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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Es summt und brummt in Sillens

21.06.2018

Sillens Schmetterlinge flattern von einer Blüte zur nächsten, es duftet nach Blumen. Die Blühflächen von Landwirt Christoph Geil werden von seinen sechsbeinigen Gästen bestens angenommen. Es summt und brummt in Sillens. Auf insgesamt 45 Hektar Land (ein Teil gehört einem Nachbarbetrieb) in Butjadingen und Nordenham hat Christoph Geil Blühflächen angelegt, um Insekten und Wildtieren Nahrung und Deckung zu bieten. Dort wachsen Alexandrinerklee, Phacelia, Buchweizen, Ölrettich und Sonnenblumen – die Imkermischung.

Der 30-jährige Landwirt beteiligt sich am Blühstreifenprogramm des Landes Niedersachsen. Dabei arbeitet er mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises und dem Vorsitzenden des Imkervereins Jade-Weser, Henning Wessels, zusammen. Die Blühflächen müssen mit einem Imker abgestimmt, beraten und von ihm attestiert werden.

Passende Flächen

Natürlich nutzt der Landwirt nicht gerade seine ertragreichsten Äcker als Blühstreifen. „Die Flächen hier liegen an einer Wurth. Die Bereiche sind sehr feucht“, sagt er. Auch ungünstig geschnittene Stücke sind landwirtschaftlich schwer nutzbar. „Ich hab ein paar Dreiecke, da war eine Blühfläche einfach sinnvoll“, sagt Christoph Geil.

Für die Blühfläche bekommt er eine Entschädigung von 700 Euro pro Hektar vom Land und eine Flächenprämie der EU, berichtet er. Davon müsse man die Ausgaben für Saatgut, Pacht und die Arbeitszeit, die er investiert, abziehen. „Und ich habe natürlich auf diesen Flächen einen Produktionsausfall. Ein bisschen Idealismus gehört schon dazu“, sagt er lachend. Die Flächen sind über das Jahr für Insekten und für Wildtiere wie Hasen und Fasane, die in dem hohen Gras Deckung finden, reserviert.

Bis zum 15. April müssen die Blühstreifen ausgesät werden. Bei den strukturreichen Blühstreifen, für die sich Christoph Geil entschieden hat, wird auf 50 Prozent der Fläche Saat ausgebracht, 50 Prozent wird der Natur überlassen. Bis 15. Oktober darf er dort weder mähen noch düngen. Pflanzenschutzmittel verbieten sich selbstverständlich auch. Danach darf der Landwirt 50 Prozent der Flächen mulchen, der Rest muss bis Februar unberührt bleiben.

Schutz auch im Winter

Auch im Winter suchen Insekten in den Blühstreifen Schutz. Christoph Geil lässt die Flächen bis zur nächsten Aussaat ruhen. „Im Oktober ist es sowieso zu nass“, sagt er. Auch im Februar könne der Boden nicht bearbeitet werden. Die Blühstreifen und freien Flächen sollten immer wechseln, empfiehlt das Landwirtschaftsministerium.

Christoph Geil legt seit drei Jahren Blühstreifen an. „Es gibt Vorteile in vielen Bereichen“, findet er. „Der Umweltaspekt ist in der Landwirtschaft ein bisschen verloren gegangen“, meint er. Deshalb hat das Image der Landwirtschaft gelitten. Die Blühflächen seien ein Schritt zu mehr Nachhaltigkeit. Henning Wessels stimmt zu. Kühe seien auf immer höhere Leistung gezüchtet, entsprechend müssen die Weideflächen mehr energiereiches Futter bieten, für Blumen sei kein Platz. Chemischer Pflanzenschutz, Lichtverschmutzung in Großstädten (für nachtaktive Insekten ein Problem), der Verlust von Naturraum und eine geringere biologische Vielfalt sind Gründe für das Insektensterben. Die Populationen seien in den vergangenen 20 bis 30 Jahren um 70 Prozent zurückgegangen, sagt Henning Wessels. Konkrete Zahlen für die Wesermarsch hat er nicht, doch der Landkreis sei von der Entwicklung nicht ausgenommen.

Der Imker begrüßt das Blühstreifenprogramm. Er ermuntert Landwirte, es Christoph Geil gleichzutun. Heute sei oft schon das Saatgut von Raps, Mais und Rüben mit Insektiziden ummantelt, die die ganze Pflanze erfüllen und noch nach Monaten gefährlich für Insekten sind, weiß er. „Genau deshalb sind solche Flächen, die frei von Chemie sind, so wertvoll. Hier können sich die Bestände erholen“, sagt er. Seitdem er Bienenstöcke in Atens in der Nähe einer Blühfläche aufgestellt hat, habe er gesunde Bienen. Sie finden dort bis in den Spätsommer Nektar und Pollen.

Merle Ullrich
Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2202

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