Wiesmoor - Die Äußerung des Wiesmoorer Politikers Edgar Weiss („Wiesmoorer Bündnis“), im Rathaus herrsche „ein Klima der Frauenfeindlichkeit“, schlug in der Stadtverwaltung gestern hohe Wellen und sorgte für Entsetzen. „Der Angriff ist eine bodenlose Unverschämtheit und die Annahme völlig falsch“, erklärte Bürgermeister Friedrich Völler. Er weist den Vorwurf aufs Schärfste zurück.
Aber auch die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Wiesmoor, Martina Gerken, und Onno Pollmann, Personalratsvorsitzender, nehmen von Weiss’ Aussage deutlich Abstand. Die Gründe dafür sind aus ihrer Sicht eindeutig: „Eine Vielzahl von Personalentscheidung hat gerade in der letzten Zeit gezeigt, dass die Stadt in keiner Weise ein Gleichstellungsproblem hat“, schreiben sie in einer Stellungnahme. 67 Prozent der gut 180 Mitarbeiter und damit deutlich mehr als die Hälfte der Beschäftigten bei der Stadt Wiesmoor seien Frauen. „Erst vor Kurzen wurde eine Sachbearbeiterin im Ordnungswesen eingestellt, die zuvor ihre dreijährige Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten bei der Stadt absolviert hatte. Aktuell werden bei der Stadt vier junge Menschen, darunter zwei Frauen ausgebildet.“
Hinzu komme der Aspekt, dass auf dem Camping- und Bungalowpark Ottermeer und im städtischen Hallenbad zwei Mitarbeiterinnen in Führungspositionen beschäftigt werden. Darüber hinaus seien auch die Leitungsfunktionen in den vier Kindertagesstätten und sämtlichen Schulen mit Frauen besetzt. Gerken und Pollmann weiter: „Zusätzliche Aspekte, die gegen ein frauenfeindliches Klima sprechen, sind das Einführen von sogenannten Telearbeitsplätzen (Homeoffice), die gerade jungen Müttern das Arbeiten von Zuhause aus ermöglichen. Diese Möglichkeit wird derzeit von drei Mitarbeiterinnen wahrgenommen. Zudem nehmen aktuell zwei Kolleginnen an nebendienstlichen Fortbildungen teil, dessen Kosten die Stadt Wiesmoor trägt.“
Friedrich Völler weist ebenfalls darauf hin, dass die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten lediglich ein paar Monate unbesetzt war, man habe auf die vierfache interne und externe Ausschreibung keine Bewerbung auf das Ehrenamt erhalten.
Zu Edgar Weiss’ Anmerkung, in der Verwaltung sei keine Spitzenstellung mit einer Frau besetzt, vermutet der Bürgermeister einen Hinweis auf die Tatsache, dass Hinrich Beekmann die Nachfolge von Fachbereichsleiter Bauwesen von Johannes Bohlen angetreten hat. „Unter den 17 Bewerbungen waren drei Frauen. Ausschlaggebend war nach geschlechterübergreifender Prüfung letztendlich jedoch die Qualifikation.“
