WESTERSTEDE - Seinen Chefsessel musste Bürgermeister Klaus Groß am Donnerstag vorübergehend räumen, um Platz für den Nachwuchs im Amt zu machen. Der erste Kinderbürgermeister von Westerstede, Lukas Lukoschus, und seine Stellvertreterin Francesca Wilms stellten sich dem Blitzlichtgewitter der Fotografen.
Der feierlichen Ernennung vorausgegangen war eine für alle Beteiligten spannende Wahl, die ganz nach den Vorschriften ablief. Zunächst wurden aus der Runde aller möglichen Kandidaten die Bewerber per Los ermittelt. Dann wurde es ernst. In geheimer Wahl machten alle Jungen und Mädchen ihr Kreuz auf dem Wahlzettel. Ganz genau hatten die Kinder zuvor den Erklärungen der erfahrenen Mitarbeiter im Rathaus zugehört, und so waren auch alle abgegebenen Stimmzettel gültig. Bei der Wahl des stellvertretenden Kinderbürgermeisters gab es sogar ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen zwei Kandidaten, so dass eine Stichwahl erforderlich wurde. Damit alles mit rechten Dingen zuging, dafür sorgte eine eigens bestimmte Schriftführerin, und das Auszählen übernahmen ebenfalls Kinder.
Die im Rahmen einer Ferienpass-Aktion angebotene Wahl hatte Westerstedes Bürgermeister Klaus Groß angeregt, um schon beim Nachwuchs das Verständnis für Demokratie und Kommunalpolitik zu wecken. Die gewählten Kinderrepräsentanten der Stadt werden künftig verschiedene Aufgaben bei offiziellen Anlässen übernehmen. Sie sollen bei Märkten beispielsweise Bonbons werfen oder bei Straßeneinweihungen feierlich das Band durchschneiden. Die gewählten Vertreter bleiben ein Jahr lang im Amt. Im nächsten Sommer werden dann die Nachfolger bestimmt – wieder im Rahmen einer Ferienpass-Aktion.
„Es macht mir Spaß, mit anderen Menschen umzugehen, und ich finde es einfach spannend, Bürgermeister zu sein“, sagte der gerade gewählte neunjährige Leon zu seinem Entschluss, sich für diese Ferienpass-Aktion anzumelden. Und Stellvertreterin Francesca, die in Kürze elf Jahre alt wird, geht es ähnlich: „Ich wollte wissen, wie das so ist, Bürgermeisterin zu sein.“
Aber auch die anderen beteiligten Jungen und Mädchen zeigten keine Traurigkeit, weil sie leer ausgegangen waren. Sie hatten nicht nur an einer „echten“ Wahl teilgenommen, sondern auch eine Menge gelernt über die Abläufe im Rathaus. Einiges hatten sie bei einem Rundgang kennen gelernt. Und welche Aufgaben ein Bürgermeister erledigen muss, das wissen jetzt alle.
