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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Kulturlandschaft: Stadtwald für Spekulanten tabu

05.01.2013

Nordenham Vor 30 Jahren hat Jürgen Keup miterlebt, wie der Blexer Sand am Stadtrand aufgeforstet worden ist. Damals hat er die stark verfallene Hofstelle Vorwerk I von der Domänenverwaltung gekauft. „Das noch gar nicht sichtbare Waldgebiet hat gelockt“, sagt der heute 70-Jährige, der 40 Jahre als Raumausstatter und Sonnenschutzfachmann in Nordenham selbstständig tätig war. Inzwischen ist ein 27,2 Hektar umfassender Laubmischwald herangewachsen. Die meisten Bäume sind 15 Meter hoch und dürften in den nächsten Jahrzehnten bis auf 30 Meter wachsen.

Rustikaler Stil bei Überwegungen

Mit einem Anteil von 0,6 Prozent gehört die Wesermarsch zu den waldärmsten Landkreisen in Niedersachsen. Der Nordenhamer Stadtwald ist ab 1981 auf den ehemaligen Weiden der Domäne Blexersande angelegt worden. Infolge jahrzehntelanger Belastung der Böden durch die Bleihütte war Viehhaltung nicht mehr möglich. Während der ersten großen Pflegedurchforstung im Sommer 2010 wurden Fahrgassen angelegt.

100 Granit-Bordsteine aus der sanierten Müller-Straße werden als rustikale Brüstung an den vier erneuerten Graben-Überwe­gungen im Stadtwald Verwendung finden. Eine dieser Überwegungen mit erneuertem Fundament ist bereits fertiggestellt.

Jürgen Keup engagiert sich nicht zum ersten Mal für die Allgemeinheit. Er hat die Wiederherstellung des Tores von Gut Schützfeld initiiert und 2007 mit freiwilligen Helfern realisiert.

Im Dezember 2011 hat der Rentner die erste Kaufpreisrate für den Nordenhamer Stadtwald überwiesen, im Dezember 2012 die zweite. Jetzt folgt die letzte Rate. Die Niedersächsischen Landesforsten übergeben am 11. Januar den Stadtwald in das Eigentum einer von Jürgen Keup gegründeten Familienstiftung.

Landkreis und Stadt haben auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

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Lediglich Forstwirtschaft

Die Stiftung gewährleistet, dass der Wald weder verkauft noch bebaut werden darf. Lediglich die übliche forstwirtschaftliche Nutzung ist zulässig. „So wird auch verhindert, dass einzelne schöne Ecken von irgendwelchen Spekulanten abgezwackt werden“, freut sich Jürgen Keup.

„Geld ist nicht alles im Leben“, begründet der Rentner sein ungewöhnliches Engagement für die Allgemeinheit. „Dieser kleine Stadtwald soll noch mehr Natur werden. Besonders Familien mit Kindern sollen hier spazieren gehen können und sich von der Natur beeindrucken lassen.“

Beim gebürtigen Phiesewarder war schon als Auszubildender zum Einzelhandelskaufmann Interesse am Vorwerk I geweckt worden. Täglich zweimal radelte er auf seinem Arbeitsweg an der damals abgesperrten Hofstelle vorbei. Als die Domänenverwaltung das stark renovierungsbedürftige Anwesen per Zeitungsanzeige zum Kauf anbot, nahm Jürgen Keup zufällig davon Notiz. Daraufhin setzte er sich gegen zwei Mitbieter durch und erwarb den Hof Mitte 1982. „Ich wusste, der Wald wird wachsen und das Anwesen wird einmal inmitten eines Waldes liegen.“

Zunächst richtete der Kaufmann, der mit seiner Familie in der Innenstadt wohnen blieb, zwei Wohnungen ein und vermietete sie. Das 600 Quadratmeter umfassende Stallgebäude nutzte er teilweise als Teppichboden-Lager.

1995 baute Jürgen Keup den früheren Schweinestall zum Wochenendsitz aus – mit großzügiger Glasfront und innen ganz in blau und weiß im friesischen Stil gestaltet. 2001 zog er hier mit seiner zweiten Ehefrau ganz ein. „Der Wald war schon gut gewachsen. Es ist hier wunderschön ruhig, abgeschieden und zugleich innenstadtnah.“

2009 kaufte der Nordenhamer die restlichen 7000 der insgesamt 10 000 Quadratmeter umfassenden Hoffläche hinzu, die von einer Graft umgeben ist. Aus Brennesselfeldern machte Jürgen Keup eine Obstwiese sowie einen Bauerngarten und pflanzte verschiedene Baumarten. „Das ist schon eine große grüne Oase“, freut sich auch Ehefrau Gudrun Thorn-Keup (69).

Den Stadtwald wird die Familienstiftung für die Allgemeinheit noch besser erschließen. Sie investiert in die Erneuerung des Wegesystems, das von der Stadt weiterhin unterhalten wird.

Wertvolle Biotope

Die außen liegenden Entwässerungsgräben werden bis Ende Februar aufgereinigt. Die seit 30 Jahren nicht mehr aufgereinigten kleineren Gräben im Wald haben sich zu wertvollen Biotopen entwickelt und bleiben unberührt.

Jürgen Keup sieht eine gute Zukunft für den kleinen Stadtwald zugunsten der Allgemeinheit. Seine Ehefrau sagt: „Das war sein Traum, und Träume soll man leben.“


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/wesermarsch 
Horst Lohe Nordenham / Redaktion Nordenham
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