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NWZonline.de Region Ammerland Gemeinden Westerstede

Ökologische Nischen Auf Westersteder Friedhof: Wildblumen-Projekt gedeiht

03.07.2019

Westerstede Wer dieser Tage über den Westersteder Friedhof spaziert, der kann es sehen – und auch hören: Das Projekt „Ökologische Nische Friedhof“ geht auf. Weit mehr als hüfthoch stehen auf einem rund 800 Quadratmeter großen, nicht weit von den Reihengräbern entfernten Feld Wildblumen. Überall summt und brummt es. Mal schwirren die klassischen Honigbienen umher, mal sind es Wildbienen, dazwischen wiegt sich ein Marienkäfer an einem Halm im Wind.

Dabei ist das Feld nicht einfach irgendeine Wiese, es wird letzte Ruhestätte für Menschen, die gern auf einem naturbelassenen Gräberfeld bestattet werden möchten. Damit beschreitet die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Westerstede neue Wege. 2018 fiel der Startschuss zum Projekt. Seitdem arbeiten die Verantwortlichen des Friedhofs und die Mitglieder des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Kreisgruppe Ammerland, Seite an Seite, um das neue Projekt zum Erfolg zu führen.

Wirtschaftlichkeit

Ins Leben gerufen wurde die Aktion „Ökologische Nische Friedhof“ 2017 vom Bund. Die Naturschützer betrachteten auf der einen Seite die Friedhofs- und Bestattungskultur, die sich in einem Wandel befindet – weg von pflegeintensiven Gräbern, hin zu pflegeleichten und auch günstigen Alternativen, die die Hinterbliebenen nicht belasten. Gleichzeitig müssen aber die Friedhofsträger die vorhandenen, aber weniger genutzten Flächen trotzdem pflegen, was einen hohen Kostenfaktor ausmacht. Auf der anderen Seite nimmt das Insektensterben weiter zu, fehlen besagte ökologische Nischen, in denen sich neue Populationen entwickeln können.

Mit der Umsetzung des Projekts muss nun brachliegende Fläche auf dem Friedhofsgelände in Westerstede nicht mehr aufwendig instandgehalten werden, die Kosten verringern sich. Gleichzeitig entsteht ein neues günstiges Angebot für Kunden, die traditionellen Bestattungsformen nichts (mehr) abgewinnen können oder gern noch im Tod ihren ökologischen Fußabdruck klein halten möchten. Parallel baut sich derzeit ein funktionierendes Ökosystem auf, das vor allem gefährdeten Arten wie den Wildbienen zugute kommt.

Rund 2000 Urnen können auf dem Feld Platz finden. Da aber wohl auch Sargbestattungen gestattet werden sollen, wird sich die Zahl wohl reduzieren. Anonyme Bestattungen soll es dort allerdings nicht geben. Die Namen der Verstorbenen sollen vermerkt werden – in welcher Form, das werden die Verantwortlichen der Kirchengemeinde in der kommenden Woche beraten, erläuterte am Dienstag Friedhofsausschussvorsitzender Gerriet Ohmstede. Ist alles geregelt und liegen alle Genehmigungen vor, könnten im Herbst die ersten Bestattungen vorgenommen werden.

Übrigens, Trauernde, aber auch alle anderen Friedhofsbesucher dürfen die Wiese gern betreten. Sie wird zwar nur zweimal im Jahr gemäht, doch es soll einmal einen Pfad geben, der unter anderem auch zu einem alten knorrigen Baumstamm führt, der auf dem Feld liegt. Das Totholz dient schon jetzt als Unterkunft für allerlei Insekten, darf aber auch gern als Sitzgelegenheit genutzt werden. Von den Bestattungen selbst wird nach dem Akt kaum etwas zu sehen sein. Nach jeder Bestattung wird die Wildblumenwiesen-Decke wieder geschlossen, um Raum für neues Leben zu bieten.

Mustergrab

Doch die 20 mal 40 Meter große, von Schmetterlingsbüschen, Johannisbeeren oder auch Wildrosen eingerahmte Wildblumenwiese ist nicht die einzige ökologische Nische, die auf dem Friedhof zu finden ist. Auch die Leerstände zwischen den einzelnen Gräbern werden in Westerstede genutzt. Hier haben die Friedhofsgärtner Weißklee angepflanzt. Er schützt den Boden und bietet Insekten ein natürliches Nahrungsangebot und einen Lebensraum. Darüber werden die Friedhofsbesucher auch auf Schautafeln informiert. Ganz neu ist jetzt im Projektrahmen „Ökologische Nische Friedhof“ ein Mustergrab des BUND gleich neben dem Kolumbarium. Dieses wurde mit heimischen Wildstauden bepflanzt und natürlich ebenso mit einer Info-Tafel versehen.

Und apropos informieren: Auch wenn das Projekt „Ökologische Nische Friedhof“ in Westerstede deutschlandweit nicht das einzige ist, so hat es für die Region wohl Vorbildcharakter. Wie Susanne Grube vom BUND bereits im April zu berichten wusste, haben auch andere Friedhofsbetreiber aus dem Oldenburger Land schon Interesse gezeigt und möchten mehr über das Projekt in Westerstede erfahren.


Ein Video finden Sie unter   www.nwzonline.de/videos 
Anuschka Kramer Redakteurin / Redaktion Westerstede
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