WESTERSTEDE - Die Schüler waren gut vorbereitet. So wurde der Besuch zur ergiebigen Unterrichtsstunde.
von horst Suermann
WESTERSTEDE - Es war fast so etwas wie ein Gespräch unter Experten, was sich da gestern Morgen im Gymnasium Westerstede abspielte – unter Experten zum Thema „Europäische Außen– und Sicherheitspolitik“.Auf der einen Seite saß die Politik-AG mit 23 wohl-informierten Gymnasiasten der Jahrgangsstufe 12, auf der anderen Seite Thomas Kossendey (CDU) aus Edewecht, seit Herbst 2006 Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, mit einem schier unerschöpflichen Fundus politischer Erfahrungen und strategischer Überlegungen. Und was die Schüler mitnahmen konnten aus gut eineinhalbstündiger Diskussion, war vor allem diese Erkenntnis: Dass politische Probleme und Problemlösungen in der Regel komplexer sind, als sie in der öffentlichen Diskussion erscheinen.
Im Kosovo beispielsweise, wo „nicht alles so gelaufen ist, wie es hätte laufen können“ und „Soldaten keine politischen Probleme lösen können“.
Oder in Afghanistan „wo wir uns schuldig machen am Rückfall in Taliban-Zeiten, wenn wir auf eine Bevölkerungsmehrheit in Deutschland hören und uns verweigern“.
Oder im Irak, wo sich – wie auch im Sudan – die Frage stellt, ob sich die Staatengemeinschaft heraushalten soll und kann, wenn täglich Tausende von Menschen umgebracht werden.
Oder auch im Iran, wo „die Staatengemeinschaft auf das Atomprogramm reagieren muss und das sehr besonnen tut“.
Oder schließlich im Fall der Türkei und ihres EU-Beitritts – der fünfte von den Schülern angesprochene Konfliktfall – , wo sowieso vieles mit vielen zusammenhängt – beispielsweise mit der sich weiter entwickelnden Lage im Land und in der EU, möglichen anderen Beitrittskandidaten im Osten und dem Zwang des Landes, nach einem Beitritt Kompetenzen an Brüssel zu übertragen. „Würde der türkische Bauer akzeptieren, wenn ihm Brüssel sagte, wie sein Trecker auszusehen habe?“ fragt Kossendey – und erzeugt Nachdenklichkeit.
Es ist Politik aus erster Hand. Kossendey hört die Thesen der jungen Leute an, wird grundsätzlich, spitzt Probleme zu auf ihren Kern, unterfüttert mit Erfahrungen, berichtet aus politischen Begegnungen, stellt alles in den großen Zusammenhang.
Das kommt an. Nico Linn (18), einer der Schüler, findet die „Unterrichtseinheit Kossendey“ aufschlussreich, abgewogen und spannend, Kossendeys Perspektive „völlig anders als die eigenen“ und die Hintergrundinformation aufschlussreich. „Da ist manches aufgearbeitet worden“, sagt er.
Auch Kossendey ist mit seinem Publikum zufrieden. „Gut vorbereitet, interessante Gesprächspartner“, sagt er anerkennend – und dann wird’s auch schon Zeit für die Weiterreise, denn natürlich ist darüber der Abfahrtstermin längst überschritten.
