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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Bürgerbus kommt jetzt doch in Fahrt

15.06.2018

Seefeld /Schwei „Das ist ein Hammer“, sagte der Bürgerbus-Experte Stefan Bendrien, als er ans Ende der Präsentation der Haushaltsbefragung in Stadland kam. 31 Bürger erklärten sich bereit, ehrenamtlich in einem Bürgerbus-Verein mitzuarbeiten, 28 würden den Bürgerbus fahren.

Das machte den insgesamt nur 26 Teilnehmern der Informations- und Diskussionsveranstaltung zu diesem Thema am Mittwochabend in der Landgaststätte Seefelder Schaart großen Mut, es mit einem Bürgerbus zwischen Seefeld, Reitland und Schwei zu versuchen – auch wenn die Zahl der interessierten Fahrgäste zu gering erscheint.

Weitere Treffen geplant

Deshalb kündigte Bürgermeister Klaus Rübesamen an, nach den Sommerferien eine weitere Zusammenkunft von Interessierten einzuberufen, die den Weg zu einer besseren Mobilitätsversorgung besprechen soll. Dabei werde nicht gleich am ersten Abend eine Entscheidung fallen.

Ende Mai hatte die Gemeindeverwaltung eine Haushaltsbefragung gestartet, deren Rücklauf erstaunlich gering war: Aus den 3460 Haushalten kamen 256 Fragebögen zurück – 7,4 Prozent. Normal seien 20 Prozent, sagte Stefan Bendrien, der beim Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) als Verkehrsplaner für die Landkreise Wesermarsch und Oldenburg sowie die Städte Bremerhaven und Delmenhorst zuständig ist und auch dem Dachverband der niedersächsischen Bürgerbusvereine vorsitzt.

Doch ein näherer Blick auf die von Ute Nordhausen von der Bürger- und Touristikinformation der Gemeinde erarbeitete Präsentation zeigte: Es waren die verkehrstechnisch relativ gut erschlossenen Dörfer Rodenkirchen und Kleinensiel, die die Quote mit geringer Beteiligung heruntergezogen hatten. Aus der schlecht erschlossenen Region Seefeld/Reitland/Schwei kam ein Rücklauf von 14 Prozent.

Jeweils die meisten gaben an, den Bürgerbus ein- bis zweimal pro Woche nutzen zu wollen. Daraus lassen sich 1200 Passagiere pro Monat hochrechnen. Doch Stefan Bendrien rechnete gleich weiter: Nach allen Erfahrungen müssen von den Interessenten 90 Prozent abgezogen werden – bleiben etwa 120 Passagiere pro Monat. Das seien zu wenig für den aufwendigen Betrieb eines Bürgerbusses, sagte Stefan Bendrien. Gebraucht werde etwa die dreifache Anzahl von Fahrgästen.

Forderndes Ehrenamt

Denn die ehrenamtliche Arbeit mit dem Bürgerbus sei sehr fordernd: „Der Vorsitzende hat einen Halbtagsjob, und der Fahrdienstleiter schläft mit dem Handy unter dem Kopfkissen.“ Da sei es sehr frustrierend, wenn der Bus Leerfahrten unternimmt. Zudem müsse der Bürgerbusverein fünf Jahre durchhalten, sonst müsse er die Förderung zurückzahlen.

Deshalb schlug Stefan Bendrien drei Alternativen vor:
 Die Buslinie 430 von Rodenkirchen über Schwei nach Varel könnte um einen Abstecher nach Reitland und Seefeld verlängert werden; das wolle er bis zum Jahresende prüfen.
 Die Gemeinde könnte ein Dorfauto anschaffen, das sich jeder ausleihen könne, der ein Fahrzeug brauche. Nachteil: Diese Regelung hilft niemandem, der keinen Führerschein hat oder nicht mehr fahren darf.
 Oder die Gemeinde schafft ein Bürgerauto an. Das liegt derzeit stark im Trend, denn zu diesem Angebot gehören auch – wie beim Bürgerbus – einige ehrenamtliche Fahrer.

In der Diskussion zeigte sich schnell, dass kaum Interesse an Dorf- oder Bürgerauto besteht.

Der Nahverkehrs-Experte riet den Stadlandern aber dringend, jetzt etwas für die Anbindung des Westens ihrer Gemeinde zu tun, denn: „Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg ist so viel Fördergeld in den Nahverkehr gesteckt worden. Was wir jetzt nicht auf die Straße kriegen, schaffen wir in zehn Jahren auch nicht mehr.“ Grund sei eine Veränderung des niedersächsischen Nahverkehrsgesetzes.

Mut machte den Stadlandern auch der Vorsitzende des Bürgerbus-Vereins in Butjadingen, Jürgen Sprickerhof: „Ein Bürgerbus in Stadland ist in meinen Augen relativ ohne Risiko. Es spricht sehr viel dafür, anzufangen und es zu versuchen.“ Und dabei will der Butjadinger Verein gerne helfen, wie Sprickerhof weiter sagte: „Einer unserer Busse ist abgeschrieben, ein zweiter steht kurz davor. Den ersten könnten wir zur Verfügung stellen.“ Zudem verwies er auf die Butjenter Erfahrung, dass mehr jugendliche Schüler als erwartet mit ihren kostenlosen Monatskarten den Bürgerbus für Privatfahrten nutzen. Dennoch: 300 Passagiere pro Monat dürften auf der Linie kaum zu erreichen sein.

Die Lücke schließen

Auch der Reitlander Thomas Helms ist optimistisch: „Der Bus muss erst einmal präsent sein, dann wird er auch genutzt.“ FDP-Ratsherr Michael Sanders, Seefeld, sagte, ein Stadlander Bürgerbus könne die Lücke zwischen dem Butjadinger Bürgerbus und dem Linienbus Rodenkirchen/Varel schließen. Von Zuschauern kam die Anregung, Bürgervereine und Sozialverbände könnten den Bürgerbus bekannter machen, denn offensichtlich gebe es ein Informationsdefizit.

Angesichts des Angebots aus Butjadingen will Bürgermeister Klaus Rübesamen in den nächsten Zusammenkünften sowohl über einen Bürgerbus als auch über eine Verlängerung der Linie 430 in Richtung Seefeld sprechen. Für beide Lösungen müssten Zuschüsse eingeworben werden.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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