Westerstede - Mehrere Senioren sind an der Peterstraße in Westerstede in Richtung Innenstadt unterwegs. Einige mit Rollatoren, andere sitzen im Rollstuhl und werden geschoben. Immer wieder stockt die Kolonne an Bordsteinkanten, wird langsamer auf holprigen Pflastersteinen oder bleibt ganz stehen, da kein Weiterkommen auf dem Weg möglich ist.
Senioren, die auf Hilfsmittel wie Rollatoren, Rollstühle und E-Scooter angewiesen sind, sind laut Seniorenbeirat in der Stadt Westerstede oft benachteiligt. Anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung hat der Heimbeirat des Ev. Altenzentrums Westerstede gemeinsam mit dem Seniorenbeirat daher einen Korso mit Bewohnern des Ev. Altenzentrums an der Grünen Straße organisiert. Etwa 25 Menschen nahmen teil, 13 von ihnen mit Gehhilfen.
„Wir wollen darauf hinweisen, dass es an einigen Ecken in der Stadt Schwierigkeiten gibt“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Heimbeirats, Heiko Ockenga. Vor vier Jahren war schon mal ein Senioren-Korso veranstaltet worden, um auf die Probleme hinzuweisen. „Getan hat sich seitdem wenig.“
Die Route des Korsos verlief vom Altenzentrum an der Grünen Straße über die Schillerstraße zu den Geschäften in der Meinardusstraße. Von dort es aus ging es an der Apothekervilla vorbei über den Rathausplatz auf den ZOB. „Wir wollten eine realistische Route darstellen, die Senioren im Alltag in Westerstede zurücklegen. Dazu zählen natürlich Ärzte, Geschäfte, der Wochenmarkt und der ZOB“, so Ockenga.
Route durch die Stadt
Ratsherr Frank Lukoschus (SPD) begleitete die Aktion. In einem Rollstuhl schob ihn Bauamtsleiter Rolf Hinrichs die Strecke entlang. „So kann ich mir die Schwierigkeiten am besten vor Augen führen“, begründete Lukoschus sein Interesse.
Das erste Hindernis kam schnell. An der Kreuzung Grüne Straße/Schillerstraße blieben die ersten Senioren mit Rollatoren an der hohen Bordsteinkante hängen, Rollstuhlfahrer mussten mit Schwung auf den Fußweg geschoben werden. „Häufig steht die Gestaltung im Vordergrund. Das sieht schön aus, bringt aber Probleme“, meinte Hans Wolfgang Mammen, Erster Vorsitzender des Seniorenbeirats. „Dass hier noch mit großen Pflastersteinen gepflastert worden ist, erschwert das Überqueren zunehmend. Das ist an vielen Stellen in Westerstede der Fall.“ Die Kanten müssten abgesenkt und es sollte häufiger zu glatten Steinen gegriffen werden, forderte Ockenga.
Gestaltung aus 80ern
Bauamtsleiter Rolf Hinrichs äußerte sich dazu: „Die Gestaltung der Westersteder Innenstadt stammt aus den 1980er Jahren.“ Da habe man noch nicht an solche Veränderungen gedacht. Außerdem unterläge die Höhe der Kanten beispielsweise Vorschriften. Man müsse allerdings allen Bedürfnissen gerecht werden, so Hinrichs.
Dabei sind das nur zwei Probleme, die häufiger auftreten. Weitere kannte Heimbewohnerin Lieselotte Dratwa, die an der Tour teilnahm. „An der Meinardusstraße und Am Brookwehr parken die Autos so weit vorne, dass auf dem Fußgängerweg kein Platz ist“, erzählte die 85-Jährige. Und wenn es keine Autos sind, wären es Aufsteller von Geschäften, meinte die ehrenamtliche Hanna Bohlken. Markierungen und Begrenzungen würden in diesen Fällen helfen. Dann könnten die Autos nicht so weit vorne parken, so Mammen. Aus seiner Sicht müssten viele Dinge abgeändert werden, meinte Lukoschus nach der Tour. „Es sind immer noch dieselben Probleme wie vor vier Jahren.“
