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NWZonline.de Region Ammerland Gemeinden Westerstede

Neue Bestattungsform In Westerstede: Wildblumen über Gräbern

12.04.2019

Westerstede Eine Nachfrage hat es bereits gegeben. Ein Bestatter rief bei Gerriet Ohmstede an, wollte wissen, ob er für einen Kunden einen Platz auf dem naturbelassenen Gräberfeld erhalten könnte. „Das geht leider noch nicht“, sagt der Friedhofsausschussvorsitzende der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Westerstede, während er gemeinsam mit Susanne Grube vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) und Friedhofsgärtnerchef Wilfried Theilen über eine noch leicht im Winterschlaf liegende Wildblumenwiese inmitten des Westersteder Friedhofs läuft. Liegt die Genehmigung der Kirche vor, könnten hier ab Herbst erste Bestattungen zelebriert und damit ganz offiziell neue Wege der Friedhofskultur beschritten werden.

Rund 800 Quadratmeter ist die Fläche groß, die für das Projekt „Ökologische Nische Friedhof“ steht. Der Startschuss fiel 2018, seitdem arbeiten die Verantwortlichen des Friedhofs und Bund-Mitglieder Seite an Seite, um das Kooperationsprojekt zum Erfolg zu führen –  unter ökologischen, aber auch ökonomischen Aspekten. So muss die brachliegende Fläche auf dem Friedhofsgelände nicht mehr aufwendig gepflegt werden, die Instandhaltungskosten verringern sich. Gleichzeitig entsteht ein neues Angebot für Kunden, die traditionellen Bestattungsformen nichts abgewinnen können oder gern noch im Tod ihren ökologischen Fußabdruck klein halten möchten. Parallel wird durch die brachliegende Fläche über die Jahre ein Ökosystem geschaffen, das vor allem gefährdeten Arten wie den Wildbienen zugute kommt. Es entsteht ein Rückzugsort „mit Bestandsschutz“, weiß Susanne Grube. Nach und nach werde sich die Wiese entwickeln, Lebensraum für viele Arten bieten, und das, obwohl trotzdem genügend Raum für Tod und Trauer eingeräumt wird.

„Rund 2000 Urnen könnten auf der Wildblumenwiese Platz finden“, kalkuliert Wilfried Theilen. Da aber auch Sargbestattungen gestattet werden sollen, werde sich diese Zahl wohl reduzieren. „Wir werden abwarten, wie es sich entwickelt“, sagt Gerriet Ohmstede.

Während auf den angrenzenden Arealen mit Reihengräbern teils schon von weitem zu erkennen ist, welcher Mensch wo zur letzten Ruhe gebettet wurde, wird die Bestattung auf der Wildblumenwiese weitgehend anonym sein. Angedacht ist, am Rande eine Art Stele aufzustellen, auf der die Namen der Bestatteten eingraviert werden sollen, sagt Gerriet Ohmstede. Noch sei keine Entscheidung gefallen. „Wir sind in der Findungsphase.“ Dennoch, ein paar Ideen seien bereits angesprochen worden. Um den ökologischen Gedanken weiter zu verfolgen und finanziell nicht in zu große Vorleistung treten zu müssen, könnte es bspw. sein, dass alte Grabsteine recycelt und zu einer entsprechenden Stele zusammenzusetzen werden.

Trauernde, aber auch alle anderen Friedhofsbesucher dürfen die Wiese gern betreten. Sie wird zwar nur zweimal im Jahr gemäht, doch es soll einen Pfad geben, der unter anderem auch zu einem alten knorrigen Baumstamm führt. Das Totholz dient schon jetzt als Unterkunft für allerlei Insekten, darf aber auch gern als Sitzgelegenheit genutzt werden. Von den Bestattungen selbst wird nach dem Akt kaum etwas zu sehen sein. Nach jeder Bestattung, so erläutert Wilfried Theilen, werde die Grasnarbe wieder sorgfältig dort platziert, wo sie ursprünglich war, damit sich die Decke schließen und Raum für neues Leben bieten kann.

Doch die 20 mal 40 Meter große, von Schmetterlingsbüschen, Johannisbeeren oder auch Wildrosen eingerahmte Wildblumenwiese ist nicht die einzige ökologische Nische, die auf dem Friedhof zu finden ist. Denn auch die Leerstände zwischen den einzelnen Gräbern werden in Westerstede genutzt. Hier haben die Friedhofsgärtner Weißklee angepflanzt. Er schützt den Boden und bietet Insekten ein natürliches Nahrungsangebot und einen Lebensraum. Darüber werden die Friedhofsbesucher auch auf Schautafeln informiert.

Und apropos informieren: Auch wenn das Projekt „Ökologische Nische Friedhof“ in Westerstede deutschlandweit nicht das einzige ist, so hat es für die Region wohl Vorbildcharakter. Wie Susanne Grube zu berichten weiß, haben bereits andere Friedhofsbetreiber aus dem Oldenburger Land Interesse gezeigt und möchten mehr über das Projekt in Westerstede erfahren.


  https://www.bund-niedersachsen.de/ueber-uns/bund-projekte/aktuelle-projekte/oekologische-nische-friedhof/ 
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Anuschka Kramer Redakteurin / Redaktion Westerstede
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