Westerloy - Volles Haus im Mühlenhof: Mehr als 100 Frauen – und vier Männer – haben sich am Donnerstag in Westerloy eingefunden, um das 70-jährige Bestehen des Landfrauenvereins Westerstede zu feiern. Neben zahlreichen Ehrengästen standen mehrere Ständchen des Landfrauen-Singkreises unter der Leitung von Siegrid Eitering auf dem Programm, außerdem gab es Kaffee und Kuchen.
Am Ende des Nachmittags begrüßten die Landfrauen als Ehrengast Gottlieb Hasselder, den langjährigen Schauspieler und Ratgeber der „Tanger Spälkoppel“.
1946 im Hotel Neemann
„Wäre die Bibel von einer Frau geschrieben worden, gäbe es wohl mehr Tiersendungen im Fernsehen“, begann Bürgermeister Klaus Groß seine Glückwunsch-Rede, „insgesamt wäre die Welt aber einen ganzen Schritt weiter.“
Vor 70 Jahren seien es auch die Frauen gewesen, nämlich die sogenannten Trümmerfrauen, die Deutschland wieder nach vorne gebracht haben, betonte er. Als einer der ersten nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich der Westersteder Verein gegründet – was damals nicht einfach so ging. „Die Frauen richteten eine Bitte an die britische Militärregierung, einen Verein gründen zu dürfen“, berichtete Ilse Tietjen, Vorsitzende des Kreislandfrauenverbandes Ammerland.
Im Oktober 1946 wurde er dann, wie Erste Vorsitzende Michaela Thye berichtete, im Hotel Neemann in Linswege gegründet. Frauen der ersten Stunde waren Erna Brüntjen, Mariechen Schröder, Erna zur Brügge, Herta Meenen, Elfriede Jaspers, Erna Ficken und Martha Oltmanns.
Starke Gemeinschaft
„Sie waren die ersten, die nach dem Krieg wieder angefangen haben“, sagte Inge Hayen aus dem Vorstand des Landfrauenverbandes Weser-Ems. Hayen betonte außerdem, dass Landfrauen „dazu neigen, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen“.
Hayen gratulierte im Namen des Landfrauenverbandes mit 30 000 Mitgliedern und rief dazu auf, sich der starken Gemeinschaft bewusst zu sein: „Solche Netzwerke gelten auch in der Berufs- und Geschäftswelt als unverzichtbar.“
Pastorin Sabine Karwath betonte den Zusammenhalt unter den Frauen: „Das besondere an den Landfrauen ist, dass man versucht, an einem Strang zu ziehen.“ Viele seien Haus- und keine Karrierefrauen, und das sei deutlich mehr, als den Haushalt zu schmeißen: „Hausfrau zu sein heißt, für ein Gemeinwesen einzustehen. Das habe ich an euch schätzen gelernt.“
