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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

„Frauen für Männerberufe motivieren“

23.08.2017

Rodenkirchen /Wesermarsch Wirtschaftlich betrachtet ist die Wesermarsch ein Kreis mit zwei Gesichtern. Auf der einen Seite stehen die gut bezahlten Arbeitskräfte aus der Industrie, auf der anderen eine hohe Zahl von Armen, die vor allem als Arbeitslose und Alleinerziehende in diese Situation geraten sind und von sich aus keinen Ausweg finden.

Wie die Politik diesen Menschen auf Kreis- und Gemeindeebene helfen kann, war am Montagnachmittag Thema einer Konferenz, die die Region Wesermarsch der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in der Markthalle veranstaltete. Grundlage der Diskussion war der Armutsreport, den Dr. Klaus Busch aus Brake, der stellvertretende Vorsitzende der Awo-Region, angefertigt hatte.

Politiker der Kreistagsparteien SPD, FDP, Grüne und Linke waren sich weitgehend einig darin, dass die Kommunen vor allem bei der Bildung ansetzen können. „Wir müssen die Kinder möglichst früh bei uns haben – schon in der Krippe“, gab ihnen Hans Kemmeries recht, der stellvertretende Chef der Kreisverwaltung.

Lehrer für ganzen Tag

Jürgen Janssen, Vorsitzender der Grünen-Kreistagsfraktion, sagte, das bis 2020 bundesweit weitere 350 000 Kindergarten-Plätze gebraucht werden. „Baulich wird das zu schaffen sein, aber es wird sehr schwierig, das Personal für die Betreuung zu finden“, warnte er. Rita Naujoks, die Leiterin der kommunalen Kindertagesstätte in Lemwerder, lenkte den Blick darauf, dass gute Betreuung nicht allein eine Frage erfüllter Quoten sei, sondern dass jedes einzelne Kind auch gesehen werden wolle: „Kinder brauchen eine Qualität in der Beziehung, sie brauchen Erwachsene, die sich ihrer annehmen.“

Nils Humboldt, Lehrer der Oberschule Am Luisenhof, und SPD-Ratsherr in Nordenham, sprach sich dafür aus, Ganztagsschulen zumindest teilgebunden, am besten gebunden – also verpflichtend für die die Schüler –, zu gestalten. Dazu müsse das Land die Lehrerstunden aufstocken, sagte Jürgen Janssen. Sollten CDU und FDP die Landtagswahlen gewinnen, werde das wohl kaum passieren.

Mit seiner Forderung nach einem zweiten Arbeitsmarkt, der Arbeitslosen eine sinnvolle Beschäftigung für einen fairen Lohn biete, stieß Nils Humboldt auf den Widerspruch des FDP-Kreistagsfraktionsvorsitzenden Manfred Wolf. So etwas helfe nicht gegen die Armut. Der Schlüssel sei die Qualifizierung von Arbeitslosen und Alleinerziehenden für die Arbeitsplätze, die die Wirtschaft tatsächlich auch anbiete. Das bedeute in der Wesermarsch, dass Frauen motiviert werden müssten Männerberufe zu erlernen, weil diese hier in größerer Zahl angeboten werden.

Eine Ursache für Arbeitslosigkeit sei, dass Stellen im unteren Dienstleistungssektor weggefallen seien und dass auch in der Industrie einfachere Tätigkeiten durch Automatisierung überflüssig werden, erläuterte Wolf.

Vor 30 Jahren schlimmer

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Hans Francksen sagte, nur eine „innovative Wirtschaftspolitik“ der Kommunen könne neue Arbeitsplätze bringen. Zwar könnten Kommunen selbst kaum Arbeitsplätze schaffen, wohl aber die Rahmenbedingungen dafür verbessern, dass Unternehmen dies tun.

Der ehemalige Nordenhamer Bürgermeister blickte in die 80er Jahre zurück, als die Arbeitslosigkeit in der Wesermarsch 16 Prozent betrug und die Jugendarbeitslosigkeit noch höher lag. Heute gebe es ein Überangebot von Arbeits- und Ausbildungsplätzen, aber auch eine hohe Zahl von Jugendlichen, die nicht ausbildungsfähig seien. Die Kreishandwerkerschaft habe ihre Zahl 2014 auf gut 300 beziffert. Francksen forderte, dass die Sozialbehörden mehr Außendienste anbieten.

Zustimmendes Nicken erntete der Erste Kreisrat Hans Kemmeries für seine Forderung, die Sozialausgaben komplett auf Bundesebene zu bündeln. Das sei besser als ein interkommunaler Finanzausgleich. Hans Kemmeries sagte, dass von den 160 Millionen Euro im Kreishaushalt 110 Millionen in Sozialleistungen fließen.

Henning Otholt, der Vorsitzende des Trägervereins des Arbeitslosenzentrums Brake, wollte es in diesem Punkt nicht bei Worten belassen, sondern forderte „eine konzertierte Aktion“ von Gemeinden und Kreisen in Berlin.

Thomas Bartsch von der Linkspartei forderte einen Sozialtarif des regionalen Energieversorgers EWE für arme Stromkunden. Diese Haushalte könnten die hohen Rechnungen nicht bezahlen, weswegen ihnen immer wieder der Strom abgestellt werde. Der Nordenhamer bezifferte die Zahl der betroffenen Haushalte in der Wesermarsch auf 600 bis 700.

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Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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