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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Schiffjunge wird Kapitän und Mäzen

14.09.2013

Elsfleth Als Kapitän Horst Werner Janssen vor vielen Jahrzehnten mit seinem Schiff „Visurgis“ in einem schottischen Hafen lag, kam ein indischer Händler zu ihm, um Geld zu wechseln. Beim Zählen der Münzen beobachtete der Gast die Hände Janssens ganz genau und wagte – hellsichtig – eine Prophezeiung: „Sie werden einmal sehr alt und sehr erfolgreich werden“.

Diese prophetische Aussicht ist wahr geworden: Am Montag feiert Horst Werner Janssen seinen 80. Geburtstag. Schaut man diesem Mann ins Gesicht, mag man ihm das Etikett „sehr alt“ auf keinen Fall anheften. Agil und engagiert wie eh und je, interessiert an allem, was Elsfleth, die Kultur und die christliche Seefahrt angeht, ist Janssen auch mit 80 Jahren weit entfernt von einem gemütlichen Rentnerleben.

Trotz seiner beruflichen Erfolge ist der gebürtige Ostfriese demütig geblieben: „Lange gesund, glücklich und beruflich erfolgreich leben zu dürfen, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. In diesen Dank schließe ich meine verstorbene Frau Renate und meine Familie mit ein.“

Aus dem ostfriesischen Südgeorgsfehn stammend – die Eltern hatten eine Gastwirtschaft und betrieben auch Landwirtschaft – begann für Horst Werner Janssen und seinen Zwillingsbruder Adolf die seemännische Laufbahn ganz klassisch: vom Schiffsjungen zum Kapitän.

Mit 15 angeheuert

Mit gerade mal 15 Jahren heuerte Horst Werner Janssen als Schiffsjunge auf dem Dreimastschoner „Hertha Johanne“ an. Nach ihrer Matrosenzeit begannen die Zwillingsbrüder ihr Studium an der Elsflether Seefahrtschule – beide erhielten ihr A 5-Patent (Steuermann auf großer Fahrt) im Jahr 1955, 1958 das Patent zum „Kapitän auf großer Fahrt“ (A 6). Bereits im Jahr 1958 machte sich Janssen als 25-jähriger selbstständig, seinem ersten Schiff gab der frischgebackene Reeder den bezeichnenden Namen „Visurgis“ (lat. Virsurgis = Weser)

In den 60er Jahren erkannte der Reeder die Zeichen der Zeit, er gründete im Dezember 1969 Deutschlands erste Containerschiffsreederei. Nach zwei Motorschiffen mit dem Namen „Visurgis“ wurde die dritte „Visurgis“ – gebaut auf der Elsflether Werft 1970 – zum Flaggschiff Containerschiffsreederei Janssen. Taufpatin war die Hamburger Schauspielerin Heidi Kabel.

Horst Werner Janssens Meriten und seine Aktivitäten als Mäzen auf vielen Gebieten aufzuzählen, gleicht der berühmten „Unendlichen Geschichte“. Unzählige Projekte hat der Reeder in den vergangenen Jahren zugunsten der Stadt Elsfleth und dem maritimen Umfeld angeregt, initiiert und fördernd begleitet.

Großer Förderer

Nur einige Beispiele von vielen seien genannt: das Schulschiff „Großherzogin Elisabeth“, das Schiffahrtsmuseum „Haus Elsfleth“, die Wempe-Uhr und der Seemannsbrunnen am Nicolai-Platz, der Erhalt des historischen Krans an der Kaje, die Graf Anton-Günther-Skulptur vor dem Heye-Stift, die Schiffsmodelle in der St. Nicolai-Kirche, der Bootsanleger am Hunteufer, und, und und . . . 

Ebenso lang ist die Liste seiner ehrenamtlichen Engagements in zahlreichen Vereinen und maritimen sowie nicht-maritimen Institutionen. 1992 erhielt Janssen das Bundesverdienstkreuz am Bande, 2005 wurde ihm der Niedersächsische Verdienstorden am Bande verliehen, seit 2001 ist er Ehrenbürger der Stadt Elsfleth. „Nur in der Politik war ich nie“, fügt der Kapitän schmunzelnd hinzu.

Gibt es noch eine „Baustelle“ in Elsfleth, die ihm unter den Nägeln brennt? Janssen: „Für die Elsflether Innenstadt muss dringend ein Konzept entwickelt werden. Die günstige Lage am Wasser muss Grundlage für ein künftiges Konzept sein.“

Traditionen zu wahren, ist ihm zwar wichtig, aber: „Sich zu erinnern, bedeutet nicht, den Blick für die Zukunft zu verlieren.“

Als 1. Vorsitzender des Nautischen Vereins konnte Kapitän Janssen seit Beginn seiner Vorstandstätigkeit im Jahr 1979 alljährlich prominente Gäste als Festredner zum „Nautischen Essen“ in der Elsflether Stadthalle gewinnen. In die illustre Reihe der Festredner reihten sich unter vielen anderen auch der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder, ehemalige niedersächsische Ministerpräsident David McAllister, der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff, sowie zahlreiche Führungskräfte der deutschen Wirtschaft und der maritimen Welt ein.

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