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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Mit dem Hopper für gute Grasqualität

13.10.2018

Wesermarsch /Irland In Irland stehen Kühe fast ganzjährig auf der Weide. Das Management ist das Ergebnis aus zwei Jahrzehnten intensiver Forschungsarbeit. Grüne Wiesen, ein hohes Ansehen der Landwirte in der Bevölkerung und der Rückhalt durch die Politik sind sichtbare Zeichen.

Einen Blick auf die irische Landwirtschaft warfen 40 Landwirte und andere Weideinteressierte aus dem Nordwesten. Sie besuchten sechs Tage lang verschiedene Betriebe des irischen Forschungszentrums Teagasc sowie den Hof vom „Grünland-Farmer des Jahres 2017“. Organisiert und durchgeführt wurde diese Studienreise vom Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen.

Billy Heffernan, „Grünland-Farmer des Jahres 2017“, bewirtschaftet seinen Hof ausschließlich mit den beiden Söhnen Mark und Liam. Die Farm umfasst 450 Kühe, die zu Spitzenzeiten 27 Liter Milch geben. Derzeit sind es noch etwa 20 Liter. Pro Tag und Kuh rechnet er 13 Kilogramm Trockenmasse Gras plus 5 Kilogramm Kraftfutter. „Früher habe ich das Gras auf einem Quadratmeter geschnitten und dann auf die Fläche hochgerechnet“, erzählte er. Seit einigen Jahren misst der Ire alle fünf Tage mit bloßem Auge, was auf den Flächen steht.

Auf einer großen Betriebskarte, der „Milking Platform“, sind alle Weideflächen, Tränken und Triebwege verzeichnet. Die riesige, beschreibbare, weiße Tafel hängt an der nackten Betonwand, gleich hinter dem Milchtank. In unterschiedlichen Farben wird darauf tagesaktuell vermerkt, wie viel Kilogramm Trockenmasse Gras pro Hektar auf den einzelnen Weideflächen steht. Insgesamt haben die Heffernans ihr 132 Hektar großes Land in 34 kleinere Flächen, die Paddocks, eingeteilt, die je nach Jahreszeit alle 21 bis 40 Tage von den Tieren beweidet werden.

Auch wenn sich das irische System – aufgrund von Unterschieden bei Klima und (Stall-) Kosten – nicht komplett auf das deutsche übertragen lässt, zeigte sich die Reisegruppe von dem ausgeklügelten Weidemanagement beeindruckt. „Irische Landwirte wissen sehr genau, welche Menge Gras auf ihren Weiden steht. Deshalb bekommen sie es hin, den Kühen immer dieselbe Grasqualität anzubieten. Es kommt also zu keinen Futterumstellungen“, bilanzierte Karsten Padeken, Vorsitzender des Grünlandzentrums sowie des Kreislandvolkverbandes Wesermarsch. „Davon können wir noch lernen.“

Harm von Hollen, Biobauer aus der Gemeinde Sandstedt in der Osterstader Marsch (Landkreis Cuxhaven), drückte es so aus: „Der Schlüssel für ein gutes Weidemanagement ist die richtige Menge an frischem, schmackhaftem Gras.“

Nach Rückkehr aus Irland will er seine 25 Hektar große Weidefläche für 160 Kühe nach irischem Vorbild neu gestalten. So sollen die bisher 1,1 bis 4 Hektar großen Paddocks mit Elektrozäunen demnächst in etwa 1,5 Hektar gleich große Parzellen aufgeteilt und neue Treibewege angelegt werden, so dass die Kühe jeden Tag auf eine neue Weidefläche getrieben werden können.

Kühe lernen schnell, dass sie das Gras bis zu einer bestimmten Höhe herunterfressen müssen, bevor sie auf eine frische dürfen. Davon konnten sich die Besucher auf der irischen „Dairygold Research Farm“ ein Bild machen. Auf dem Versuchsbetrieb des halbstaatlichen, irischen Forschungszentrums Teagasc, das ebenfalls Teil des Programms war, lockt man die Tiere mit frischem Gras sogar zum Melken. Die Kühe gehen hier durch ein System aus elektrischen Schleusen, Triebwegen und vier verschiedenen Weideflächen an einen Melkroboter, weil sie wissen, dass sie anschließend auf eine frische Weide gelangen.

Gemessen wird der Grasbestand auf der Dairygold Research Farm unter anderem mithilfe eines „Grasshoppers“ (Grashüpfer). Das Messgerät sieht aus wie ein metallener Spazierstock mit einer runden Scheibe am Boden. Es ist mit einem Sensor ausgestattet und kann mit einer App verknüpft werden, so dass die gemessenen Daten automatisch in eine Datenbank geschickt werden.

Das irische Messsystem adaptiert hat übrigens Lena Dangers, Leiterin des Projektes Weidecoach im Grünlandzentrum. Regelmäßig misst sie auf ausgewählten Pilotbetrieben rund um Ovelgönne und erklärt das System Landwirten aus der Region.

„Der irische Landwirt ist ja nicht klüger als der deutsche, er beschäftigt sich nur schon viel länger mit Grünland“, fasste Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, zusammen und ergänzte: „Wir machen vieles schon sehr gut. Wir wirtschaften nachhaltig, fördern Biodiversität und erfüllen mit der Weidehaltung den Wunsch vieler Verbraucher. Das müssen wir noch besser an die Politik, aber auch an die Gesellschaft zurückspiegeln.“

Jeder Landwirt müsse für sich selbst entscheiden, ob er Weide- oder Stallhaltung als das bessere System für seinen Standort ansehe, bekräftigte Karsten Padeken. Die Irlandreise habe aber eindrucksvoll gezeigt, dass „Weidehaltung eine Alternative sein kann, wenn die Konstellationen passen“.

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