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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Über langen Zeitraum mit Füßen getreten

09.05.2006

ATENS Die Steine waren lange in Gebrauch. Dann wurden sie als Pflaster eines Innenhofs in Vegesack zweckentfremdet.

von henning bielefeld ATENS - Andere haben sie mit Füßen getreten, im wahrsten Sinne des Wortes. Jahrzehntelang. Doch Heinrich Gröne weiß ihren Wert zu schätzen. Der 66-jährige Sammler antiken Hausrats und Spielzeugs aus der Atenser Allee ist stolz auf seine neueste Errungenschaft: sechs Drucksteine.

„Die habe ich in Bremerhaven auf dem Flohmarkt gekauft“, sagt der Rentner, der 36 Jahre lang bei Opel Müller beschäftigt gewesen ist. Entstanden sie sind irgendwann im 19. Jahrhundert in Bremen. Eines Tages wurden sie nicht mehr gebraucht und fanden Verwendung bei der Pflasterung eines Innenhofes in Vegesack – mit der Druckseite nach unten. Erst bei einer Renovierung tauchten sie wieder auf.

Nur gut, dass Heinrich Gröne schon einiges über den Steindruck, die Lithographie, wusste, als er in Bremerhaven auf die Steine stieß. Bei einem Urlaub im Altmühltal hatte er mit seiner Frau ein Museum besucht, in dem über diese Handwerkskunst informiert wurde. Alois Senefelder (1771 bis 1834) hatte sie um 1796 erfunden.

Die Steine, die Gröne kaufte, waren etwa von 1880 bis 1900 in Gebrauch – für den Druck von Tabakwerbung. „Das ist erst beim Reinigen der Steine zum Vorschein gekommen“, erzählt Gröne. „Vermutlich sind die Steine wesentlich älter als 1880. Sie sind abgeseift und neu beschriftet worden.“

Sie bestehen aus Solnhofener Kalkschiefer, laut Gröne einem seltenen Material. Mit einer Größe von 22 mal 27 Zentimetern sind sie relativ klein. Sie wiegen jeweils 5,5 Kilogramm, einer sogar 7,5 Kilogramm.

Die reich verzierten und durchaus informativen Aufschriften führen zurück in eine längst vergangene Zeit, in der sich Werbung stark am Hersteller und seinem Erzeugnis orientierte, aber durchaus auch schon das Lebensgefühl ansprach – oder was hatte es sonst für einen Sinn, wenn die Tabakfabrik Otto Janssen „Jägertabak“ herstellte?

Der „Kriegstabak“ dagegen für 90 Pfennig die Packung war kein Appell ans Lebensgefühl. Er enthielt „Tabak und behördlich erlaubte Ersatzstoffe“, wie der Druckstein noch heute erzählt.

Die Werbung erinnert an längst vergessene Tabakfabriken in Vegesack oder im holsteinischen Heide, an „M. Wilckens Nachfolger“ in Holland und P. N. Hoelcks „Kronentabak“. Die Globalisierung hatte die Raucher noch nicht erreicht; das nikotinhaltige Kraut wurde wohnortnah erzeugt.

Offensichtlich erhielten einige Raucher ihren Tabak auch mit der Post. Denn auf einem Druckstein heißt es: „Reklamationen können nur berücksichtigt werden, wenn sie bis acht Tage nach Empfang der Ware erfolgen.“ Da lässt der ehrliche Kaufmann grüßen. Eines allerdings war damals kein Thema: Dass Rauchen eine höchst gefährliche Sucht ist. In der „guten, alten Zeit“ war eben doch nicht alles besser.

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