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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Stapellauf der besonderen Art

07.10.2013

Brake Wenn Ortwin Fries viermal im Jahr zum Ehemaligentreffen der C. Lühring Schiffswerft ins Vereinsheim des Braker Sportfischervereins geht, dann werden im Austausch mit den früheren Kollegen viele Erinnerungen wach. So ist ihm auch die Geschichte der MS „Gloria Virentium“ noch gut im Gedächtnis geblieben, an dessen Bau er beteiligt war und die nun nach über 35 Jahren Dienstzeit verschrottet wurde.

Fries, der gebürtig aus Kiel stammt, und dort von 1956 bis 1959 bei den Kieler Howaldtswerken zunächst gelernt und später Schiffsbau studiert hatte, war bei der C. Lühring Werft 20 Jahre für das Projektmanagement zuständig. „Ich habe die Projektbearbeitung gemacht – von der Anfrage der Reederei bis hin zum Neubauauftrag“, erzählt er.

Durch seine Tätigkeit hat der 75-Jährige viel von der Welt gesehen; unter anderem führten ihn Dienstreisen nach Mexiko, Italien und Spanien, nach Großbritannien, Skandinavien, Russland und Nigeria. Anfang Oktober 1975 führte ihn und Claus Lühring eine Anfrage der Reederei Holscher nach Rotterdam. Diese hatte zwei kleine Binnenschiffe mit einer Verbindungsbrücke zu einem Katamaran umgebaut und darauf einen Schwergutmast gesetzt. Nun sollte die C. Lühring Werft nach dem Vorbild dieses Prototyps einen Neubau konstruieren – die MS „Gloria Virentium“.

Anekdote über Knöllchen

Fries weiß von dieser Reise noch eine Anekdote zu berichten: Nach langen Verhandlungsgesprächen kehrten die Braker zu ihrem Auto zurück und bemerkten dort ein Knöllchen. Sie bezahlten jedoch keine Strafe, sondern ließen von der niederländischen Reederei den zuständigen Polizisten ausfindig machen und luden ihn zu einer Probefahrt auf dem Auftragsschiff ein. Damit hatte sich der Strafzettel erledigt. „Damals hat man viele Dinge nicht so ernst genommen“, sagt Fries heute.

Bei der Braker Werft arbeiteten an dem Auftrag damals 200 Mitarbeiter und zusätzliche Fremdfirmen, die für Malerarbeiten, Elektrik und die Innenausstattung verantwortlich waren. Nach zwei Jahren, im Sommer 1977, wurde der Schwergutfrachter, der für den Transport von Komponenten von Kernkraftwerken bestimmt war, fertiggestellt.

Vom Stapel lief das Schiff dann 1977, aber nicht wie gewöhnlich rückwärts, sondern mit dem Bug voraus, weil die an der Steuerbordseite angeordneten Komponenten wie Masten und Deckhaus nur so von dem Werftkran montiert werden konnten.

„Das war damals eine kleine Sensation in Brake“, sagt Fries. Das etwa 80 Meter lange und 20 Meter breite Schiff konnte mit seinem Ladegeschirr freischwimmend und ohne Hilfskonstruktionen 800 Tonnen schwere Teile an Bord heben – zum Beispiel komplette Binnenschiffe.

Besondere Hebefähigkeit

„Gemessen an seiner Größe hatte die ,Gloria Virentium’ eine bemerkenswerte Hebefähigkeit“, sagt Fries. Dabei wurde die Ladung nicht durch Schwenken der Ladebäume, sondern durch „Auftoppen“ aufs Schiff gehoben. Die Hauptarbeit wurde also durch Auf- und Abwärtsbewegungen geleistet.

Inzwischen wurde nicht nur die „Gloria Virentium“ verschrottet. Die letzte Braker Werft, C. Lühring, meldete 1988 nach über 100 Jahren Konkurs an. Geblieben sind die Erinnerungen, in denen Ortwin Fries und seine Kollegen bei den Rentnertreffen nur allzu gerne schwelgen.

Tanja Henschel
Barßel
Redaktion Münsterland
Tel:
04491 9988 2906

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