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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

„Lassen Sie sich nicht entmutigen“

20.03.2019

Rodenkirchen Der Wurzelbohrer ist kein Instrument, das der Zahnarzt benutzt. Sondern er ist ein Insekt, das dem Getreide Schaden zufügt – ähnlich wie der Zünsler. Doch wer kein Landwirt ist, kennt meistens weder den Wurzelbohrer noch den Zünsler und hat auch nie Getreide gesehen, das von diesen Tieren angefallen worden ist.

Und wer nie Getreide gesehen hat, das unter Insekten oder Pilzkrankheiten leidet, wird kaum verstehen, warum der Bauer mit der Spritze auf den Acker fährt.

Anderer Blick erforderlich

Dr. Andreas Möller ist kein Landwirt. Er ist gelernter Journalist, lebt in Berlin und ist dort für die Öffentlichkeitsarbeit des Maschinenbauer Trumpf zuständig. Aber Andreas Möller zieht nicht entnervt die Augenbrauen hoch, wenn er einen konventionell wirtschaftenden Bauern bei der Arbeit sieht. Sondern er fragt sich, warum unsere Gesellschaft einst völlig selbstverständliche Arbeits- und Lebensweisen heute geradezu kriminalisiert. Seine Antwort: Entfremdung.

Der 45-Jährige zeichnet in seinem Buch „Zwischen Bullerbü und Tierfabrik“ die Entwicklung der vergangenen gut 100 Jahre nach und macht deutlich, „warum wir einen anderen Blick auf die Landwirtschaft brauchen“, wie der Untertitel seines Buches heißt.

Am Montagabend sprach er in der Jahreshauptversammlung des Kreislandvolkverbandes. Dabei machte er auf den gewaltigen demografischen Wandel der vergangenen gut 100 Jahre aufmerksam: Um 1900 war noch jeder zweite Deutsche in der Landwirtschaft tätig, 1945 jeder vierte und jetzt sind es nur noch 1,4 Prozent.

Gleichzeitig hat sich der Fortschrittsbegriff in der Gesellschaft stark gewandelt. Bis in die 70er Jahre war Fortschritt rein technisch-wissenschaftlich gemeint – etwa beim Ausbau der Kernenergie. Jetzt bedeutet er Reflexion, Nachdenken über die eigene Arbeit und das Leben.

Noch in den 30er Jahren war es normal, dass Jungen zum Sammeln von Kartoffelkäfern aufgerufen wurden, heute ist das undenkbar. Noch in den 80er Jahren konnte die Industrie einen Joghurt verkaufen mit Slogan „So wertvoll wie ein kleines Steak“. Heute würde das Milchprodukt bei einem solchen Spruch im Regel stehen bleiben.

Kunden eines Supermarktes könnten heute kaum die fünf wichtigsten Getreidearten nennen, aber ohne Probleme den Begriff „Biodiversität“ hervorsprudeln, sagte Andreas Möller. Grund dafür sei Framing, das Formen und Einhämmern von Begriffen, das umso leichter werde, je weniger die Menschen die wirklichen Hintergründe kennen.

Humor und Selbstironie

Was hilft? Zunächst müssten sich die Landwirte klar machen, dass auch andere Branchen – etwa Energie- und Autowirtschaft – angegriffen werden und nicht nur sie. Die Verbände dürften nicht nur mit Forderungen an die Öffentlichkeit gehen, sondern sie müssten Gesichter zeigen und Geschichten erzählen, die Landwirtschaft persönlich machen und emotional. Jeder Bauer müsse in seinem Umfeld, ob Schule oder Verein, immer wieder seine Position erklären. Wichtig sei auch, Humor und Selbstironie nicht zu verlieren. Am allerwichtigsten aber sei dies: „Lassen –Sie sich nicht entmutigen!“

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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