WIEFELSTEDE - Dass er immer „parteineutral“ geblieben ist, das war nach eigenem Bekunden für die Arbeit von Helmut Völkers „nicht von Nachteil“. Der Wiefelsteder Bürgermeister dürfte einer der dienstältesten Hauptverwaltungsbeamten auch in Niedersachsen sein. Und sich eben als „Parteineutraler“ landesweit einer Minderheit unter den Bürgermeistern zugehörig fühlen: Vor genau 25 Jahren trat er am 1. Juni 1983 als Gemeindedirektor die Nachfolge von Wilhelm Rippen an, wurde seitdem insgesamt fünfmal wiedergewählt, zweimal davon seit 2001 als hauptamtlicher Bürgermeister von den Bürgern im Zuge der Ende der 90er Jahre eingeführten Eingleisigkeit.

Die Mehrheit der ersten hauptamtlichen Bürgermeister dürfte sich aus ehemaligen Gemeindedirektoren rekrutiert haben, glaubt der Wiefelsteder. Noch bis 2014 ist er derzeit gewählt – und wenn seine Gesundheit es zulässt, dann will er bis dahin auch Bürgermeister Wiefelstedes bleiben, „denn das Amt macht mir viel Spaß“, sagt der 59-Jährige.

Ein gewisser „Feuerstuhl“ sei der Stuhl des Bürgermeisters schon, sagt Völkers, der sich nach eigenem Bekunden nicht immer im Rat durchsetzen konnte – etwa beim Thema „weitere Wohnbauentwicklung in Wiefelstede“, bei dem 2001 der Rat – „wohl aus politischen Gründen“, wie der Bürgermeister mutmaßt – „gute Dinge“ blockiert hatte. Auch der Bau des Hallenbades kam erst über einen Bürgerentscheid zustande: Der Rat war dagegen gewesen, der Bürgermeister dafür. Immer mitgespielt hatte der Rat aber, wenn es um die Ansiedlung von Gewerbebetrieben und dabei eben um Arbeitsplätze im Gemeindegebiet ging, sagt Völkers, dessen Anliegen zudem immer auch die Bündelung kommunaler Einrichtungen in den Ortschaften war: Die Mehrzweckgebäude in Bokel, Neuenkruge und Gristede geben Zeugnis davon.

Dass auch ein Bürgermeister manchmal Machtmensch sein muss, leugnet Völkers, dessen Leitlinie nach seinen Angaben eigentlich der Kompromiss ist, nicht: „Manchmal“, sagt er, „muss man anecken“. Aber: „Man darf nicht nur nein sagen, sondern man muss das Nein auch begründen“, meint der aus Hassel stammende Völkers, der von 1964 bis 1967 bei der Gemeinde Wiefelstede auch eine Ausbildung zum Verwaltungsangestellten absolvierte und bis zu seiner Wahl zum Wiefelsteder Gemeindedirektor im Jahr 1983 beim Landkreis arbeitete – und „Lebenszeitbeamter“ war. Der heutige Beamte auf Zeit blickt nicht ohne Stolz auf seine bisherige Tätigkeit an der Spitze der Wiefelsteder Verwaltung. Hat sich doch die Einwohnerzahl von 10 000 auf 15 000 erhöht. Die Hebesätze – so Völkers – lägen in Wiefelstede im Vergleich zu anderen Gemeinden in Niedersachsen mit 10- bis 20 000 Einwohnern bei der Grundsteuer A 56 Prozentpunkte unter dem Landesdurchschnitt, bei der Grundsteuer B

36 Prozentpunkte und bei der Gewerbesteuer 25 Prozentpunkte drunter.

Dass sich der Bürgermeister als „Hauptamtlicher“ auch den repräsentativen Aufgaben zu widmen hat, stört Völkers überhaupt nicht, schließlich war es schon zu Zeiten der Zweigleisigkeit in Wiefelstede Gepflogenheit, dass Bürgermeister und Gemeindedirektor solche Aufgaben gemeinsam wahrnahmen. „Für mich also nichts Neues“, sagt Völkers.

Zukunftsaufgaben sieht er angesichts der demographischen Entwicklung auch in der Anpassung kommunaler Einrichtungen an die sich verändernden Altersstrukturen – und im Bereich Schule. „Was wird mit der Hauptschule“, sei eine der drängenden Fragen angesichts der Tatsache, dass für die Haupt- und Realschule Wiefelstede noch zehn Hauptschüler gemeldet sind. Die Notwendigkeit eines gymnasialen Angebots in Wiefelstede ist für den Bürgermeister sowieso gegeben.