Großefehn - Jonny Stulken ist der Mann für die Kamera. Bei mehr als 100 TV-Auftritten als Teil des Schlagerduos „Jenny und Jonny“ stand er davor. Seit vielen Jahren ist er aber auch hinter der Kamera anzutreffen. Egal ob Schützen- oder Blütenfest: Der 68-Jährige hält fest, was in Großefehn und Wiesmoor passiert. Dann muss für den Perfektionisten alles stimmen – Licht, Ton und Schärfe. Denn er weiß: Es gibt dann nur diesen einen Moment, und den will er genau so festhalten.
1994 filmt Jonny Stulken zum ersten Mal. Die letzten Szenen für das Jenny-und- Jonny-Video „Mein Ostfriesland, meine Heimat“ sollen gedreht werden. Keine große Sache. Doch der fest eingeplante Kameramann hat kurzfristig keine Zeit. Anstatt in Wiesmoor ist er in Hongkong. Jonny Stulken kauft sich eine für damalige Verhältnisse sündhaft teure Kamera („Ich habe sie von 4000 auf 2500 D-Mark heruntergehandelt“) und dreht kurzerhand selbst. Später filmt er die Goldene Hochzeit von Jennys Eltern. Er interviewt das Ehepaar, spricht mit Familie und Freunden. „Das ist ein wunderschöner Film geworden“, sagt Jonny Stulken rückblickend. Der Mann ist fortan nicht nur Musiker, er ist auch Filmer. „Das kannst du auch“, denkt er sich und drückt immer wieder auf den Aufnahmeknopf.
„Das kannst du auch“
250 Jahre Firrel, 200 Jahre Zwischenbergen und 220 Jahre Akelsbarg: Der Hobbyfilmer ist dabei, wenn gefeiert wird. Jonny Stulken entwickelt seinen eigenen Stil, er filmt aus ungewöhnlichen Perspektiven. Einen Jonny-Stulken-Film erkennen inzwischen viele an den ersten Szenen. 2009 entwickelt er ein neues Format. Für die „Bilder des Jahres“ ist er das ganze Jahr über in Großefehn und Wiesmoor unterwegs. Stulken sammelt pro Termin zwei, drei Stunden Material. Später werden davon gut eineinhalb Minuten zu sehen sein. Spatenstich reiht sich an Schützenfest und Diamantene Hochzeit. In einem 45-Minuten-Film zeigt der Großefehner das Wichtigste aus 365 Tagen. Das Ergebnis präsentiert er in seinem eigenen Vorführraum. 40 Zuschauer finden dort Platz. Jonny Stulken bewirtet sie mit Knabbersachen und Getränken. So soll bei ihnen ein Kino-Gefühl aufkommen.
Dann fließen die Tränen
Richtig nah dran ist Jonny Stulken immer, wenn es ums Wiesmoorer Königshaus geht. Er begleitet seit Jahren die Blütenköniginnen, nimmt mit ihnen um die 40 Termine in der Zeit wahr. „Wenn die Blütenkönigin gewählt ist, ist die Euphorie groß“, erklärt Stulken. Doch genauso groß wie die Euphorie ist im ersten Moment die Scheu vor der Kamera. „Bei den ersten Terminen muss ich sagen: Denkt einfach, dass ich nicht da bin, achtet nicht auf mich.“ Das ändere sich mit der Zeit. Die Frauen würden lockerer und offener werden. Stulken will bei allen Aufnahmen nah dran sein, aber nicht zu nah. „Wenn es ihnen zu viel wird und ich ihnen zu sehr auf die Pelle rücke, sollen sie Bescheid geben“, sagt Stulken und lacht. Er ist in dieser Entourage der einzige Mann. Beim Drehen setzt er auf Authentizität. Er zeigt das Lachen ebenso wie die Tränen, wenn die Regentschaft endet. Jonny Stulken stellt keine Szenen, er will die Welt der Blütenköniginnen zeigen, wie sie ist. Am Computer schneidet er aus den Sequenzen einen Film. Er guckt sich die Szenen immer wieder an, stimmt sie aufeinander ab. Eine Woche braucht er dafür. Stulken sorgt für stimmige Übergänge und wählt aus mehr als 5000 Titeln die Hintergrundmusik aus. Da kommt dem Musiker seine Erfahrung zugute. Die Stimmung müsse passen, die Musik dürfe nicht stören.
Und wann ist ein Jonny-Stulken-Film gelungen? „Wenn die Zuschauer am Ende sagen: Wie, das war es schon?“, sagt der Hobbyfilmer. Manchmal braucht es nicht vieler Worte. Wenn die Blütenköniginnen ihren Film zum ersten mal sehen, fließen die Tränen. Dann weiß Stulken, dass er den richtigen Ton getroffen hat.
