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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Nicht nur Beruf, sondern Berufung

02.06.2018

Schweiburg „Achtung, laufen Sie bitte nicht direkt vor den Fluglöchern. Wenn eine Biene mit 40 Sachen angeflogen kommt und auf sie prallt, könnten Sie gestochen werden“, warnt Maria Rieken. Das leuchtet ein und die NWZ-Redakteurin heftet sich besser an die Fersen der Imkermeisterin. Gemeinsam werden die Bienenvölker angesteuert, die Imkerin nimmt einige Deckel von den Kisten ab und hebt schwere, mit Honig prall gefüllte Waben an und zeigt eine Königin aus eigener Zucht.

200 Bienenvölker haben Maria Rieken und ihr Mann Uwe. Die Beiden sind die einzigen gelernten Berufsimker auf weiter Flur. Sie betreiben einen Hofladen in Schweiburg und sind auf Bauernmärkten in Oldenburg und Seefeld präsent. Ihren Honig und alle anderen Produkte, die sie daraus herstellen, vertreiben sie ausschließlich über die Direktvermarktung. Und das mit Erfolg: Das Paar kann von der Imkerei und einem gewerblichen Fachhandel mit Zubehör für Imker als zweitem Standbein leben.

Im Alltag von Maria und Uwe Rieken dreht sich also alles um Bienen. Tagsüber und oft auch nachts: Steht zum Beispiel eine Bienenwanderung an, findet diese nachts statt. Bienenwanderung meint den Transport der Völker in unterschiedliche „Trachten“. Das sind dann zum Beispiel Obstplantagen während der Apfelblüte, blühende Rapsfelder oder Heideflächen. Durch die Wanderungen ihrer Bienen stehen die Völker also in wechselnden Regionen und sorgen so dafür, dass Riekens in ihrem Geschäft zwischen sieben und zwölf verschiedene Honigsorten anbieten können. „Wir versuchen überwiegend, unsere Völker auf Bioflächen aufzustellen“, erklärt Maria Rieken. Ein Bio-Zertifikat hat ihr Honig aber nicht. „Das liegt daran, dass wir unsere Völker nicht in Holzkisten haben. Die sind mir einfach zu schwer.“

Bienen etwas Gutes tun

Auch im eigenen Garten kann jeder dem verheerenden Bienensterben entgegenwirken und ihnen etwas Gutes tun, in dem er Pflanzen setzt, die Bienen mögen und eben nicht alles kurz und klein schneidet.

Bienen lieben Krokusse und Winterlinge, Salbei, Kornblumen, Weidenkätzchen, Sonnenblumen, Bergahorn und Berberitze. Oder kurz: blühende Vielfalt im Garten hilft.

Mehr Infos unter

Mehr Infos unterwww.deutscherimkerbund.de

Die die abends eingeflogen, können die Kisten verschlossen und verladen werden. Am nächsten Morgen finden sie sich dann beispielsweise zwischen Apfelbäumen im Alten Land wieder, wenn dort Blütezeit ist. „Die Bienen erkunden dann erst ihr näheres Umfeld und prägen sich wirklich alles ein, damit sie immer zu ihrem Flugloch zurückfinden“, so Maria Rieken. Die Spurbienen fliegen auf die Wabe zurück und tanzen für die anderen Bienen. Und dieser Tanz hat es in sich: Denn mit ihm verraten sie den anderen Bienen, wo und welcher Entfernung sich die Apfelblüten befinden. „Und so wird das ganze Volk auf Apfel gemünzt“, erläutert die Imkermeisterin das faszinierende Prozedere. Denn nur so kann der Imker reine Honigsorten wie Lindenblüte, Heide oder Akazie anbieten. Gemischte Sorten entstünden nur dann, wenn die Bienen nicht genug einer bestimmten Nahrung vorfinden würden. Rieken: „Dann suchen sie nach anderen Quellen.“

Für die Berufsimker bedeutet das: Während der Blütezeit sind sie mit ihren Völkern viel unterwegs und legen große Strecken zurück. Eine anstrengende Zeit: „Ich stehe eigentlich immer um halb vier Uhr auf“, sagt Maria Rieken. Aber das stört sie nicht. Denn die Imkerei ist für sie nicht nur Beruf, sondern Berufung.

Schon als Kinder hatten Maria und Uwe Rieken Kontakt zur Imkerei und waren davon begeistert. Kennengelernt haben sich beide im Betriebswirtschaftsstudium, die Imkerei war damals nur ein Hobby.

In Celle, der einzigen Berufsschule für Imker, haben sie ihre Gesellenprüfung abgelegt und Kontakte zu Berufsimkern geknüpft. „1992 hatten wir 100 Völker und haben alle unsere Freizeit in die Bienen gesteckt. Da mussten wir uns entscheiden, in welche Richtung wir wollen“, erinnert sich Maria Rieken.

Also hat sie ihren normalen Job gekündigt und fortan die Imkerei ausgebaut – bis auf die 200 Völker von heute. Seit 2002 ist sie Imkermeisterin, seit 2000 ist auch Uwe Rieken Vollzeit-Imker. „Wir leben davon und sind damit zufrieden“, sagt die Imkerin. Der Hauptabsatz laufe über die Bauernmärkte.

Ob Riekens aber ein wirtschaftlich erfolgreiches Jahr haben oder nicht, hängt nicht nur von den Kunden ab, sondern auch vom Wetter und den Bienen. „Das vergangene Jahr war unser schlechtestes“, erzählt Uwe Rieken – zu kalt und regnerisch sei es gewesen. Aber diese Saison läuft ja zweifelsohne besser an.

Von zwei Problemen werden Imker aber immer geplagt: Immer wieder werden Bienenvölker gestohlen, so dass Riekens mittlerweile mit Kameraüberwachung und Tracking arbeiten. Und immer wieder sterben Völker. „Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft ist für uns ein Riesenproblem. Die sind tödlich für Bienen.“

Die Imkerei befindet in Schweiburg an der Kirchenstraße 49, Telefon 04455/684.


     www.imkerei-rieken.de 
Anja Biewald
Berne/Lemwerder
Redaktion Brake
Tel:
04401 9988 2321

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