Westerstede - Die Ankündigung von Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD), bis zu sechs stillgelegte Bahnstrecken zu reaktivieren, hat in den möglicherweise betroffenen Städten und Gemeinden zu unterschiedlichen Reaktionen geführt. In den meisten Kommunen ist man mit Blick auf das Finanzierungsmodell skeptisch, denn das Land erwartet eine nicht unerhebliche Beteiligung der Gebietskörperschaften. Westerstedes Bürgermeister Klaus Groß (FDP), in dessen Zuständigkeitsbereich die Strecke Ocholt – Westerstede fallen würde, hat von Beginn an deutlich gemacht, dass eine fünfundzwanzigprozentige Gegenfinanzierung bei einem vermutlich mehrere Millionen Euro umfassenden Finanzvolumen für den Westersteder Stadthaushalt nicht zu schaffen wäre.

Zwar sieht auch der FDP-Stadtverbandsvorsitzende Egon Harms ökonomische Schwierigkeiten, ist jedoch davon überzeugt, dass eine Anbindung des Westersteder Stadtzentrums an das S-Bahnnetz von großem Nutzen sein werde. Harms hofft in einer Pressemitteilung auf einen „gut getakteten direkten S-Bahnanschluss, der unsere Kreis- und Garnisonsstadt mit über 20 000 Einwohnern noch attraktiver machen würde“. Rat und Verwaltung sollten sich mit großer Eindringlichkeit für die Reaktivierung der Bahnstrecke einsetzen.

Das sieht FDP-Fraktionssprecher Peter Drossen allerdings anders. „Es ist jetzt die Stunde der Experten in Hannover, zu prüfen, welche Strecken für eine Reaktivierung überhaupt in Betracht kommen. Daher ist es gegenwärtig überflüssig, aus der Politik heraus etwas anschieben zu wollen", erklärte Drossen.

Der FDP-Fraktionschef hielte es für eine tolle Sache, wenn das Land wirklich so viel Geld in die Hand nehmen würde, um Westerstede an den Personennahverkehr anzubinden. Dort, wo jetzt die Draisinen stehen, könnte nach Rücksprache mit der Baumschule Böhlje ein richtiger kleiner Bahnsteig gebaut werden, so Drossen. Dass solche Pläne aber auch umgesetzt werden, erwartet Drossen bei Licht betrachtet nicht. „Da bin ich doch sehr, sehr skeptisch.“