• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Ammerland Gemeinden Wiefelstede

Flüchtlinge In Wiefelstede: Sie sind längst Freunde geworden

23.03.2019

Wiefelstede Yamen zeigt lächelnd seinen Ausweis. „Unbefristet“ steht drin, erst an diesem Donnerstag hat er ihn bekommen – und damit eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis für Deutschland. Am 14. September 2015 kam der junge Syrer mit Mitgliedern seiner Familie nach Wiefelstede – wie seine Cousins Hassan und Aysar. Wiefelsteder Familien-Patinnen kümmerten sich seitdem um die Husseins. Viel praktische Hilfe ist heute allerdings kaum noch nötig. Aber längst ist da eine Freundschaft entstanden, sagen Edith Wiechmann und Anke Gerdes-Welz.

Yamen, Hassan und Aysar sind fürs Pressegespräch zu Gast bei Edith Wiechmann. Auch Anke Gerdes-Welz ist gekommen. Was hat sich getan in den vergangenen Jahren seit der Ankunft der Bürgerkriegsflüchtlinge in Wiefelstede?

Yamen studiert

Yamen – heute 21 – studiert Medizintechnik in Wilhelmshaven. Er hatte sein Abitur schon in Syrien in der Tasche, musste in Deutschland nicht mehr zur Schule gehen. Aber studieren wollte er – und musste deshalb natürlich Deutsch lernen. Nun studiert er bereits im vierten Semester Medizintechnik, fährt jeden Morgen mit dem Bus zunächst nach Oldenburg, von dort mit dem Zug nach Wilhelmshaven – und später umgekehrt wieder zurück. „Das sind schon lange Tage“, sagt er. Aber noch hat er keinen Führerschein – und vier Semester hat er noch vor sich.

Hassan und Aysar kamen damals im Alter von 12 und 13 Jahren auf die Oberschule in Wiefelstede – in die sechste Klasse. Sie nahmen ohne Deutschkenntnisse gleich am regulären Unterricht teil. „Das war gut“, sagt Aysar: „So hatten wir viel Kontakt mit deutschen Schülern und haben die Sprache schnell gelernt.“ Mittlerweile besuchen sie die 8. und 9. Klasse. „Ich will Krankenpfleger werden“, sagt Hassan, der auch Fußball in der B-Jugend des SVE Wiefelstede spielt. Er ist dort Stürmer. Die BBS Ammerland ist da die nächste Station hin zum Beruf. Und Aysar? „Ich will Medizin studieren“, sagt der 16-Jährige und wird wohl aufs Gymnasium gehen. „Er ist Klassenbester“, lobt Edith Wiechmann ihren Schützling.

Praktisch alles fehlte

Die Wiefelstederin wollte 2015 nach der Ankunft der Flüchtlinge eigentlich nur ausrangierte Gardinen vorbeibringen. Als sie sah, dass praktisch alles bis hin zum Bettzeug fehlte, blieb sie.

Anke Gerdes-Welz wollte damals ebenfalls etwas für Flüchtlinge tun. Dreimal die Woche gab sie dann Deutschunterricht für die Kinder der Familie, obwohl sie keine Lehrerin ist. „Da habe ich auch viel mit Bildern gearbeitet“ erinnert sich die Wiefelstederin, die Yamen auch sein erstes Praktikum im Krankenhaus in Varel verschaffte.

Edith Wiechmann hat den Flüchtlingen damals auch erklärt, wie Mülltrennung funktioniert, hat dem einen oder anderen aus der Familie auch schon mal die Schneeschaufel in die Hand gedrückt oder das Unkrautzupfen nähergebracht. „Das ist wichtig“, hatte sie schon damals erklärt – und insgesamt geholfen, wo immer sie gebraucht wurde. Beide Frauen hatten damals die Bereitschaft der Flüchtlinge erwartet, sich zu integrieren. „Und da ist auch Erziehung nötig“, hatte Edith Wiechmann auch 2015 schon erklärt.

Familiennachzug

In dem Jahr waren die drei Cousins gemeinsam mit drei weiteren Familienmitgliedern nach Wiefelstede gekommen. Die Eltern von Hassan und Aysar waren nicht dabei. Hassans Mutter kam gemeinsam mit zweien seiner Brüder im November 2015 nach, im Februar 2016 kam je ein Bruder von Hassan und Yamen nach Deutschland. Und im Februar 2017 konnte dann auch Aysar seine Eltern und eine Schwester in Wiefelstede wiedersehen. „Familie und Eltern, das ist wichtig für die Kinder“, sagt Edith Wiechmann.

Sie und Anke Gerdes-Welz sind froh, als Patinnen eine so dankbare Familie betreuen zu dürfen. „Da ist Wertschätzung auf beiden Seiten – und längst ist eine Freundschaft entstanden“, sagt sie – und Yamen, Hassan und Aysar nicken bestimmt. Der Stolz auf die Heranwachsenden ist vor allem Edith Wiechmann deutlich anzumerken.

NWZ-ePaper Archiv
Stöbern Sie in über 70 Jahren Zeitgeschichte in unserem NWZ-ePaper Archiv.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.