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Bürger fordern Gespräch Torfabbau in Wiesmoor wird zur Qual für Anwohner

KAtrin von Harten-Wübbena

Marcardsmoor/Wiesmoor - „Wir haben schon etwa 30 Jahre Torfabbau hinter uns“, sagt Frerich Wilts, dessen Haus am Torfabbaugebiet in Marcardsmoor steht. Nun könnten 20 weitere folgen. „Ich wollte eigentlich einen ruhigen Lebensabend verbringen“, sagt Wilts. Doch aufgrund eines Abbauantrags der Torfwerk Marcardsmoor GmbH & Co. KG und der Over Torfhandel GmbH über ein 99 Hektar großes Areal befürchten Frerich Wilts und seine Nachbarn nun Schlimmes.

Sie wohnen im Umkreis von 80 bis 150 Metern an gleich zwei Verladestellen von Torfabbauunternehmen. Eine Stelle gehört der Torfwerk Marcardsmoor GmbH an der Wittmunder Straße, die neue Flächen für den Abbau beantragt hat, und die andere der Firma Wessels am Grünen Weg.

Für die Anlieger der Wittmunder Straße, der Schulstraße und des Tannenweges bedeuten die Plätze und der Torfabbau viel Lärm und Staub. Es fahren Bagger, Dumper, Raupen und Radlader. An den Verladestellen wird der abgebaute Torf auf einen mehrere Meter hohen Haufen gefahren und dann auf Laster umgeladen und abgefahren.

Anwohner haben kein gutes Gefühl

An den Verladestellen erzählen die Anwohner von ihren Sorgen. „Wir hatten kein gutes Gefühl, nachdem wir den Antrag gelesen haben“, sagt Gerda Schröder. Laut Antrag seien alleine von der Torfwerk Marcardsmoor GmbH mit 50 Lkws pro Tag zu rechnen, die Torf abholen. „Und die zehn bis 15 von der Firma Wessels kommen noch hinzu. Das wird immer mehr“, befürchtet Frerich Wilts, „wir haben schon jetzt manchmal einen Rückstau auf der Wittmunder Straße.“ Marga Wilts sagt: „20 Lkws würden doch reichen.“

Die Nachbarschaft, insgesamt 16 Familien, bittet in einem Schreiben an die Stadt Wiesmoor und den Landkreis Aurich, die Genehmigung der Verladestellen zu prüfen. Sie sollen die Entfernung zu Wohnhäusern, die Lärm- und Staubschutzmaßnahmen und die Höhe der Trockentorfhalden erneut unter die Lupe nehmen. Während an der Zweiten Reihe eine 200 Meter breite Abgrenzung zu den Häusern vorgesehen ist, würden ihre Häuser nicht berücksichtigt werden, so Frerich Wilts.

„Kinder werden von Maschinenlärm wach“

Auch die Betriebszeiten, die die Torfwerk Marcardsmoor GmbH beantragt hat, sehen die Anlieger als problematisch. Angegeben sind Zeiten von montags bis samstags von 6 bis 18 Uhr, in Ausnahmefällen bis 22 Uhr. „Wir schlagen montags bis freitags von 7 bis 17 Uhr vor. Hier leben Kinder, die vom Maschinenlärm aufwachen“, sagt Frerich Wilts. Und Anwohner Ingo Händemann betont: „Wir merken auf unserem Grundstück die Maschinenbewegung. Der Moorboden leitet die Vibration weiter.“

Wilts erzählt von Dachrinnen voller Torf. Seine Frau Marga Wilts fügt hinzu: „Im Frühjahr und Sommer kann ich unsere Fenster wegen des Torfstaubs nicht sauber halten.“

Künftig umzingelt vom Torfabbau?

Und womöglich kommt bald noch ein weiteres Gebiet dazu. Denn erst kürzlich sprach sich der Ausschuss für Stadtentwicklung für ein Neubaugebiet an Wittmunder Straße zwischen Erster und Zweiter Reihe aus. Damit dort Häuser errichtet werden können, muss dort Torf abgebaut werden. „Dann sind wir umgeben von Torfabbau“, sagt Frerich Wilts. Das wirft wiederum Fragen auf: Über welchen Weg soll das Moor abgefahren werden? Wittmunder Straße oder womöglich über den naturbelassenen Buchweizenweg hinter den Häusern an der Wittmunder Straße lang? „Letzteres möchten wir auf keinen Fall“, betont Wilts.

Seit Monaten von Verwaltungen vertröstet

„Wir möchten wissen, was auf uns zukommt und ob unsere Wünsche berücksichtigt werden“, sagt Frerich Wilts. Bislang habe man ihn und die Nachbarschaft immer wieder vertröstet. Mehrfach habe er die Stadt Wiesmoor und den Landkreis Aurich angeschrieben und keine konkrete Antwort auf seine Fragen erhalten. Knapp drei Monate sind seit dem ersten Brief an die Stadt Wiesmoor vergangenen. „Wir möchten ein Gespräch und eine gemeinsame Lösung finden, auch mit den Geschäftsführern der Abbau-Unternehmen“, sagt Wilts.

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