Ein Binnenschiff hat auf der Hunte bei Elsfleth eine Eisenbahnbrücke schwer beschädigt und damit den Zugverkehr in der Wesermarsch zum Erliegen gebracht. Der Nordenhamer Bürgermeister Nils Siemen (45/SPD) spricht von schwerwiegenden Folgen und fordert die schnellstmögliche Inbetriebnahme einer Behelfsbrücke.
Herr Bürgermeister Siemen, wie dramatisch sind die Folgen, die durch die Einstellung des Zugverkehrs entstehen?
Nils SiemenDie Unterbrechung der Bahnlinie Nordenham-Bremen hat schwerwiegende Auswirkungen für Pendlerinnen und Pendler und für die Wirtschaft in Brake und Nordenham, die auf den Güterverkehr angewiesen ist. Hinzu kommen die negativen Auswirkungen für die Umwelt, weil vermehrt auf Personen- und Lastkraftwagen zurückgegriffen werden muss und dadurch der CO2-Ausstoß steigt.
Lässt sich der Schaden für den Wirtschaftsstandort Nordenham beziffern?
Nils SiemenDas ist momentan noch nicht möglich. Aber klar ist, dass zum Beispiel Rhenus Midgard und auch Glencore zusammen einige hunderttausend Tonnen Güter pro Jahr per Bahn transportieren. Ein völliger Umstieg auf Lastwagen wird schon aufgrund fehlender – insbesondere personeller – Kapazitäten schwer möglich sein. Insofern hat die Erstellung einer Behelfsbrücke absolut höchste Priorität.
Wird aus Ihrer Sicht genug unternommen, um das Problem schnellstmöglich zu lösen?
Nils SiemenIch begrüße sehr, dass der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies sofort reagiert und direkt am Montag nach dem Unfall die Gespräche mit der Bahn, der Wirtschaft, der Politik und der Verwaltung aufgenommen hat. Es herrscht Einigkeit darüber, dass die Wiederherstellung der Bahnverbindung jetzt Vorrang vor der Schifffahrt hat und die Umsetzung unter Hochdruck erfolgen muss.
Wie lange wird Nordenham vom Schienenverkehr abgekoppelt sein?
Nils SiemenDazu liegen uns aktuell noch keine Erkenntnisse vor, da die Bestandsaufnahme der Bahn noch nicht abgeschlossen ist. Klar ist, dass die Brücke irreparabel zerstört worden und ersetzt werden muss. Bis der Neubau erfolgen kann, benötigen wir eine Behelfsbrücke.
Welche Lehren bezüglich der Infrastruktur in der Wesermarsch lassen sich aus dem Ereignis ziehen?
Nils SiemenDas Ereignis verdeutlicht, wie wichtig die Bahnverbindung ist. Nicht nur für Pendlerinnen und Pendler, sondern auch für die Wirtschaft. Regelmäßige Überprüfungen und Instandsetzungsmaßnahmen – in allen Bereichen der Verkehrsinfrastruktur – wie Schienen, Brücken und Hauptverkehrsadern sind grundsätzlich wichtig, um Schäden frühzeitig zu beheben. Das zeigt auch das aktuelle Beispiel der Autobahn 27. Die Untersuchungen zu diesem Schiffsunfall sind noch nicht abgeschlossen. Hier spricht man von menschlichem Versagen. Der Unfall verdeutlicht für mich allerdings, dass der Sicherstellung aller Sicherheitseinrichtungen im Bereich der Schifffahrt höchste Priorität zukommt, um derartige Unglücke zu verhindern.
