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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

„Gefahr wird ausgeklammert“

04.08.2018

Sandfeld /Brake Heiko Wöhler zeigt auf eine Landkarte aus dem 19. Jahrhundert, die ausgebreitet vor ihm liegt. Der 74-Jährige deutet auf einen gestrichelten Bereich, der mit Käseburg beschrieben ist. Eine Jahreszahl und eine Linie von Kreuzen ist zu erkennen. „Hier brach 1526 der Deich, und später auch wieder“, sagt er, um dann einen Moment innezuhalten. „Das ist der schlechteste Baugrund in der ganzen Wesermarsch“, fährt der Landwirt fort. An der Stelle, auf die er zeigt, steht heute die Mülldeponie Käseburg.

Die Geschichte der Familie Wöhler in Sandfeld reicht mehr als 200 Jahre zurück. „Ich bin hier aufgewachsen. Mein Vater war ehrenamtlich in der Wasserwirtschaft tätig“, sagt Heiko Wöhler. Er selbst habe 1962 die Sturmflut miterlebt und damals Sandsäcke geschleppt. Er sei sich der Gefahren durchaus bewusst und wisse auch um den schwierigen Untergrund rund um Käseburg – andere anscheinend weniger. „Man kennt Grund und Boden nicht“, sagt er hinsichtlich eines bedeutenden Bauprojekts.

Der Bürgerverein Rund um Sandfeld hatte Heiko Wöhler damit beauftragt, dem Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) des Landkreises Wesermarsch in seiner jetzigen Vorlage zu widersprechen. Es geht dabei speziell um den Generalplan Wesermarsch, genauer um den Abschnitt im Bereich Käseburg. Entlang der Mülldeponie soll die Rönnel ausgebaut werden.

Seit Dezember 2017 liegt der Vorentwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms für die Wesermarsch vor. Bis zum 16. Juli konnten dazu im Beteiligungsverfahren Stellungnahmen abgegeben werden, was der Bürgerverein Rund um Sandfeld getan hat. Das RROP beinhaltet auch den Generalplan Wesermarsch. Hintergrund ist die Süßwasser-Zuwässerung der Gräben, um der Versalzung in der nördlichen Wesermarsch durch das Weserwasser entgegenzuwirken. Der Plan des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) sieht vor, die Rönnel im Bereich südlich Rehau, Kirchhammelwarden und westliche der Deponie Käseburg zu verbreitern. „Die Region im Bereich der Braker Sielacht gehört zu den tiefsten Punkten in der Wesermarsch“, weiß Heiko Wöhler. Das Wasser müsste bergauf gepumpt werden. Der Höhenunterschied bis Ovelgönne betrage zwei Meter.

Das ist aber nicht das größte Problem, das Heiko Wöhler und der Bürgerverein Rund um Sandfeld sehen. Bei der Planung habe er mehrfach versucht, die örtlichen Gegebenheiten darzulegen, vor allem gehe es ihm dabei um die negativen Auswirkungen der Deponie auf die Umwelt, sagt der 74-jähriger Sandfelder. In einem Gutachten von 1985 zur Erweiterung der Deponie Käseburg sei eindeutig festgestellt worden, dass der Baugrund für eine Deponie ungeeignet ist. „Es wurde trotzdem gebaut“, sagt Heiko Wöhler. Den Boden habe man dann abgeziegelt, wie er sagt, und das Gelände später mit Spundwänden eingefasst. Das Abwasser aus der Deponie habe man in Teichen gesammelt. Diese wurden später mit Sand verfüllt und das Areal dann mit einer Folie abgedichtet, um als Deponie-Erweiterung dienen zu können. Das alte Kartenmaterial liegt dem Sandfelder vor.

Der Untergrund ist laut Heiko Wöhler instabil. In den zurückliegenden Jahren hätten sich in der Nachbarschaft Grundbrüche ereignet. Ob bei einer stark ausgebauten Rönnel mit unsicheren Böschungen entlang der Deponie das Risiko von Grundbrüchen ausgeschlossen werden kann, möchte er im Namen des Bürgervereins wissen. Auch habe die erste Deponie keine Absicherung zum Grundwasser, wie er sagt, und fragt sich, ob die Abdichtung der zweiten Deponie noch sicher ist. Er fürchtet, dass die nördliche Wesermarsch nicht mit dem besten Wasser versorgt würde, sollte der Plan umgesetzt werden.

Heiko Wöhler wirft weitere Frage auf: Wie werde die Zu- und die Entwässerung der landwirtschaftlichen Flächen sichergestellt, die direkt an der Rönnel liegen? Auch soll das Käseburger Sieltief Rückhaltegewässer werden. „Ist es geeignet für höhere Wasserstände? Ist es mit der Satzung der Sielacht zu vereinbaren, ein Gewässer, das zwei Funktionen für alle Anlieger zu erfüllen hat, eine dritte hinzuzufügen, die für eine andere Sielacht nützlich ist?“

Des Weiteren kommt das Kernkraftwerk Unterweser ins Spiel. Die Deponie soll mit zusätzlich 7000 Tonnen freigemessenem Bauschutt belastet werden. Es gebe zwei Projekte an dem Standort, merkt der 74-Jährige an. Zum einen verfolgten die Wasser- und Bodenverbände sowie die Stadt Brake den Generalplan. Zum anderen planten der Landkreis und PreussenElektra die KKU-Bauschuttlagerung. „Jeder plant für sich“, sagt Heiko Wöhler. Das Chaos werde wissentlich in Kauf genommen. „Ich fühle mich den Menschen und der Natur verpflichtet. Das, was hier geschieht, geht mir unter die Haut“, betont er.

Ulrich Schlüter
Elsfleth
Redaktion Brake
Tel:
04401 9988 2320

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