Tossens - Zwei Kinder raufen sich auf dem Pausenhof. Sie werfen sich Schimpfwörter an den Kopf. Es sind Szenen wie diese, die Paul Hecht auf den Plan rufen. Der 37-Jährige weiß, wie er bei der Konfliktlösung helfen kann. Seit rund drei Wochen ist er für die Schulsozialarbeit an der Zinzendorfschule in Tossens zuständig.
„Wir freuen uns sehr über die professionelle Unterstützung“, sagt Ilona Seebeck. Als Mitglied der Schulleitung ist sie für die Oberschule verantwortlich und war zusätzlich in den vergangenen fünf Jahren für die Schulsozialarbeit zuständig. „Diese Aufgabe nebenbei zu machen, ist keine Lösung auf Dauer“, erzählt sie. Das Kollegium sei sehr froh, dass mit Paul Hecht nun jemand da ist, der sich fast täglich um das Aufgabenspektrum kümmern kann. „Nur mittwochs bin ich nicht in der Schule“, so der neue Schulsozialarbeiter.
Verschiedene Probleme
Im Juni 2018 ist Paul Hecht mit seinen zwei Kindern und seiner Lebensgefährtin von Berlin nach Fedderwardersiel gezogen. Damals hatte er bereits Kontakt zur Zinzendorfschule, doch die Zusammenarbeit kam wegen fehlender Mittel nicht zustande. Stattdessen heuerte er bei der Lebenshilfe in Brake als Autismus-Therapeut an. Nun hat der Träger der Zinzendorfschule die Stelle in der Finanzplanung berücksichtigt, sodass Paul Hecht sein Engagement in Tossens antreten konnte.
Nach dem erfolgreich abgeschlossenen Studium der Sozialen Arbeit in Berlin durchlief der 37-Jährige in der Bundeshauptstadt verschiedene berufliche Stationen als Sozialpädagoge und Schulsozialarbeiter. Die Problemstellungen der Schüler in der Millionenstadt unterscheiden sich jedoch nicht von denen der Kinder auf dem Land. „Sowohl in Berlin als auch in Tossens gibt es ähnliche Belastungen für die Schüler“, erklärt Paul Hecht.
Er ist Ansprechpartner, wenn sich die Schüler untereinander streiten, Probleme in der Familie haben oder unter psychischen Belastungen leiden. Paul Hecht bietet in einem eigenen Raum in der Schule eine offene Beratung an. Betroffene können sich vertraulich an ihn wenden. Bei Selbst- oder Fremdgefährdung endet jedoch die Schweigepflicht und er leitet vorher mit den Schülern festgelegte Schritte ein, um ihnen zu helfen.
Gewaltfreie Kommunikation
„Nicht immer erfahre ich direkt von den Betroffenen, dass sie Probleme haben. Hinweise kommen auch über Dritte“, sagt Paul Hecht. Mit viel Ruhe und einer sensiblen Gesprächsführung nähert er sich in solchen Fällen den Kindern und Jugendlichen an. „Eine gewaltfreie Kommunikation ist das A und O im Alltag“, sagt der 37-Jährige, der auch als Ansprechpartner für Lehrkräfte und Eltern fungiert.
Beispiele für Probleme der Schüler sind unter anderem Depressionen oder Drogenkonsum. „Aufgrund der Corona-Pandemie mit den dazugehörigen Einschränkungen und Lockdowns sind die Herausforderungen für den Nachwuchs nicht geringer geworden“, weiß der Schulsozialarbeiter.
