Wiefelstede/Metjendorf - Senioren als zunehmender Risikofaktor im Straßenverkehr: Auch beim diesjährigen Verkehrsgerichtstag in Goslar vergangene Woche ein heiß diskutiertes Thema. Versicherer forderten Fahreignungstests als Pflicht für Senioren ab dem 75. Lebensjahr.
Viel zu früh, meint Renate Heerwagen (77) von der Awo Metjendorf und 2. Vorsitzende des Seniorenbeirats Wiefelstede. „Die Leute sollen bis 67 fit auf dem Arbeitsmarkt sein und nur acht Jahre später sind sie es dann nicht mehr? Das kann nicht sein.“ Die 77-Jährige findet: Das grenzt an Diskriminierung.
Heerwagen befürwortet allerdings die freiwillige Teilnahme am Fahrttraining: „Im Ammerland wird das auch viel angeboten, und es wird auch sehr gut angenommen.“
Dieser Meinung ist auch Helmut Rademacher (62) vom Seniorenkreis Wiefelstede. Auch er setzt auf die Freiwilligkeit der Senioren, sich Tests zu unterziehen oder an einem Fahrtraining teilzunehmen. Dem ganzen solle man aber „etwas mehr Nachdruck verleihen.“ Also gezielt mit Angeboten auf die Möglichkeit aufmerksam machen. „Ich bin mir sicher, dass wir von unseren Mitgliedern mit Führerschein 80 Prozent sofort zu solchen Maßnahmen bewegen könnten“, sagt Rademacher.
Metjendorf sei zwar gut ans öffentliche Verkehrsnetz angebunden – wenn man aber mal an Gristede oder Hollen denke, seien ältere Bürger stark auf den Führerschein angewiesen, betont Renate Heerwagen. „Ältere Autofahrer machen ja keine großen Touren mehr“, fügt sie hinzu. Wichtig sei vor allem die Selbsteinschätzung. Außerdem kommt es auf die Fahrpraxis der Person an. Dass die Unfallzahlen mit älteren Mitbürgern steigen, findet sie logisch: „Immerhin altert unsere Gesellschaft stark, das darf man nicht vergessen.“
Eine kulinarische Umtauschaktion der besonderen Art bietet seit dem vergangenen Jahr der Landkreis Ammerland an: Senioren, die ihren Führerschein endgültig abgeben wollen, erhalten seitens des Landkreises als Anerkennung eine Ammerländer Genussbox und zehn Einzeltickets für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).
Vom Verkehrsgerichtstag in Goslar gibt es derweil Entwarnung: Verpflichtende Fahrtests soll es nicht geben – zumindest vorerst nicht.
