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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Schönes Dorf statt Kölner Dom

07.02.2019

Schwei-West Wer die ersten 20 Jahre seines Lebens mit Blick auf den Kölner Dom verbringt, kann sich oft nicht recht für das platte Land und seine Bewohner begeistern. Edith Kahnt-Ralle kann es schon.

Aber eben nicht, weil sie es nicht anders kennt, sondern weil sie auf dem Land vieles erkennt und zu schätzen weiß, das klassische „Landeier“ oft nicht wahrnehmen. Edith Kahnt-Ralle ist als Großstadtpflanze in Köln aufgewachsen und engagiert sich heute für die Dorfentwicklung in Schwei. Ein langer Weg, den die 60-Jährige persönlich als lohnend empfindet.

Praktikum beim Bauern

Nach dem Abitur beschloss sie Landwirtschaft zu studieren; sie war von ihrem aus dem Umland von Paderborn stammenden Vater geprägt. Vorsichtshalber absolvierte sie aber ein Jahrespraktikum auf einem kleinen Hof in der Eifel. Das gefiel ihr super. Anschließend nahm sie ihr Studium in Göttingen auf, wo sie ihren Mann Uwe Ralle kennenlernte.

Nach dem Studium ging es weiter gen Norden – nach Oldenburg. Dort fing er bei der Landwirtschaftskammer an – heute leitet er die Bezirksstelle Oldenburg-Nord – und sie bei der Zeitung. Auch das war wieder Prägung: Ihr Opa war Lokalredakteur bei einer Zeitung in Brühl, ihr Bruder ist Fachjournalist für historischen Motorsport. Und sie fing als Praktikantin beim damaligen Landwirtschaftsblatt Weser-Ems an, das inzwischen in der Zeitschrift Land und Forst aufgegangen ist.

„Wie die Bauern mussten auch wir Agrarjournalisten uns immer weiter spezialisieren“, sagt Edith Kahnt-Ralle. Sie kümmert sich um Futterbau, Erneuerbare Energien und Agrarpolitik.

Und sie kommt viel herum. Von Oldenburg aus deckt die Redaktion ganz Nordniedersachsen ab, und deshalb kennt Edith Kahnt-Ralle viele Dörfer und viele Bauernhöfe aus eigener Anschauung.

„Es liegt am Geist“

Und sie weiß: Es liegt am Geist, der in einem Dorf weht. Der Geist in Schwei gefällt ihr: „Die Leute lieben ihr Dorf, und sie tun etwas dafür.“

Und das schon ziemlich lange. Edith Kahnt-Ralle ist von Anfang an dabei. Zunächst ging es um den Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“, aus dem „Unser Dorf hat Zukunft“ wurde, bei dem Schwei es bis zum Landesentscheid brachte.

Auf dem Weg dahin verfolgten eine Interessengemeinschaft, ein runder Tisch und ein Arbeitskreis mehrere Projekte, die nicht alle mit Erfolg abgeschlossen werden konnten. So ging es anfangs darum, den Laden des Ehepaars Oeltjen auf neuer Grundlage zu erhalten. Das erwies sich als illusorisch. „Fast jeder hat hier ein Auto, und dann wird für ein größeres Sortiment und etwas günstigere Preise eben etwas weiter gefahren“, sagt Edith Kahnt-Ralle. Sie selbst hat auf dem Weg zur Arbeit nahezu jeden Morgen im Dorfladen Großenmeer eingekauft und dessen Scheitern mit eigenen Augen verfolgt.

Als geglückt wertet sie selbstverständlich den Bau der neuen Turnhalle mit massiven Eigenleistungen, die Sanierung des Kirchengeländes und die Erneuerung der Bushaltestelle.

Dass die Sanierung der Schulstraße gescheitert ist, bedauert sie. Statt der Straßenausbaubeitragssatzung würde die Journalistin einen jährlichen Beitrag aller Stadlander bevorzugen: „Da hätten am Ende alle etwas davon.“ Das wäre auch für die Flurbereinigung gut, sagt sie.

Langer Atem nötig

Beim Kindergarten setzt sie auf das geplante Mehrgenerationenhaus, das aus Dorferneuerungsmitteln mitfinanziert werden soll. Als nächstes Projekt wird das Lagerhaus des Schweier Bürgervereins auf der alten Viehrampe angegangen. Für die Sanierung des Klärwerksgeländes brauche es dagegen noch viel Geduld.

Generell empfiehlt Edith Kahnt-Ralle bei der Dorferneuerung einen langen Atem: „Die Pläne liegen in der Schublade, sie müssen nur verwirklicht werden, und das kann dauern.“

Verwirklicht wird aber zunächst der Bürgerbus – auch dank ihrer Mithilfe. Sie ist Zweite Vorsitzende des Trägervereins. Sobald dieser Verein bei Gericht eingetragen ist, sollen mehr Mitglieder und Werbepartner gewonnen werden. Vor dem Start des Fahrplans, stellt sie sich vor, könnte eine ausgiebige Werbetour des Busses mit Stopps an vielen Haltestellen stehen.

Im Ruhestand will Edith Kahnt-Ralle den Bürgerbus häufiger nutzen. Sie wohnt mit ihrem Mann in einem 90 Jahre alten Haus in Schwei-West, in dem Schwiegervater und Opa eine kleine Landwirtschaft betrieben hatten. Sie ist dem Strukturwandel zum Opfer gefallen.

Strukturwandel muss nicht immer schlecht sein, sagt die 60-Jährige. Ihr Mann züchtet Schafe, das ist von der Kleinlandwirtschaft übrig geblieben. Als Rentnerin will sie aus der Milch Schafskäse machen. Ein schöner Plan für eine Großstadtpflanze, die auf dem platten Land gedeiht.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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