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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Wolfsberater in Höhle des Löwen

16.03.2019

Rodenkirchen Hermann Kück glaubte zu wissen, wo er war: „Heute bin ich in der Höhle des Löwen“, sagte der Wolfsberater aus Lunestedt im Landkreis Cuxhaven. „Hier sind fünf gegen einen.“

Doch so eindeutig lief die Podiumsdiskussion zwischen dem Wolfsberater und den von Wolfsrissen betroffenen Landwirten aus der Wesermarsch dann doch nicht, und das lag wesentlich an dem Wolfsberater von der anderen Weserseite. Hermann Kück warb um Verständnis für den Wolf, konnte sich aber auch gut in die Lage der Bauern hineinversetzen. Er beschönigte nichts, weckte aber auch keine falschen Hoffnungen.

„Kein Ideologe“

Aber er machte klar: Wölfe, die Weidetiere angreifen, müssen abgeschossen werden. Denn ein Wolf, der einmal Geschmack an Schaffleisch gefunden habe, werde immer wieder zubeißen.

„Ich bin Jäger und Naturschützer“, sagte Hermann Kück, „ich bin Praktiker und kein Ideologe.“ Und: „Ich bin kein Ökospinner, ich weiß, wovon ich rede.“

Der Verband Landwirtschaftliche Fachbildung (VLF) Wesermarsch hatte die Veranstaltung am Donnerstagabend in der Markthalle organisiert: Erstmals sprachen ein Wolfsberater und die Wolfs-Opfer in einer öffentlichen Diskussion miteinander. Tjade Gronau, Geschäftsführer des VLF, begrüßte mehr als 50 Gäste, die allesamt wolfskritisch eingestellt waren.

Hermann Kück informierte in einem bebilderten Vortrag über den Wolf. Dabei ersparte er seinem Publikum auch schreckliche Bilder von Wolfsrissen nicht. Durch die Wesermarsch, sagte Kück, streifen einzelne Wölfe, aber ein Rudel hat sich hier nicht gebildet. Im Landkreis Cuxhaven dagegen hatte sich im Moor bei Meckelstedt ein Wolfsrudel gebildet, dessen Geheul weithin zu hören war.

Das Cuxhavener Rudel hat sich inzwischen aufgelöst, aber das Garlsteder Rudel mit vier Welpen existiert noch: „Die können auch durch die Weser schwimmen.“ Ein weiteres Rudel mit sieben Welpen lebt bei Gnarrenburg. Die Welpen sind elf Monate alt, verabschieden sich jetzt also von ihren Eltern. Eines der Jungtiere ist in der vergangenen Woche bei Wolfsburg totgefahren worden.

170 Wölfe im Land

Derzeit streifen mindestens 170 Wölfe durch Niedersachsen, erläuterte Kück. Niedersachsen ist eine Art gelobtes Land für Wölfe, sie kommen aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt hierher. Jedes Rudel besetzt ein etwa 200 bis 300 Quadratkilometer großes Revier. Erst wenn kein Platz mehr zu verteilen ist, ziehen Wölfe weiter in Richtung Nordrhein-Westfalen.

Fast alle Wölfe seien mit Reh-, Dam-, Rot- und Schwarzwild zufrieden; die Bestände reichten völlig aus. Nur das Muffelwild habe der Wolf in Deutschland fast ausgerottet.

Die weitaus meisten Wölfe, betonte Hermann Kück, verhalten sich gegenüber Weidetieren völlig unauffällig. Nie habe ein Wolfsrudel Weidetiere angegriffen, es seien immer Einzeltiere oder zwei Wölfe gewesen. Diese Wölfe müssten „entnommen“, also abgeschossen, werden.

Hermann Kück ist davon überzeugt, dass es soweit kommen wird: In zwei oder drei Jahren werde der Wolf ins deutsche Jagdrecht aufgenommen sein, ist der Wolfsberater überzeugt. Dafür werde aber noch erheblicher Widerstand aus den Naturschutz- und Umweltverbänden zu überwinden sein.

Doch der Abschuss auffälliger Wölfe allein werde nicht genügen, um die Population auf einem vertretbaren Maß zu halten. Kück plädierte dafür, analog zu den Jungfüchsen auch Jungwölfe zu töten. Denn entgegen anderslautenden Gerüchten würden die Wölfe die Zahl ihrer Nachkommen nicht von sich aus regulieren, wenn der Platz knapp wird.

Allerdings dürfte die Jagd nicht einfach werden, wie der Wolfsberater deutlich machte: „Wölfe sind hochintelligent und sehr scheu. Sie werden aus der Bejagung lernen und noch scheuer werden.“ Schon jetzt sei es praktisch unmöglich, Wölfe mit Sendern zu versehen, weil die Tiere kaum zu finden seien.

Er selbst, sagte Hermann Kück, sei seit sechs Jahren Wolfsberater und halte sich auch als Jäger und Naturschützer sehr oft in der Natur auf, habe aber in seinem ganzen Leben noch keinen Wolf in freier Wildbahn gesehen.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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