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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Nachwuchs wird langsam flügge

13.07.2019

Stollhamm Der Abgrund ist kaum einen Zentimeter entfernt. Und man glaubt den Tieren ansehen zu können, dass sie sich nur allzu gerne hinunterstürzen und dann in den Himmel aufschwingen würden. Ganz so weit ist es noch nicht. Aber so langsam wird er flügge, der Stollhammer Storchennachwuchs. Für Beate Hermenau ist das Gebaren „ihrer“ vier Jungstörche jeden Tag aufs Neue ein faszinierendes Schauspiel.

Beate Hermenau begeistert sich seit Kindertagen für Störche. „Für mich waren sie immer schon magisch“, sagt die Stollhammerin, die in Tossens an der Zinzendorfschule als Lehrerin tätig ist. Im Frühjahr 2018 erfüllte sie sich einen Traum und stellte mit viel Mühe in ihrem Garten ein Storchennest auf; es thront auf einem 600 Kilo schweren Lerchenstamm.

Die Knochenarbeit sollte sich schon bald lohnen. Ostern 2018 begann die Liebesgeschichte von Therese und Balthasar. So taufte Beate Hermenau das Storchenpaar, das sich in dem Nest niederließ und schon bald zu brüten begann. Drei Jungstörche waren das Ergebnis.

Störchen wird große Nesttreue nachgesagt. Und die haben auch Therese und Balthasar an den Tag gelegt. Offenbar hat es ihnen in Stollhamm gut gefallen. Dieses Frühjahr jedenfalls kamen sie wieder. Anfang Mai schlüpften vier Jungstörche. Zwei Monate später sind sie von der Größe her von den Alttieren kaum noch zu unterscheiden. Ein Merkmal von Jungstörchen ist der schwarze Schnabel, der sich erst mit einem gewissen Alter rötlich zu verfärben beginnt. Die Stollhammer Jungstörche befinden sich gerade in dieser Phase.

Nur mit dem Fliegen klappt es noch nicht ganz. Die hinteren Steuerfedern sind dafür der Grund. Erst wenn sie die Handschwingen, die die Flügelspitzen bilden, um rund zwei Fingerbreiten überragen, sind die Jungvögel in der Lage zu fliegen. Beate Hermenau vermutet, dass das in spätestens zwei Wochen der Fall sein wird.

Vorerst sind die Jungvögel noch auf ihre Eltern angewiesen, die etwa alle zwei Stunden mit Futter herbeigeflogen kommen. Dass die Alten gleich vier Jungvögel durchfüttern, ist durchaus nicht gewöhnlich und zeugt davon, dass offenbar die Hauptnahrungsquelle der Störche in diesem Jahr reichlich vorhanden ist: Mäuse.

Störche sind in dieser Hinsicht nicht gerade zimperlich. Wenn sie merken, dass das Nahrungsangebot nicht ausreicht, um alle Jungen durchzubringen, töten sie einen Teil ihrer Nachkommen, so dass die anderen eine Chance zum Überleben haben.

Auch wenn die Jungstörche fliegen können, werden sie noch zwei bis drei Wochen von den Alten mit Nahrung versorgt. Danach sind sie auf sich alleine gestellt.

Beate Hermnau geht davon aus, dass sich das Quartett Mitte bis Ende August verabschieden wird. Ein baldiges Wiedersehen ist nicht sehr wahrscheinlich. Junge Störche werden mit drei bis fünf Jahren geschlechtsreif. Erst dann kehren sie in die Nistgebiete zurück. In der Zwischenzeit leben sie in den Überwinterungsgebieten.

Auf ein Wiedersehen mit Therese und Balthasar, die sie an ihrer Beringung erkennt, hofft Beate Hermenau dagegen auf jeden Fall. Sie ist glücklich, wenn es im nächsten Frühjahr hoch oben im Nest wieder munter klappert.

Detlef Glückselig Butjadingen / Redaktion Nordenham
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