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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

„Spaß passt nicht zum Töten von Tieren“

03.05.2013

Rodenkirchen Die Jagd hat sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr zum Negativen verändert. Denn sie dient nicht mehr der Sicherung der Nahrungsgrundlage, sondern dem Spaß, für den der Jäger auch noch viel Geld bezahlt. Das wiederum bringt die althergebrachte Ethik der Jagd ins Wanken.

So lautet die Kernbotschaft von Seeben Arjes. Der 70-jährige ehemalige Bundesförster aus der Lüneburger Heide gilt heute als einer der schärfsten Kritiker der Jagd. Ausgerechnet ihn hatte der Vorstand der Kreisjägerschaft Wesermarsch zur Mitgliederversammlung in der Markthalle eingeladen – ein Zeichen für Offenheit und Diskussionsbereitschaft.

Enden wollender Applaus

Doch der Applaus der knapp 200 anwesenden Jäger nach dem Referat des bundesweit bekannten Autors war enden wollend.

Der gebürtige Ostfriese Seeben Arjes ist seit seiner Jugend zur Jagd gegangen, übt diese Beschäftigung heute aber so gut wie nicht mehr aus. Jetzt nimmt er die Tiere mit Kamera und Teleobjektiv ins Visier und schreibt Bücher über die Natur und die Jagd. „Ich schreibe, weil ich wütend bin“, sagt er.

Sein Vortrag stand unter dem Motto „Waidgerechtigkeit – Religion der Jäger. Wird sie noch gebraucht?“ Tatsächlich erzählte er eine kleine Kulturgeschichte der Jagd und rief dazu auf, die alten Werte stärker zu achten.

Nachhaltig jagen

Dass dieser Appell Gehör findet, mag Seeben Arjes aber selbst nicht so recht glauben. Denn unter Waidgerechtigkeit verstünden einige Jäger Naturschutz und andere Brauchtum. Für Seeben Arjes ist klar: Naturschutz und Nachhaltigkeit sind die Grundlagen der Waidgerechtigkeit. Denn am Anfang der Jagdgeschichte steht die Ernährung der in der Savanne lebenden Sippe durch die Jagd. Deshalb lag es im wohlverstandenen Eigeninteresse des Jägers, dass die Beute groß genug war, um die Sippe zu ernähren, aber nicht so groß, dass der Wildbestand in Gefahr geriet. Wer die Kunst der Jagd beherrschte, genoss hohes Ansehen.

Einen ersten Knacks bekam die Jagd mit dem Beginn des Ackerbaus. Plötzlich waren wilde Tiere Schädlinge, die bekämpft werden mussten. Der nächste Knacks kam, als Jäger den Grundeigentümern Geld dafür bezahlen mussten, dass sie auf ihrem Land jagen dürfen. Inzwischen ging es auch nicht mehr um Nahrung, sondern um die Regulierung des Wildbestandes und den Spaß.

Spaß und Kommerz passten aber nicht in einen Zusammenhang mit dem Töten von Tieren. Wenn Jäger hohe Summen für einen Jagdausflug ausgeben, haben sie wenig Interesse an einem waidgerechten Umgang mit dem Wild, sagte Arjes und sprach mehrfach von „Kill for cash“ – also Töten für Geld.

Zwar tagten nach der Jagd immer noch Jagdgerichte. Aber anders als früher seien sie kein Instrument der Qualitätssicherung mehr, sondern sie sähen über manches Fehlverhalten hinweg. Dadurch verstärke sich die Tendenz zum nicht waidgerechten Jagen weiter.

Henning Bielefeld
Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2203

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