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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Zum Roonkarker Mart gab‘s Kartoffelferien

23.09.2016

Rodenkircher Markt war für uns das wichtigste Fest im Jahr. Schon Tage vorher unterhielten wir Kinder uns nur noch über den Markt. Was wohl für Karussells kommen würden?

Einige Jahre bekamen wir zum Rodenkircher Markt auch Ferien, die nannte man aber Kartoffelferien, weil viele Kinder bei der Ernte helfen mussten und so etwas zum Lebensunterhalt beitrugen.

Am Sonnabendnachmittag gingen meine Schwester, mein Bruder und ich zu Fuß los. Von Hayenwärf konnten wir einen Plattenweg benutzen, der zum Mittenfelder Weg führte und eine gute Abkürzung nach Rodenkirchen war. Unsere Eltern kamen mit dem Fahrrad hinterher. Schwester und Bruder wollten allein über den Markt gehen und bekamen Marktgeld und eine Uhrzeit mit für den Treffpunkt zur Heimkehr. Ich ging mit meinen Eltern; es war jedes Mal wunderschön.

Teufelsrad als erstes Ziel

Ab dem 12. Lebensjahr ging ich mit meinem Freund Gerold und meiner Freundin Annelene zum Markt. Wir hatten alle ein Fahrrad bekommen, damit wir zum Pastor fahren konnten. So fuhren wir natürlich auch zum Markt damit, stellten es beim Fahrradstand Bohemann ab und gingen zum Festplatz. Das Teufelsrad war unser erstes Ziel, das war eine große runde Platte, zirka vier Meter im Durchmesser. Darauf setzte man sich, das Rad drehte sich erst langsam, dann immer schneller, somit rutschte einer nach dem anderen runter. Blieben mehrere sitzen, kam ein Ball an der Leine herunter und schubste den Rest vom Rad. Der Letzte, der rutschte, bekam eine Freikarte.

Wir aber gingen weiter zur Rutschbahn. Dort nahm man eine Matte und fuhr damit auf einem Laufband nach oben. Die Rutsche hatte mehrere Kurven, was besonders Spaß machte. Danach gingen wir in die Geisterbahn, dort konnten wir zu zweit nebeneinander in einem Wagen sitzen und fuhren ins Dunkle. Es war gruselig. Dort stand ein Sarg mit einem Skelett drin, ein Uhu schrie, das Licht blitzte, Donner grollte und manchmal wurde man auch angegrabscht.

Nach der Fahrt ging man vor der Bude lang, wo aus dem Untergrund heftiger Wind kam und die Kleider hochflogen – zur Freude der Leute, die vor der Bude standen. Alle Fahrgeschäfte konnten wir leider nicht besuchen, weil das Marktgeld nicht reichte.

Über Verliebte lästern

So war da noch die St.Moritz-Bahn, das war eine Schneebahn mit einem riesigen Schneemann in der Mitte und rundherum Rodelschlitten, in denen zwei Personen Platz hatten. Diese sausten für damalige Verhältnisse sehr schnell in die Runde. Die Raupenbahn fuhr langsamer, hatte ein Verdeck, war ein Zweisitzer und natürlich etwas für Verliebte. Kinder fuhren auch gern damit und lästerten, wenn vor ihnen ein sic umarmendes Pärchen saß.

Das Pferdekarussell war für Jung und Alt. Es ist wohl das Einzige, das all die Jahre bis heute noch dabei ist. Die Schiffschaukel möchte ich noch erwähnen. Sie war immer zum Kräftemessen da; wer als erstes abgebremst wurde, hatte gewonnen. Die Avusbahn, auch Autoscooter genannt, war nie mein Ding. Da hatte ich immer Angst, angefahren zu werden.

Zwischendurch hatten wir mal ein Eis oder eine kleine Lutschstange.

Damit das Geld länger reichte, standen wir vor Buden und schauten uns die dicksten Frauen oder den größten Mann der Welt an, die damals öffentlich ausgestellt wurden.

Außerdem gab es eine Liliputaner-Show – das sollten die kleinsten Menschen sein – und eine Boxerbude, wo ein Mann aus dem Publikum gegen einen richtigen Boxer antrat und bei einem Sieg Geld dafür bekam.

Bevor wir nach Haus mussten, wollten wir noch zu den lustigen Tonnen. Eine drehte sich rechts, die andere links herum. Da musste man durchgehen, was aber nur wenige konnten. Dann ging es auf allen Vieren oder mit Purzelbaum voran, bis ein Helfer die Tonnen zum Stehen brachte.

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