Grossensiel - Andreas Wedelich bezeichnet sich selbst als einen „Ur-Nordenhamer“. Der 55-Jährige kennt sich aus in seiner Heimatstadt und weiß, wovon er spricht, wenn es um den Großensieler Hafen geht. „Das Gelände ist ein ungeschliffener Diamant“, sagt Anderas Wedelich. Er setzt sich mit viel Leidenschaft dafür ein, dass Nordenham, die „riesigen Chancen“ des kleinen Hafens für die Stadtentwicklung nutzt. Damit zielt er auf eine künftige Nutzung des Hafenareals als attraktives Mischgebiet für Wohnen, Tourismus, Freizeit und Gewerbe. Diese Möglichkeit bietet sich, weil das Land Niedersachsen keine Verwendung mehr für den Hafen hat und die Flächen loswerden will. Noch gibt es dazu keine konkreten Beschlüsse, aber immerhin hat die Stadt Nordenham schon 2018 ein städtebauliches Entwicklungskonzept für das maritime Viertel aufgelegt.
Szenario und Modell
Als einziges Gewerbeunternehmen ist dort noch die Tiefbau GmbH Unterweser (Tagu) ansässig. Wie könnte sich der Hafen nutzen lassen, wenn Tagu sich verabschiedet? Mit dieser Frage hat sich Andreas Wedelich intensiv beschäftigt. Heraus gekommen ist dabei nicht nur ein gedankliches Szenario, sondern auch ein in Eigenarbeit angefertigtes Modell. Der Augenoptiker will mit diesem Entwurf einen Anstoß geben und hofft, dass die Entscheidungsträger im Rathaus sich davon inspirieren lassen. Vielleicht gehört er bald auch selbst dazu. Andreas Wedelich hat sich entschlossen, bei der Stadtratswahl im September für die Wählerinitiative Nordenham zu kandidieren. „Ich möchte nicht nur meckern“, sagt er, „sondern selbst aktiv werden und einen Beitrag dazu leisten, dass sich Nordenham weiterentwickelt.“
Zukunft Grossensiel
Andreas Wedelichs Leitsatz für die Neugestaltung des Hafens lautet „Zukunft Großensiel“. Damit meint er auch den Klimaschutz. Seine Vision ist es, dass der Energiebedarf des neuen Hafenviertels weitgehend über eine Selbstversorgung durch Photovoltaik und kleine Windkraftanlagen abgedeckt wird. Der maritime Charakter des Geländes mit dem historischen Richtfeuer als Erkennungsmerkmal soll natürlich erhalten bleiben. Den Autoverkehr möchte er aus dem eigentlichen Hafengelände, das terrassenförmig erhöht und damit überflutungssicher gemacht werden soll, heraushalten. Stattdessen ist eine Straßenanbindung im hinteren Bereich der locker und offen platzierten Bebauung geplant.
Hotel und Kulturhaus
Für das Nordufer schwebt Andreas Wedelich die Errichtung eines Hotels in Nachbarschaft des Leuchtfeuers vor. Für die seit einigen Jahren leerstehende Gaststätte Haus Weserstrand wünscht er sich die Schaffung einer Kultureinrichtung unter anderem für Theateraufführungen.
Büros für Kreative
Neben dem Hotel könnte nach Andreas Wedelichs Vorstellungen eine Häuserzeile mit kleineren Gebäuden im holländischen Stil entstehen. Die Flächen im Erdgeschoss sind für Gastronomie und Einzelhandel vorgesehen, während in den oberen Etagen Büroräume angedacht sind. Als Nutzer hat er „kreative Leute“ im Visier, die sich von dem Weitblick auf Weser und Horizont anregen lassen.
Wohnen mit Weitblick
In Richtung Osten folgt – abgetrennt durch einen Grünstreifen aus Bäumen und Büschen – ein Komplex aus drei Wohngebäuden in herrlicher Lage an der Weser. Er hat keinen Zweifel, dass dieses „Wohnen mit Weitblick“ auf große Nachfrage stoßen wird. Auch an Investoren dürfte es nicht mangeln.
Werft für Hausboote
Das südliche Ufer möchte Andreas Wedelich weitgehend als Naturfläche erhalten. Bis auf eine Ausnahme: Er schlägt vor, dort eine Werft in überschaubarer Größe anzusiedeln, die Hausboote herstellt. Die „Wohnmobile des Wassers“ könnten im Hafenbecken zur Schau gestellt werden.
Im Jahr 1746 wurde das damalige Heeringer Siel aufgegeben und durch das große Siel (Großensiel) ersetzt. In der Folge entstand in Großensiel ein Hafen, der zum Ende des 18. Jahrhunderts einen beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte. Vor allem Getreide und Vieh wurden dort verschifft. Im Umfeld entwickelte sich eine Hafensiedlung, in der sich Schiffer, Gastwirte, Händler und Handwerker niederließen.
Eigentümer des Großensieler Hafen sind die Hafengesellschaft N-Ports (Nordseite) und das Landesliegenschaftsamt Niedersachsen (Südseite). Als einziger Gewerbebetrieb ist dort noch die Tiefbau GmbH Unterweser ansässig. Das Unternehmen hat die Betriebsflächen von N-Ports gepachtet.
