angeschwemmt, sagt Burchard Wulff, der Vorsteher des II. Oldenburgischen Deichbandes. Doch jetzt keimt Hoffnung auf, dass dieses leidige Problem doch noch gelöst wird.

Diese Hoffnung ruht auf der Großen Koalition, deren Bildung sich in Hannover abzeichnet. Einer ihrer führenden Köpfe wird der CDU-Landtagsabgeordnete Björn Thümler, Berne, sein, und der sagte bei einem Ortstermin in der Küstenschutzhalle des Deichbandes in Reitlanderzoll Hilfe zu. „Ich nehme das Thema mit in die Koalitionsverhandlungen“, kündigte Björn Thümler an. „Da muss man einige Tabus brechen – nicht nur darüber reden, sondern auch handeln.“

Flächen bewirtschaften

Es war Günter Busch, der CDU-Fraktionsvorsitzende im Stadlander Gemeinderat, der Thümler zu dem Termin eingeladen hatte. „Bis zur Gründung des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer 1986 gab es kein Problem mit Treibsel, denn das Deichvorland wurde von Bauern bewirtschaftet“, sagte Busch.

In diese Richtung muss es jetzt wieder gehen, sagen Burchard Wulff und Björn Thümler, und sie machen keinen Hehl aus ihrer Einschätzung, dass dies ohne Regierungsbeteiligung der Grünen leichter zu erreichen sein wird.

Schon unter der schwarz-gelben Landesregierung von 2003 bis 2013 hatte Burchard Wulffs Vorgänger Leenert Cornelius erreicht, dass zwischen Diekmannnshausen und dem Sielauslass Schweiburg einige Flächen beweidet werden. Was genau das gebracht hat, bleibt aber eher persönlichen Einschätzungen überlassen, denn die Ergebnisse sind nie wissenschaftlich ausgewertet worden, wie Burchard Wulff bemängelt. Das müsse nachgeholt werden.

Dennoch war sich die Viererrunde, zu der auch der Deichband-Mitarbeiter Hergen Hülstede gehörte, darin einig, dass entweder Beweiden oder Mähen der Flächen – beides selbstverständlich unter Naturschutzauflagen – eine deutliche Besserung bringen würden, denn Treibsel ist nichts anderes als vom Wasser losgerissene Pflanzen aus dem Deichvorland.

Zäune beschädigt

Dieser Abfall ist hoch problematisch, weil er sich auf Deich und Deichvorland legt und dort verhindert, dass der Boden trocknet, was die Deichsicherheit gefährdet. Zudem verfängt sich das Zeug in den Schutzzäunen für die Schafe, die den Deich beweiden, und beschädigen sie oder tragen dazu bei, dass sie vom Hochwasser niedergedrückt werden. Das ist auch am Wochenende beim Sturm Herwart in erheblichem Umfang passiert. Noch ist Burchard Wulff außerstande, die Schäden zu beziffern. Aber sie sie erheblich – nicht nur auf den 18 Kilometern zwischen Diekmannshausen und Beckmannsfeld, sondern beispielsweise auch in Blexen, wie Hergen Hülstede sagt.

„Damit hat sich auch die wolfssichere Einzäunung unserer Schafe erledigt“, ergänzt Burchard Wulff.

Wenn sich Björn Thümler bei den Koalitionsverhandlungen, die noch nicht begonnen haben, dafür einsetzt, dass weitaus mehr Außendeichsflächen beweidet oder gemäht werden dürfen, ist ihm selbstverständlich klar, dass die Landwirte dafür nicht gerade Schlange stehen: Der Futterwert der Salzwiesenpflanzen ist zu gering, der Aufwand der Beschaffung zu hoch. Deshalb müsse es für die Bewirtschafter Prämien geben. Das sei letztlich günstiger, als Deichband-Mitarbeiter bis Juni mit der Treibsel-Abfuhr zu beschäftigen. In der Zeit könnten sie mehr für die Deichsicherheit tun.

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