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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Es geht: Ein Leben (fast) ohne Plastik

10.04.2019

Stollhamm Eine TV-Dokumentation gab den Ausschlag. Schon lange hatte sich Beate Hermenau aus Stollhamm über die Plastikflut geärgert, die die moderne Konsumgesellschaft produziert. Dann lief im März 2018 im Fernsehen ein Film über eine Familie, die plastikfrei lebt.

„Warum machen wir das eigentlich nicht auch?“, fragte die 51-Jährige erst sich selbst, dann ihren Lebensgefährten Uwe Hänßler (54). Die beiden gaben sich die Hand darauf, künftig Plastik zu vermeiden, wo immer es geht. Das Ergebnis nach einem Jahr: Es geht nicht alles, aber es geht sehr viel. Die vorläufige Bilanz der Stollhammer fällt sehr positiv aus. Zwei angenehme Nebeneffekte inklusive.

Die Umstellung von „normalem“ Konsumverhalten auf ein plastikfreien Leben fiel Beate Hermenau und Uwe Hänßler nicht in den Schoß. Die beiden Pädagogen, die an der Zinzendorfschule in Tossens unterrichten, probierten aus, recherchierten im Internet, fragten nach.

Inzwischen haben sie ihren Weg gefunden, nahezu plastikfrei zu leben. Und der beginnt unmittelbar nach dem Aufstehen. Die Zähne putzen sich die Stollhammer mit Zahnbürsten aus Bambus – einem schnell nachwachsenden Rohstoff – und mit einer Zahnpasta, die nicht aus der Tube kommt, sondern selber hergestellt ist: aus Natron, Xylit (Holzzucker) und einigen Tropfen Pfefferminzöl.

Auch Duschgel oder Shampoo, das im Supermarkt oder in der Drogerie fast immer nur in Kunststoffbehältern angeboten wird, findet man nicht im Badezimmer des Paaren. Ihre Haare wäscht sich Beate Hermenau mit Roggenmehl – ein Tipp, den sie auf einer Seite über nachhaltiges Leben im Internet gefunden hatte. „Ich war erst sehr skeptisch“, sagt die 51-Jährige, „aber es geht super“.

Immer Papiertüten dabei

Im Kofferraum ihres Autos haben die Stollhammer immer einen Vorrat an Papiertüten deponiert. Es ärgert sie, dass in vielen Supermärkten noch immer Plastiktüten viel offensiver angeboten werden als Tüten aus Papier. Und weil es letztere – ob am Obstregal oder beim Bäcker – mitunter auch gar nicht gibt, rüsten sich Beate Hermenau und Uwe Hänßler, indem sie eigene Papiertüten dabei haben.

Das ändert nichts daran, dass die meisten Waren im Supermarkt in Plastik eingepackt sind. Die Stollhammer umgehen solche Artikel weitestgehend, indem sie beispielsweise Gemüse im Abo von einem Biobauern beziehen, an der Frischetheke ausdrücklich kein Plastik zwischen den Käsescheiben verlangen, Artikel wie Nudeln auf Vorrat in einem Unverpackt-Laden kaufen und auf manches schlichtweg verzichten.

Uwe Hänßler hatte die Vorstellung, keine Chips mehr knabbern zu können, weil sie kaum ohne Plastikverpackung zu haben sind, zunächst ein bisschen gruselig gefunden. Inzwischen hat er sich dran gewöhnt und lässt – Nebeneffekt Nummer 1 – solche Artikel, die ja nicht unbedingt der Inbegriff einer gesunden Ernährung sind, einfach im Regal stehen. „Es ist erstaunlich, worauf man alles verzichten kann“, sagt der 54-Jährige.

Das plastikfreie Leben hat indes Grenzen. Viele Elektronikartikel werden ausschließlich in den so genannten Blisterverpackungen angeboten – dickes Plastik, aus dem man den Artikel nur mit Gewalt herausbekommt und dabei gute Chancen hat, sich die Finger aufzuschneiden. Beate Hermenau und Uwe Hänßler haben keine Ahnung, warum es nicht möglich ist, solche Waren zu kaufen, ohne Plastikmüll zu verursachen. Sie hoffen, dass bei der Industrie irgendwann ein Umdenken stattfindet.

Vorbild für andere

In der Familie und im Bekanntenkreis der Stollhammer ist das vielfach schon geschehen. Belächelt werden die beiden so gut wie nie. „Die meisten Leute finden es toll, und manche achten inzwischen ebenfalls darauf, mit weniger Plastik zu leben“, sagt Beate Hermenau.

Die Argumente „zu teuer“ und „hab ich keine Zeit für“ lassen die beiden Stollhammer übrigens nicht gelten. Plastikfrei einzukaufen müsse nicht notwendigerweise teurer sein, hat Uwe Hänßler festgestellt. Zwar ist es richtig, dass es weniger Zeit kostet, die Zahnpasta beim Großeinkauf im Supermarkt aus dem Regal zu nehmen und in den Einkaufswagen zu werfen als sie selber herzustellen. Aber, und das ist Nebeneffekt nummer 2: „So viele Leute reden vom Entschleunigen“, sagte Beate Hermenau, „hier haben sie die Gelegenheit, es wirklich zu tun.“

Detlef Glückselig Butjadingen / Redaktion Nordenham
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