WIESMOOR - ' Die ersten Kinder, die ich betreut habe, machen inzwischen ihr Abitur', sagt Karin Liebenau, Kindergartenleiterin des Waldkindergartens in Wiesmoor. Am 1. September wird die Einrichtung 15 Jahre alt. Am 13. September soll eine großes Fest gefeiert werden, wozu auch Ehemalige eingeladen werden sollen.

Auf die Frage, ob sich Erika Liebenau an die Anfangszeit vor 15 Jahren erinnern kann, antwortet sie mit einem Lächeln: 'Aber natürlich…'. Gemeinsam mit den Kindern hat sie alles, was neu an einem Waldkindergarten ist, entdeckt. Natur und Umgebung kennenlernen, Bücher über die besondere Pädagogik wälzen und studieren, gehörte dazu.

Aber jetzt, nach 15 Jahren der Gründung durch Rose Kleine (jetzt Ehrenmitglied) die damals mit Eifer ihre Idee mit Hilfe des Fördervereins erfolgreich umgesetzt hat, ist alles ganz 'normal' geworden. Erika Liebenau würde diese Stelle 'im Freien' niemals mehr eintauschen wollen. Jeder genießt die Flexibilität und die immer wieder neu zu entdeckende Natur, die einem der Wald bietet. 34 Hektar können sich die Kinder zurzeit erobern.

Im Waldkindergarten wurden seit der Gründung 106 Kinder betreut, 15 Kinder sind in der kleinen Kindergartengruppe. Zurzeit ziehen 14 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren mit Erika Liebenau und Liane Thau von 8 bis 13 Uhr durch den Wald.

'Die Eltern sind gut vernetzt, das heißt auch in Notsituationen helfen sich die Eltern untereinander, falls es um das Fahren der Kinder oder auch um die Gestaltung des Bauwagens als eine von drei Unterschlupfmöglichkeiten im Wald geht. Die Eltern unterstützen uns da tatkräftig', meint Erika Liebenau.

Unter anderem befindet sich auf dem Waldgelände eine beheizte Blockhütte und die Köhler Hütte. Bei ganz schlechtem Wetter wie Sturm und Gewitter geht die Gruppe ins Ausweichquartier, nämlich in die Turnhalle des Mullbarger Kindergartens.

Schwerpunkt und Grundlage der pädagogischen Arbeit sind das soziale Lernen in der Gruppe, ein gewaltfreies voneinander Lernen, füreinander da sein und ein friedliches Miteinander. Eigenverantwortliches Handeln sowie gemeinschaftliches Gestalten fördert das Selbstvertrauen der Kinder. 'Wichtig sind uns auch die kleinen gemeinsamen Projekte, bei denen jedes Kind soviel beisteuert, wie es kann. Dadurch wird das individuelle Lernen gefördert, was in der Grundschule und sonst auch meistens zu kurz kommt,', so Erika Liebenau.

Außerdem werden die Sinne des Kindes in der freien Natur besonders angeregt. Der Wald bietet eine Vielfalt an Geräuschen, Bildern, Formen und Gerüchen, was wiederum die Sensibilisierung der Wahrnehmung fördert. Durch die Stille, die hier in der freien Umgebung erlebt und erfahren wird, wird natürlich auch die Konzentrationsfähigkeit wachsen. Die Kinder werden innerlich ruhig.

Die Bindung zur Natur ist wichtig, um im späteren Leben das Verantwortungsbewusstsein hierfür und der Umwelt vorzubereiten und zu sensibilisieren. Den Erzieherinnen ist es sehr wichtig, dass die Kinder die Jahreszeiten intensiv erleben können. Ursprünge der einzelnen Feiertage und Brauchtümer werden im Wald vermittelt.

Gerade jetzt steht wieder ein Projekt an. Aus dem Märchen 'Hänsel und Gretel' wird eine Hütte von den Kindern kreiert und gebaut, um nachher für das Märchenfest in Wiesmoor eine Collage erstellen zu können. Mit viel Eifer sammeln die Kinder die Baumaterialien aus dem Wald zusammen.

Besonders zu erwähnen ist, dass im wöchentlichen Wechsel einmal hochdeutsch und einmal platt gesprochen wird.

www.waldkindergarten-wiesmoor.de