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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Warum die A20 hier nicht im Moor versinkt

28.10.2017

Wesermarsch Das Bild ging bundesweit durch die Zeitungen: In Tribsees (Mecklenburg-Vorpommern) ist ein Teilstück der Küstenautobahn A20 im Moor versackt. Die Reparatur soll zwei Jahre dauern. Das kann hier nicht passieren, versicherten die Verantwortlichen am Donnerstagabend bei einer Informationsveranstaltung in der Markthalle.

Grund: Hier wird nach einem anderen Verfahren gebaut. In den Moorgebieten der westlichen Wesermarsch, durch die die Küstenautobahn führen soll, wird die Fahrbahn nicht, wie in Mecklenburg, auf Betonpfähle gestellt, die im Sand unter dem Moor stehen. Sondern hier wollen die Planer mit dem Überschüttverfahren arbeiten.

Sechs Jahre Bauzeit

Die Fahrbahn werde trotz der schwierigen Bodenverhältnisse für mindestens ein Jahrzehnt nicht in nennenswertem Ausmaß reparaturbedürftig sein, sagte der Planungsingenieur Foke Wittschen. Mehr als 100 Zuschauer verfolgten die fünf außerordentlich informativen Referate; die Veranstaltung des Geschäftsbereichs Oldenburg der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr dauerte vier Stunden.

Thema des Informationsabends war der 2. Bauabschnitt zwischen Jaderberg und Schwei, für den das Planfeststellungsverfahren im Dezember beginnen soll. Ab 8. Januar werden 31 Aktenordner mit Unterlagen in den Rathäusern Rodenkirchen, Oldenbrok und Jade sowie im Kreishaus einen Monat lang ausliegen. Betroffene können Einwendungen geltend machen, die dann in einem einwöchigen Erörterungstermin besprochen werden sollen, wie der stellvertretende Teilbereichsleiter Christoph Hollander erläuterte. Der Erörterungstermin wird für Herbst 2018 angepeilt, sagte sein Behördenleiter Joachim Delfs; er könnte ebenfalls in der Markthalle stattfinden.

Wenn Klagen den Bau nicht aufhalten, könnte er 2020 beginnen und 2026 abgeschlossen sein, Kosten nach Grundstückspreisen von 2014: 440 Millionen Euro.

Der zweite Abschnitt ist auch der längste des Neubaus: 22,5 Kilometer. 30 000 Fahrzeuge sollen hier in zehn Jahren täglich fahren, heißt es in den Prognosen.

Die neue Autobahn zweigt bei Bekhausen von der A29 südöstlich in Richtung Lehmdermoor ab, führt östlich an Südbollenhagen vorbei und nimmt dann in nordöstlicher Richtung Kurs auf die Bundesstraße 437. Anschlussstellen sind an der Landesstraße 263 in Neustadt und an der Bundesstraße 437 in Schweierfeld vorgesehen.

Die Landesstraße 863 wird ebenso wie die L 855 bei Kötermoor – in Höhe der Biogasanlage – über die neue Autobahn geführt. Zudem werden vier Kreisstraßen über die A20 geführt: In der Wesermarsch sind es die 210 bei Jaderlangstraße und die 213 bei Nordmentzhausen. Für die Landwirte werden auf Kosten des Bundes bis Schwei 35 Kilometer Wirtschaftswege gebaut, die überwiegend parallel zur Autobahn verlaufen. Sie werden anschließend mit einer Ablösesumme für Reparaturen an die Gemeinden übergeben. Dazu kommen 13 Kilometer Kreis- und Landesstraßen, die neu gebaut werden.

Neu gebaut werden müssen auch die Wasserbauwerke, die durch die Autobahn getrennt werden. Denn die Entwässerung des Gebiets darf nicht gestört werden.

Der größte Teil des Stücks zwischen der A29 und Schwei führt über Moorboden. Zwischen Lehmdermoor und Jade ist das Moor drei Meter mächtig. Deshalb plant die Behörde hier einen Vollbodenaustausch. Das Moor wird entnommen und durch Sand ersetzt; das gehe so schnell, dass kein Wasser austrete, sagte Foke Wittschen. Das entnommene Moor geht in die Torfproduktion oder es wird deponiert.

Bis zu 13 Meter Moor

Östlich der Jade steigt die Mächtigkeit des Moors auf bis zu 13 Meter. Hier wird das Überschüttverfahren angewandt. Je nach Mächtigkeit der Moorschicht werden nach und nach Schüttstufen aufgetragen – zwischen vier und zehn zu ein bis zwei Metern. Die Auflagen bestehen aus Sand, der aus einer Entnahmestelle beim Nethener See per Spülleitung zum Zielort östlich der Jade gebracht wird, wo er von Lastwagen auf der Autobahntrasse zu seinem Bestimmungsort gefahren wird, während das Spülwasser zur Entnahmestelle zurückfließt, wo es in einem Kreislauf erneut eingesetzt wird.

Die Auflagen bleiben bis zu 21 Monate lang liegen und drücken das Wasser aus Moor und Klei, das über eine Vertikaldränung in neu anzulegende Gräben geleitet wird, die mit Schilf bestanden sind. Das entzieht dem Dränwasser das Eisen; gereinigt fließt es in die Vorfluter.

Nach den Worten von Foke Wittschen funktioniert das Überschüttverfahren mittlerweile deutlich besser als früher. Deshalb werde die Autobahntrasse auch über Moorboden mindestens ein Jahrzehnt lag keine Grundsanierung brauchen.


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Henning Bielefeld
Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2203

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