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Kater vorne – Dalinghaus raus
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Kater vorne – Dalinghaus raus

NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Wenn die Wohnung zum Gefängnis wird

16.08.2014

Blexen Die Welt da draußen liegt nur sieben Treppenstufen entfernt. Marlies Eikermann kann sie durchs Fenster sehen. Und doch bleibt sie unerreichbar. Die 63-Jährige aus Blexen ist an den Rollstuhl gefesselt. Im April vergangenen Jahres hatte sie einen Schlaganfall. Im Juli 2013 kam sie aus der Reha-Klinik zurück in ihre Wohnung an der Fährstraße. Seitdem hat sie ihr Zuhause nicht mehr verlassen.

Marlies Eikermann hat im Leben viel Pech gehabt. Aber sie hat sich immer wieder zurückgekämpft. Auch ihr Schicksal, auf den Rollstuhl angewiesen zu sein, hat sie angenommen. Aber dass sie ihre Wohnung nicht mehr verlassen kann, ist für sie ein unerträglicher Zustand. Sie hat schon einiges versucht. Doch bisher ohne Erfolg. „Man wird von einer Stelle zur nächsten verwiesen und nichts passiert,“ sagt sie.

Anträge abgelehnt

Zwei Zimmer, Küche, Bad – 50 Quadratmeter – das ist die Wohnung von Marlies Eikermann – gemütlich eingerichtet in einem Mehrparteienhaus. „Mehr brauche ich auch nicht“, sagt die 63-Jährige. Das einzige Problem: Sie kommt nicht nach draußen. Dabei gibt es Möglichkeiten. Ein Treppenlift zum Beispiel. Sie hat ihn zweimal bei der AOK beantragt. Zweimal wurde dieser Antrag abgelehnt. Jetzt hat das Sozialgericht ihre Klage gegen diesen Bescheid angenommen. Ein Termin steht noch nicht fest.

Viel lieber wäre es der Blexerin allerdings, wenn sie die Wohnung auf andere Weise verlassen könnte. Der hintere Bereich ihrer Wohnung liegt ebenerdig. Es wäre kein Problem, eine Tür einzubauen. „Der Vermieter hat nichts dagegen“, sagt Marlies Eikermann. „Außerdem wäre diese Lösung viel günstiger.“ Die 63-Jährige hat einen Kostenvoranschlag eingeholt: 5630 Euro. Darin enthalten sind auch die Kosten für Fliesen, die im Außenbereich verlegt werden müssten. Von der AOK würde sie einen Zuschuss über 2557 Euro bekommen. Aber woher soll Marlies Eikermann das restliche Geld nehmen?

AOK-Pressesprecherin Svenja Schoon teilt auf Nachfrage mit, dass es sich bei den 2557 Euro um einen gesetzlich festgelegten Höchstsatz für Umbaumaßnahmen handelt. In Härtefällen würde das Sozialamt die Restkosten für die Umbaumaßnahme übernehmen.

Das Problem: An das Sozialamt hat sich Marlies Eikermann längst gewandt. Von dort ist sie an die Eingliederungshilfe beim Fachdienst Soziales des Landkreises verwiesen worden. Und von dort habe sie die Mitteilung bekommen, dass ihre Pflegekasse zuständig sei. Ein Teufelskreis, den die 63-Jährige endlich durchbrechen möchte.

Marlies Eikermann lässt sich von dem Nordenhamer Rechtsanwalt Bernd Bierfischer vertreten. Er sieht die Pflegekasse in der Pflicht. Und er hofft, dass das Sozialgericht schnell eine Entscheidung zugunsten der Blexerin trifft. Dabei favorisiert er ebenfalls die Lösung mit der Tür nach außen – auch aus wirtschaftlichen Gründen. Die Lösung mit dem Treppenlift, um die es vorrangig in dem Verfahren geht, wäre etwa doppelt so teuer. Denn mit dem Treppenlift allein wäre es nicht getan. Marlies Eikermann müsste auch noch einen zweiten Rollstuhl bekommen.

Papierkrieg

Nach den Worten des Rechtsanwalts wäre der Lift im Übrigen längst genehmigt worden, wenn sich die Treppe innerhalb der Wohnung befinden würde. Das ist aber nicht der Fall. Die sieben für Marlies Eikermann unüberwindbaren Stufen sind im Treppenhaus.

Der 63-Jährigen bleibt nichts anderes übrig, als zu warten. Aber sie wartet schon sehr lange. Außerdem ist sie verzweifelt wegen des ganzen Papierkrieges. „Wenn ich nicht ein so großes soziales Umfeld hätte, wäre ich längst durchgedreht. Ich fühle mich in meiner eigenen Wohnung wie in einem Gefängnis.“ Hin und wieder stellt sich die 63-Jährige die Frage, was sie tun soll, wenn im Haus ein Feuer ausbricht.

Von dem schönen Sommer habe sie überhaupt nichts, sagt Marlies Eikermann. „Mit dieser Tür nach draußen könnte ich meine Einkäufe selbst erledigen. Ich könnte, meine Freundin besuchen. Ich könnte sogar mit dem Bus in die Stadt fahren.“

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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