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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

„Weniger Milch bringt bessere Preise“

02.12.2017

Rodenkirchen Die Milchbauern müssen weniger produzieren. Das ist die zentrale Botschaft von Karsten Schmal. Auch wenn längst nicht alle Landwirte sie gerne hören, wiederholte er diese Aussage am Donnerstag beim Milchabend der Kreislandvolkverbände Wesermarsch und Friesland in der Markthalle vor 120 Zuhörern.

„In der jüngsten Milchpreiskrise wären zwei Prozent weniger Milchanlieferung 30 Prozent mehr Milchpreis gewesen“, sagte der Milchbauernpräsident, der mit seiner Familie einen Hof mit Marktfruchtanbau und Futterbau und 160 Kühen bewirtschaftet.

Im Sommer bei 30 Cent

Auszahlungspreise von 22 Cent je Kilogramm Milch hätten die Milchbauern in der Wesermarsch nicht vergessen, auch wenn sie sich derzeit über rund 40 Cent freuten. Für den nächsten Sommer sagte Karten Schmal einen Kilopreis von 30 Cent voraus – eine optimistische Schätzung. „Wir wissen alle, was passiert, wenn wir die (überschüssige) Milch nicht vom Markt kriegen. Ich will nicht wieder für 22 Cent melken“, mahnte er seine Kollegen, nicht weiter über den Bedarf zu produzieren. Drastisch beschrieb der Milchbauer aus Waldeck in Hessen das bisherige Verhalten von Milchbauern: „Ich baue eine Hütte, stecke Kühe rein und gieße die Suppe der Molkerei vor die Tür. Das ist die falsche Herangehensweise.“

In das Thema „Gemeinsam am Milchmarkt erfolgreich sein“ hatten die Vorsitzenden der Milchausschüsse Hendrik Lübben (Wesermarsch) und Hilmar Beenken (Friesland) eingeführt. Beenken freute sich, dass nach schweren Jahren Ende 2016 „endlich die Wende kam“. Das auslaufende Jahr sei „stark getragen“ gewesen von der großen Butternachfrage mit hohen Verbraucherpreisen und Milchgeld an die 40 Cent. Dieses Niveau habe „natürlich auch wieder die Milchmengen steigen lassen“.

Ein Problem sei der hohe Lagerbestand an Milchpulver. Die EU sei nicht länger bereit, die Magermilch zu Interventionspreisen aus dem Markt zu nehmen, sagte Hilmar Beenken.

Karsten Schmal hält die Intervention für „einen letzten Notnagel“. Sie habe sich bewährt als unterstes Sicherheitsnetz und müsse bestehen bleiben. Hendrik Lübben erzählte, man sei mit dem Bauernfunktionär den Tag über durch Marsch und Moor gefahren, um ihm zu zeigen, „dass wir viel Grünland und keine Alternativen haben“.

Geringe Verlässlichkeit

Starke Preisschwankungen im Milchmarkt kenne die Landwirtschaft erst seit zehn Jahren, sagte Schmal, hatte aber keine Erklärung dafür, warum das bei Schweinen und Eiern nicht in dem Maße der Fall ist. Auf jeden Fall müssten die Lieferbeziehungen deutlich verbessert werden. Die Molkereien hätten eine sehr geringe Verlässlichkeit bezüglich der Milchanlieferung, die Milcherzeuger wiederum hätten keine Verlässlichkeit hinsichtlich des künftigen Milchpreises. Der Milchpräsident warb deshalb für Preisabsicherungen für Teilmengen an der Börse, nachdem er erfahren hatte, dass sich keiner der anwesenden Bauern dieses Instruments bedient. Für 2018 sei eine Absicherung von 29 Cent je Kilo möglich, sagte er.

Eine weitere Schwierigkeit für eine marktgerechte Preisgestaltung sei, „dass die Signale übervoller Märkte bei Landwirten nur mit großer Verzögerung ankommen“. Als die Preise schon wieder deutlich die Schmerzgrenze von 22 Cent hinter sich gelassen hatten, hätten die ersten Förderprogramme gegriffen, „viel zu spät für manchen Bauern“.

Einer staatlich verordneten Milchmengenbegrenzung erteilte Karsten Schmal aber eine deutliche Absage.

Die Erfahrungen mit der 2015 ausgelaufenen EU-Milchquote lehrten, dass die Preiswirkung „äußerst gering ist“, sie in offenen Märkten verpufft und die Wettbewerbsfähigkeit zu Gunsten von Drittstaaten gefährdet werde. Die zu produzierende Milchmenge müsse von den Marktpartnern geregelt werden. Politisch definierte Einheitslösungen werde es in Deutschland wegen zu großer struktureller Unterschiede nicht geben. Milchpräsident Schmal sieht auf jeden Fall „noch viel Luft nach oben im gemeinsamen Handeln“.

„Der grüne Pullover ist weg“

Hendrik Lübben aus Langenriep freut sich über den Wechsel im niedersächsischen Landwirtschaftsministerium. „Der grüne Pullover ist weg“, kommentierte er den Abgang des grünen Landwirtschaftsministers Christian Meyer. Endlich sei mit Barbara Otte-Kinast (CDU) wieder eine Ministerin im Amt, „die sich in der Landwirtschaft auskennt“, sagte der Milchausschussvorsitzende.

Karsten Schmal wunderte sich, dass die Landwirtschaft bei den Jamaika-Sondierungen „keine Rolle gespielt hat“. Zu der umstrittenen Zustimmung Deutschlands zum weiteren Einsatz des Unkrautvernichters Glyphosat sagte der Milchbauernpräsident im Deutschen Bauernverband: „Dass Agrarminister Christian Schmidt (CSU) handlungsfähig ist, hat er diese Woche bewiesen.“

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