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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Betrüger mit immer neuen Maschen

24.10.2019

Wesermarsch Trickbetrüger lassen sich immer neue Methoden einfallen, um an das Geld ehrlicher Bürger zu kommen. Der Enkeltrick ist hinlänglich bekannt. Am Telefon gibt sich der Betrüger gegenüber meist älteren Menschen als naher Verwandter aus, der in eine finanzielle Notlage geraten ist. Mal ist es ein Unfall, durch den eine Arztrechnung fällig geworden ist, mal ist es die Miete, die nicht mehr gezahlt werden kann. Je emotionaler die Geschichte ist, desto höher ist in der Regel die Bereitschaft zu helfen.

Ein weiterer Trick: Der Betrüger gibt sich als Kriminalbeamter aus. Am Telefon oder sogar direkt an der Haustür (mit falscher Uniform) wird dem Opfer vorgegaukelt, dass sein Geld auf der Bank nicht mehr sicher sei. Es sei besser, das Geld abzuheben und es der Polizei mitzugeben, bis die Ermittlungen abgeschlossen seien. Was etwas abenteuerlich klingt, ist in der Region zuletzt mehrfach geschehen.

Tipps von der Polizei

Die Polizei gibt Tipps, wie sich Bürger vor falschen Polizisten am Telefon schützen können: Die „echte“ Polizei fordert Sie niemals auf, Banküberweisungen oder Bargeldabhebungen durchzuführen, um Ermittlungen zu unterstützen. Seien Sie misstrauisch und nehmen Sie sich Zeit für eine Rücksprache mit Vertrauenspersonen. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, auch nicht durch angeblich dringende Ermittlungen zu einem Einbruch in der Nähe. Polizisten in ziviler Kleidung weisen sich mit einem Dienstausweis aus und haben Verständnis dafür, dass man bei der Polizeizentrale nachfragt. Suchen Sie selber die Telefonnummer der Polizei heraus. Rufen Sie nie über die am Telefon angezeigte Nummer zurück – legen Sie auf. Verständigen Sie bei verdächtigen Vorfällen umgehend die 110. Noch ein Hinweis:   In letzter Zeit wurden auch Fälle bekannt, in denen sich die Betrüger als Staatsanwälte, Bankmitarbeiter oder andere Amtspersonen ausgegeben haben.

Skeptische Mitarbeiterin

In Varel wurde ein 82-Jähriger auf diese üble Art jüngst um 20 000 Euro gebracht. Eine 85-Jährige aus Jade kostete es auch eine fünfstellige Summe. Ein weiterer Vorfall konnte in Nordenham gerade noch verhindert werden. Ein 90-jähriger Kunde betrat vergangene Woche die Nordenhamer Filiale der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) und wollte das stattliche Sümmchen von 40 000 Euro abheben. „Unsere Mitarbeiterin wurde daraufhin skeptisch“, sagt Andreas Vollert, Regionaldirektor der LzO für die Wesermarsch.

Die Mitarbeiterin, die den Kunden schon seit Jahrzehnten gut kenne und betreue, sei hellhörig geworden und hätte nachgefragt. Andreas Vollert: „Eine Bargeldauszahlung in dieser Höhe war nicht üblich. Der Kunde wirkte zudem introvertiert und reagierte kaum auf Rückfragen.“ Seine Kollegin ließ sich aber nicht beirren, verhinderte die Auszahlung und alarmierte die Polizei. „Ihr Verhalten war absolut vorbildlich. Besser kann man das nicht lösen“, war der Regionaldirektor erleichtert.

Sensibles Thema

Andreas Vollert weiß aber auch um die Brisanz der Thematik. „Wir befinden uns hier in einer Grauzone“, sagt er, man könne dem Kunden eine Auszahlung nicht verweigern, selbst wenn er auf Nachfrage den Verwendungszweck nicht benennen wolle. „Das ist ein sensibles Thema, da ist sicher auch Fingerspitzengefühl gefragt“, so Andreas Vollert. Die Mitarbeiter der LzO würden eigens für solche Situationen regelmäßig geschult werden.

