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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Sie wollen sich nicht einmauern lassen

22.12.2016

Lemwerder Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende, viele Wesermärschler freuen sich bereits auf das kommende und auf möglichst viele schöne Erlebnisse. Kirsten Wellmann, ihre Schwester Sabine Cordsen und deren Mann Burkhard hingegen blicken skeptisch auf 2017. Es könnte ein Schicksalsjahr für sie werden. Mit weitreichenden Folgen.

Kirsten Wellmann und Sabine und Burkhard Cordsen wohnen in der Außendeichsiedlung in Lemwerder. Direkt an der Weser. Schon seit mindestens fünf Jahren wissen sie, dass die vorhandene Spundwand nicht mehr ausreichend vor Hochwasser schützt. Der Anstieg des Meeresspiegels, Klimaveränderungen, ein anderes Sturmflutverhalten, aber auch der Bau der Sperrwerke an Hunte und Lesum lassen nach Einschätzung des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) für die kommenden Jahre höhere Wasserstände erwarten. Die Spundwand muss deshalb um rund einen Meter erhöht werden.

Gegen die Erhöhung der Hochwasserschutzwand haben die Anwohner der Außendeichsiedlung gar nichts. Im Gegenteil. Aber was sie ablehnen, ist der Plan des Landesbetriebs, einfach eine Betonmauer auf die vorhandene Spundwand draufzusetzen.

Damit wäre nicht nur der Blick auf die Weser unmöglich, sondern ganz allgemein sinkt die Wohn- und Lebensqualität und der Wert der Grundstücke, finden die Anwohner. Sie haben sich deshalb zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen. Wortführer sind Kirsten Wellmann und das Ehepaar Cordsen.

„Wir haben uns ganz bewusst wegen der einmaligen Lage für dieses Grundstück entschieden“, sagt Sabine Cordsen. Das Ehepaar wohnt seit 1984 in der Siedlung. „Wer mauert denn einen Ort ein?“ kommentiert sie kopfschüttelnd die Betonmauer-Lösung.

Die Eheleute Cordsen und Kirsten Wellmann haben sich mehrfach mit Alternativvorschlägen zu Wort gemeldet, haben Kostenberechnungen anstellen lassen und Widersprüche in den Begründungen aufgedeckt – aber sie haben den Eindruck, dass ihre Hinweise trotz alledem ungehört verhallen. „Inzwischen bekommen wir nicht einmal mehr Antworten auf unsere Schreiben“, sagt Kirsten Wellmann.

Die Verbitterung ist aus ihren Worten deutlich herauszuhören. Dabei drängt die Zeit: Anfang Januar, hat Kai Wienken vom NLWKN auf der Herbstdeichschau gesagt, soll die Planfeststellung für die Baumaßnahme beantragt werden.

Die Siedlungsbewohner haben für die rund 280 Meter eine Schutzwand mit Glaselementen vorgeschlagen, wie sie auch an der Kaje in Brake verwendet worden ist. Als zu teuer hat der Landesbetrieb diese Variante verworfen. Und argumentiert, dass in Brake viele von dieser Bauweise profitieren würden, in Lemwerder maximal 16 direkte Anlieger. Eine Zahl für Brake liefert NLWKN allerdings nicht.

Dafür hat Kai Wienken in einer Bürgerversammlung vorgeschlagen, den Weg vor der Wand zu erhöhen, um Fußgängern und Radfahrern weiter den Blick auf die Weser zu ermöglichen. Damit räumt er aus Sicht der Anwohner ein, dass dieser Bereich keineswegs nur privat genutzt wird.

Auch die Gemeinde hat in ihrer Stellungnahme ausdrücklich den Weg als wichtige Verbindung zum Ritzenbütteler Sand bezeichnet. Glasbauelemente, die der Vorsteher des I. Oldenburgischen Deichbandes, Cord Hartjen, noch als „Luxus“ abgetan hat, wären also durchaus vertretbar, finden die Anwohner. Außerdem haben sie Kostenvoranschläge namhafter Unternehmen, die deutlich günstiger sind als die NLWKN-Berechnungen.

Zweiter Vorschlag; mobile Schutzwände. Abgelehnt – ohne eine für die Anwohner nachvollziehbare Begründung. Dass der Aufbau zu lange dauern würde, bezweifeln sie angesichts heutiger, wesentlich schnellerer Sturmflut-Warnmöglichkeiten. Zudem könnten die Elemente in Kästen vor Ort gelagert werden und wären damit zügig aufgestellt.

Die Anwohner haben außerdem, um die Kosten vertretbar zu halten, vorgeschlagen, EU-Fördermittel in Anspruch zu nehmen. „Bei der Gemeindeverwaltung hat man uns gesagt, dass man solche Programme nicht kennt“, berichtet Kirsten Wellmann.

Die Verzweiflung bei ihr, ihrer Schwester und deren Mann ist deshalb groß. Aber noch setzen sie darauf, dass sich beim Hochwasserschutz in der Außendeichsiedlung nicht die „Beton“-Köpfe durchsetzen.

Torsten Wewer
Elsfleth
Redaktion Brake
Tel:
04401 9988 2322

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