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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Keine Lust auf das Buhmann-Image

23.10.2019

Wesermarsch Die Landwirte sind sauer. Das ist deutlich zu spüren am Dienstagmorgen auf dem Rodenkircher Marktplatz. „Das Fass ist übergelaufen“, sagt Niels von Deetzen aus Schweiburg. Er gehört zum Team, das die Teilnahme der Wesermarsch-Landwirte an der großen Kundgebung in Oldenburg organisiert. Mehr als 200 Landwirte aus dem Landkreis nehmen an der Demonstration teil, zu der die Bewegung „Land schafft Verbindung“ aufgerufen hat. Mit Treckern fahren sie zum Freigelände bei den Weser-Ems-Hallen. Etwa 50 von ihnen treffen sich zur Abfahrt in Rodenkirchen.

Ständig denunziert

„No Farmers, No Food, No Future“ (keine Bauern, keine Nahrung, keine Zukunft) steht auf einem Plakat. Auf einem anderen steht: „Deutsche Agrarpolitik, der Tod für jeden Familienbetrieb“. „Gegen Ideologen und Demagogen“ protestiert Ralf Degen, Landwirt aus Alt-Treuenfeld in Nordenham. Ihn nervt vor allem die oftmals negative Darstellung der Landwirte in der Öffentlichkeit. Er beklagt: Unser Berufsstand werde ständig denunziert, wir würden mit den Tieren und mit der Umwelt nicht anständig umgehen. „Dabei möchten wir gerne mehr in Tierwohl und Umweltschutz investieren. Aber unter den derzeitigen Bedingungen können wir das einfach nicht leisten.“

Der 54-Jährige macht sich Sorgen, auch wegen seiner beiden Söhne, die gerade den Beruf des Landwirts lernen. „Sie haben große Lust auf den Job, genauso wie ich“, sagt Ralf Degen. Aber wegen der Rahmenbedingungen kämen immer mehr Zweifel auf. Anfeindungen gegen Landwirte gebe es nicht nur in den Städten, sondern zunehmend auch auf den Land. Dabei fehle oftmals der fachliche Hintergrund. Die Bewegung „Land schafft Verbindung“ sagt: „Diskriminierung, Benachteiligung und Mobbing von Angehörigen gehören zur Tagesordnung.“ Die Landwirte seien zu Buhmännern geworden, die Landwirtschaft stehe am Pranger. „Wir werden als die Giftspritzer und Umweltvergifter der Nation dargestellt“, sagt Niels von Deetzen. Eine Folge ist aus Sicht der Initiatoren der Kundgebung, dass der Beruf des Landwirts immer mehr an Attraktivität verliert.

Ein großes Problem ist aus der Sicht von Ralf Degen der internationale Preisdruck in der Landwirtschaft. Nach Ansicht der Bewegung „Land schafft Verbindung“ wird dieser Druck durch das Mercosur-Handelsabkommen verschärft. Es gefährde durch Billigpreise importierter Waren die Versorgung mit sicheren, qualitativ hochwertigen und geprüften Lebensmitteln aus der Region.

Vernünftige Entlohnung

Und noch etwas ist Ralf Degen wichtig: „Ich möchte, dass jede geleistete Arbeitsstunde in der Landwirtschaft vernünftig entlohnt wird – so wie das bei Unternehmen wie Mercedes oder Airbus auch üblich ist.“ Der Landwirt kritisiert: „Eine fachliche Folgeneinschätzung von Entscheidungen findet in der Politik nicht statt. Viele Politiker schätzen lediglich die Folgen ihrer Entscheidungen für eine mögliche Wiederwahl ein.“

Douwe Witbaard, Landwirt aus Stadland, sagt, dass die Forderungen der Politik in Sachen Umwelt- und Naturschutz „zu sehr aufs Portemonnaie drücken. Wir können nicht von Luft und Liebe leben“, macht der 31-Jährige seinem Ärger Luft. Wie es mit der Landwirtschaft in Deutschland weitergehe, entscheide aber nicht nur die Politik, sondern auch die Bevölkerung an der Ladentheke.

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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