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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Seit 75 Jahren dem Beruf treu geblieben

04.04.2013

Burhave „Ich muss noch meinen Urlaub für die vergangenen 60 Jahre beantragen, ich weiß nur nicht wo“, scherzt Willy Repnak. Gut zwei Wochen vor seinem 89. Geburtstag kann der Burhaver ein besonderes Jubiläum feiern. Der selbstständige Textilkaufmann ist immer noch in dem Beruf tätig, in dem er heute vor genau 75 Jahren seine Lehre begann.

Eine Feier ist für diesen Donnerstag nicht geplant. Die könnte aber im Sommer stattfinden, denn dann wird das Textilhaus Repnak an der Butjadinger Straße 55 in Burhave 60 Jahre bestehen. „Dafür muss ich mir wohl was einfallen lassen“, stellt Willy Repnak fest, dessen unerschütterlicher Humor ihn auch über schwierige Zeiten hinweg geholfen hat.

Am 19. April 1924 in Infeld geboren und in Abbehausen aufgewachsen, trat Willy Rep­nak am 4. April 1938 bei Hans tom Dieck in Abbehausen die Lehre zum „Deutschen Kaufmann“. Am Tag zuvor war er konfirmiert worden, obwohl eine Urkunde bescheinigt, dass seine Konfirmation bereits zwei Wochen vor seiner Geburt stattfand. Dieser Fehler im Konfirmationsschein wurde nie behoben, obwohl sein Vater beim Pastor vorstellig geworden war.

Obwohl Willy Repnak seine praktische Ausbildung zum Kaufmann selbst in die Hand nehmen musste, weil sein Lehrherr zum Kriegsdienst eingezogen wurde, bestand er die Abschlussprüfung. Es folgten ein Jahr Reichsarbeitsdienst und drei Jahre Wehrmacht - zumeist Fronteinsatz im Kampf um Leningrad und in Estland und Ostpreußen, für Willy Repnak die schlimmste Zeit seines Lebens.

Nach der Rückkehr aus englischer Gefangenschaft in Dänemark fing er 1945 wieder im Geschäft von Hans tom Dieck an. Es war eine überaus lehrreiche Zeit, denn Willy Repnak musste Fahrräder und Nähmaschinen repapieren sowie verkaufen, was sich gerade anbot.

1953 machte sich Willy Rep­nak selbstständig, indem er das Textileinzelhandelgeschäft von Eduard Heeren – der Schwiegervater von Hans tom Dieck gab es aufs Altersgründen auf – an der Butjadinger Straße in Burhave pachtete. Weil in dem 40-Quadratmeter-Laden kaum Platz war, fand der Verkauf mit einem Karton- und Regalsystem statt. Dafür erhielt der Kaufmann erst viele Jahre später im Burhaver Karneval den Namen „Willy Karton“, der ihm bis heute treu blieb.

Die zu kleinen Räume führten 1975 zum Kauf des benachbarten Lebensmittelgeschäft von Emil Böttcher, wo Willy Repnak das heutige Textilhaus Repnak eröffnete. Das Geschäft wurde zunächst um eine Wohnung im Erdgeschoss und später um einen Anbau auf 150 Quadratmeter Verkaufsfläche erweitert.

Ohne seine Frau Anna – die gelernte Textilkauffrau verstarb 2007 nach 53 Ehejahren – wäre die Selbstständigkeit nicht möglich gewesen, blickt der 88-Jährige zurück. Er betreibt des Textilgeschäfte, in dem etliche Lehrlinge ausgebildet wurden, heute mit zwei langjährigen Mitarbeiterinnen.

Wie lange das noch sein wird, lässt Willy Repnak offen. Ein Nachfolger sei nicht in Sicht. Auch seine beiden Kinder, die mit ihren Familien in Varel und Oldenburg wohnen, haben kein Interesse. Zudem haben die Mobilität der Bürger, die großen Kaufhäuser in den Zentren und das Internet die Kunden abwandern lassen. Vieler seiner Kollegen in der Branche hätten deshalb längst das Handtuch geworfen. Allein der Tourismus sorge dafür, dass er sein Geschäft noch betreiben könne.

Das will Willy Repnak auch weiterhin tun „so lange die Sonne noch für mich scheint.“ Die scheint im Textilhaus Repnak, wenn „Willy Karton“, stets zu einem Scherz bereit, hinterm Ladentresen steht.

Rolf Bultmann
Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2202

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Textilhaus Repnak | Wehrmacht

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