Es sei wichtig, regelmäßig zu überprüfen, ob speziell ältere Kunden noch geschäftstüchtig seien. „Wenn uns ein ungewöhnliches, finanzielles Gebaren auffällt, müssen wir reagieren“, sagt Vollert, „dann schrillen alle Alarmglocken.“ Wenn offenkundig die Gefahr bestehe, dass Schaden für den Kunden oder Dritte entstehe, sei abzuwägen, ob der Kunde eine finanzielle Betreuung benötige. In diesem Fall sei die Einbindung von Familienangehörigen der betreffenden Personen erforderlich.

Gezielt Fragen stellen

Auch bei der Volksbank in Brake wird das Thema sensibel behandelt. „Normalerweise kennen die Bankmitarbeiter ihre Kundschaft seit vielen Jahren“, sagt Janina Knutzen von der Volksbank, „wenn ein älterer Mensch einen höheren Betrag abheben möchte – abweichend vom normalen Zahlungsverkehr – muss man reagieren.“ Mit gezielten Fragen könne der Bankangestellte an Informationen kommen, man müsse den Kunden in ein Gespräch verwickeln. „Rechtlich betrachtet sind uns allerdings die Hände gebunden“, erklärt Janina Knutzen, „wenn sich unsere Kunden legitimieren, und den Betrag am Tag zuvor sogar bestellt haben, können wir die Auszahlung eigentlich nicht verweigern.“

Dennoch würden außergewöhnliche Transaktionen der Kunden aufmerksam begleitet werden. Schließlich stehe der Schutz der Kunden an oberster Stelle. „Unsere Geldautomaten haben ein Kapazitätslimit“, sagt Janina Knutzen. Mit diesem Hinweis könne schon etwas Zeit gewonnen werden, um Kontakt zu Familienangehörigen der potenziellen Opfer aufzunehmen. Die Familienstrukturen der Kundschaft zu kennen, sei ein unschätzbarer Vorteil, speziell in ländlichen Regionen, erzählt Janina Knutzen von ihren eigenen Erfahrungen.

Mitarbeiter-Schulungen

Christian Görres, Marktbereichsleiter der Volksbank für Oldenburg, Quakenbrück und die Wesermarsch, hebt den hohen Stellenwert von Mitarbeiter-Schulungen hervor: „Unsere Kolleginnen und Kollegen werden regelmäßig geschult und sensibilisiert.“ Die Betrüger hätten immer wieder neue Maschen. Darauf müsse der Arbeitgeber die Mitarbeiter gezielt vorbereiten. „Auch wir hatten in der Vergangenheit schon Fälle, in denen wir trotz aller Bemühungen einen Missbrauch nicht verhindern konnten“, diese Quote gelte es aber zu minimieren.

Auch Tobias Mentz, Mitarbeiter der Oldenburgischen Landesbank (OLB) in Brake, kennt die Tricks der Kriminellen. „Wir konnten in der Vergangenheit Schlimmeres verhindern, unser Personal wird regelmäßig geschult“, erklärt Tobias Mentz. Er weist darauf hin, dass es nicht immer nur um Bargeldabhebungen gehe. Die Betrüger würden ihre Opfer mitunter auch zu falschen Überweisungen drängen.

Polizei bietet Hilfe an

Polizeikommissarin Joana Breda von der Dienststelle in Brake rät besorgten Bürgern dazu, sich mit der Polizei kurz zu schließen, wenn sie dubiose Anrufe erhalten. „Wer sich unsicher ist, sollte uns involvieren“, sagt Joana Breda. Die Betrüger würden Geschichten erfinden, Ängste schüren und Vertrauen gewinnen wollen. Breda: „Die Menschen sollten sich fragen: Kann das sein?“ Es sei schon hilfreich, Familie, Freunde oder auch Nachbarn einzubinden. „Niemand muss das alleine durchstehen“, verspricht Joana Breda jede Hilfe.

Tobias Göttler Volontär, 1. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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