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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Spinnkreis Seefeld: Die spinnen: Altes Handwerk ist in Seefeld quicklebendig

11.10.2019

Seefeld „Oma, machen wir heute wieder Band?“, wenn Martha Meinens Enkel das fragt, dann möchte er sich mit ihr ans Spinnrad setzen. „Die jungen Leute kennen das Spinnen ja heute gar nicht mehr, aber meinen Enkel habe ich schon angesteckt“, erzählt sie schmunzelnd. Auch für sie war das Spinnen etwas völlig Neues, als sie vor drei Jahren zum Spinnkreis Seefeld stieß. Diese klassische Form der Handarbeit am Leben zu erhalten, ist eines der Ziele des Spinnkreises. Doch vor allem sei die Arbeit mit dem Spinnrad einfach sehr entspannend, sind sich die Frauen einig. Alle 14 Tage mittwochs um 19 Uhr treffen sich rund 12 bis 14 Frauen des Spinnkreises im Café der Seefelder Mühle zum Spinnen.

Das sei fast wie meditieren, sagt Heide Krüger. Wenn sie sich zum Beispiel über etwas bei der Arbeit geärgert hat, setzt sie sich zu Hause eine halbe Stunde ans Spinnrad und „komme sofort wieder runter“, sagt Heide Krüger.

„Es ist einfach ein so tolles Hobby“, findet auch Erna Timpe. Sie hat das Spinnen noch von ihrer Großmutter gelernt. „Immer wenn sie auf die Toilette ging, habe ich mich heimlich an ihr Spinnrad gesetzt und geübt. Wenn ich dann den Faden verloren habe, hatte ich immer Angst, dass ich Ärger bekomme“, erzählt sie schmunzelnd.

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Den Faden verlieren

Die Redewendung „den Faden verlieren“, kommt also nicht von ungefähr. Doch wenn der Faden auf der Spule einmal reißt, ist nicht gleich alles verloren. „Man muss sich nur in etwa merken, an welcher Stelle der Spule man zuletzt war“, sagt Heide Krüger. Denn das ausgefranste, fusselige Wollstück auf der Spule wieder zu finden, sei manchmal gar nicht so leicht, wissen die Frauen aus Erfahrung. „Manchmal hilft auch Pusten“, verrät Bärbel König-Riesner einen Trick.

Mit dem Fuß werden Spinnrad und Spule über ein Pedal zum Drehen gebracht. Denn Spinnen sei eigentlich nichts anderes als Wolle um sich selbst zu drehen, erläutert Martha Meinen. Stück für Stück geben die Frauen die „Rohwolle“ zu, die sich dann in einem dünnen Faden um die Spindel wickelt.

Damit der Faden mehr Stabilität bekommt, müssen noch einmal zwei einfache Fäden auf einer dritten Spule zu einem festen Wollfaden „verzwirnt“ werden. Jedes Spinnrad hat also Platz für insgesamt drei Spulen. Spinnräder seien heute im Internet ganz einfach zu bekommen, erzählt Bärbel König-Riesner. Dabei gibt es viele verschiedene Hersteller. Gut für Anfänger geeignet seien vor allem Spinnräder mit großen Spulen.

Erna Timpe hat ein Spinnrad mit zwei Pedalen. „Durch die Wechselbewegung werden die Knie weniger belastet“, sagt sie. Irmgard Jensen hat noch ein relativ altes Modell. „Das hat noch ganz kleine Spulen“, sagt sie. Das Spinnrad hat sie gebraucht von einer Freundin gekauft. Wie lange sie schon beim Spinnkreis dabei ist, kann sie gar nicht mehr sagen. „Schon ein paar Jahre“, sagt sie. Sie habe damals eigentlich mit einer Gruppe des Historischen Kaufhauses einen Stand auf einer Messe in Stotel gehabt, erinnert sie sich. „Von unserem Stand aus, haben wir genau auf den Stand des Spinnkreises geguckt. Als ich das gesehen habe, war ich geliefert“, erzählt sie. Sie fuhr zum nächsten Treffen des Spinnkreises, probierte das Spinnen aus, und ist seitdem dabei.

Eigene Schafe

Sie hat sogar eigene Schafe zu Hause, deren Wolle sie verarbeitet. Das Spinnen sei nur einer von fünf Schritten, sagt Erna Timpe. Der erste Schritt sei das Scheren der Schafe, zählt sie auf. Fast alle der Frauen holen sich ihr Rohmaterial direkt vom Schafscherer. Anschließend muss die Wolle gewaschen werden. Auch das machen die Frauen des Spinnkreises selbst. Doch schnell wird deutlich, dabei gibt es verschiedene Vorgehensweisen. Eigentlich müsse die Wolle einfach nur 4 bis 8 Wochen in einem verschlossenen Behälter im Wasser liegen, sagt Heide Krüger. Damit es schneller geht, waschen die Frauen ihre Wolle allerdings in mehreren Gängen mit Spülmittel. „Als letzter Gang kommt bei mir immer eine Haarspülung dazu“, verrät Irmgard Jensen.

Schritt drei – nach dem Waschen und Trocknen – ist das Kardieren, also das Kämmen der Wolle. „Dabei werden die Fasern der Wolle in eine Richtung gelegt“, erläutert Bärbel König-Riesner. Denn erst dann kann die Wolle zu einem Faden gesponnen werden. Nach dem Verzwirnen zweier einfacher Fäden, kann die Wolle dann ganz normal verarbeitet werden. Und auch das machen die Frauen im Spinnkreis. So entstehen in gemütlicher Runde so manches Paar Wollsocken, kuschelige Pullover, Mützen und vieles mehr.

Interessierte sind in der Gruppe immer willkommen. Das nächste Treffen findet am Mittwoch, 23. Oktober, im Mühlencafé statt. Gyde Riesner gibt zu den Treffen gern weitere Informationen. Sie ist unter Telefon  04455/9996182 zu erreichen. Auf Anfrage können Interessierte sich zum Ausprobieren auch erst einmal ein Spinnrad von den Gruppenmitgliedern leihen.


Ein Video sehen Sie unter   www.nwzonline.de/videos/mein-landkreis/wesermarsch 
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Merle Ullrich Brake / Redaktion Brake
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