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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Flüchtlingshilfe: Er ist einer der gefragtesten Männer in Elsfleth

30.03.2016
NWZonline.de NWZonline 2016-03-30T05:32:54Z 280 158

Flüchtlingshilfe:
Er ist einer der gefragtesten Männer in Elsfleth

Elsfleth Einer der gefragtesten Männer in Elsfleth dürfte derzeit Ahmad Samara sein. Der 35-jährige Palästinenser ist nun seit gut einem Monat offiziell für das Deutsche Rote Kreuz und mit rund 25 Wochenstunden auch für die Stadt Elsfleth in der Flüchtlingshilfe im Einsatz.

Wie sehr er gebraucht wird, wird schnell deutlich, wenn man Samara trifft. Bei einem Besuch des interkulturellen Frühstückstreffs etwa kommt der 35-Jährige kaum dazu, seinen Kaffee zu trinken – geschweige denn, etwas zu essen. Ständig steht jemand vor ihm und hält ihm irgendwelche Zettel hin, die sie erhalten haben, aber nicht verstehen.

Denn Ahmad Samara hilft den Flüchtlingen in Elsfleth, wo er kann. Bereits bevor er die Stelle beim DRK antrat, hat er sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe in Elsfleth engagiert. Seit 2007 lebt er mit seiner Familie in Elsfleth. Seine Frau Zeina Issa stammt aus dem Libanon, deshalb reiste das Paar öfter zu Verwandten in dieses Land. Das erregte die Aufmerksamkeit der palästinensischen Geheimpolizei, die der Familie Probleme machte, erzählt Samara. „Dort wollte ich mit meinen Kindern auf keinen Fall leben“, sagt der 35-Jährige. Vier Söhne hat Samara inzwischen.

Die Anfangszeit in Deutschland sei sehr schwer gewesen. Er durfte keinen Deutschkurs machen, bevor er eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten hatte. Bargeld bekam die Familie nur wenig, stattdessen erhielten die Flüchtlinge Gutscheine. „An der Kasse haben wir uns oft geschämt, weil wir nicht einfach bezahlen konnten, sondern die Gutscheine einlösen und jedes Mal unseren Ausweis vorzeigen mussten“, erzählt Samara.

Wenn sich die Flüchtlinge heute beschweren, kann er das nicht nachvollziehen und ermahnt sie, dankbar zu sein. „Jetzt ist alles viel einfacher für Flüchtlinge“, sagt Samara. „Wir versuchen natürlich schnellstmöglich zu helfen, aber wir sind zurzeit in allen Sozialämtern stark belastet“, sagt Stefan Groenenboom, Leiter des Sozialamtes in Elsfleth. „Bei der Stadt Elsfleth sind alle sehr nett. Sie haben uns sehr geholfen, als wir damals hierher gekommen sind. Wir haben so viel Gutes erlebt, davon möchten wir etwas zurück geben“, sagt Samara. Auch seine Frau habe ihn ermutigt, sich für die Flüchtlinge einzusetzen. „Sie gibt mir Power“, sagt Samara.

An vier Tagen in der Woche ist Ahmad Samara derzeit für die Stadt im Einsatz. Um 8 Uhr beginnt sein Dienst, dann bespricht er mit Stefan Groenenboom die Aufgaben des Tages. Beispielsweise holt er neue Flüchtlinge vom Bahnhof ab und bringt sie in ihre Wohnungen. Auch die Mülltrennung erklärt er ihnen vor Ort. Außerdem zeigt er ihnen Schulen und Kindergärten und ist meist bei der Anmeldung der Kinder dabei, um zu übersetzen. Er erklärt den Flüchtlingen die Einkaufsmöglichkeiten und das Sozialamt. Zu den Mitarbeitern im Sozialamt hat Samara regen Kontakt, oft muss er auch dort übersetzen oder den Flüchtlingen erklären, welche Papiere sie brauchen.

Petra Czerner, Koordinatorin beim DRK, freut sich besonders, dass Samaras Beispiel offenbar schon Früchte trägt. „Wir haben jetzt schon die ersten Flüchtlingspaten, die nicht deutsch sind“, erzählt sie. Flüchtlinge der „2. Generation“, beziehungsweise Bürger, die als Kind selbst als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, haben sich gemeldet, um die Neuankömmlinge zu unterstützen.