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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Gemeinden Wildeshausen

Auf jedem Grad die richtige Zeit

21.12.2016
NWZonline.de NWZonline 2017-01-09T16:13:44Z 280 158

Kunsthandwerk:
Auf jedem Grad die richtige Zeit

Wildeshausen Schon als Kind hat Malte Groh seine eigenen Sonnenuhren gebaut. Mit Sand und Stöckern baute er sie am Strand. Der 50-Jährige machte sein Hobby zum Beruf: In der alten Wassermühle, im Atelier Lohmühle in Wildeshausen, fertigt der gelernte Goldschmied Sonnen-, Stern- und Monduhren.

„Ich stelle aber auch zum Beispiel Kerzenständer her“, sagt er. Schmuck – Ketten und Ohrringe – produziert er ebenfalls. Der gebürtige Oldenburger sieht sich deshalb eher als Kunsthandwerker denn als Goldschmied.

Wenn man sein Atelier in Lohmühle 10b betritt, fällt einem sofort das Rauschen des Wassers auf. Groh brachte vor gut drei Jahren das Wasserrad zum Laufen, versorgt sich seitdem selbst mit Strom. Die Mühle bezog er bereits vor 30 Jahren. „Ich fing an, sie zu renovieren.“

Fachmann in Astronomie

Mit der Zeit stellte er nicht mehr nur Schmuck, sondern auch die Uhren her. Die Theorie, das Wissen rund um Astronomie, eignete er sich selbst an. Bei dem Thema ist Groh in seinem Element. Das wird deutlich, wenn er erklärt, wie eine Sternuhr funktioniert. Auf den großen Wagen komme es dabei an, auf den Stern Dubhe müssen man achten, und die Jahreszeit müsse korrekt eingestellt sein.

Aus Marmor, Gold oder Stein, für den Garten oder fürs Handgelenk baut Groh seine Sonnenuhren. Rund einen Tag brauche er für eine tragbare, er arbeite immer an gut fünf gleichzeitig. Auf einem Blech wird vorgezeichnet, dann geht es ans Sägen und Pfeilen.

So, wie bei einer gewöhnlichen Uhr, läuft der Entstehungsprozess aber nicht ab: Eine Sonnenuhr muss immer für einen speziellen Ort gebaut werden. Eine Uhr für Wildeshausen funktioniere beispielsweise nicht für München, erklärt Groh. In Moskau aber schon. Der Grund: Die beiden Städte liegen auf demselben Breitengrad. Und je nach Breitengrad muss der Zeiger der Sonnenuhr ausgerichtet sein. Dieser wiederum müsse parallel zur Erdachse verlaufen. Und wenn die Uhr an ein Haus befestigt werden soll, muss wiederum der Winkel der Wand berücksichtig werden. Ganz schön viel Rechnerei, gibt Malte Groh zu.

Mit Stift und Zettel

Heutzutage wird solch ein Sonnenuhr-Raster mit dem Computer berechnet. Er selbst greift aber zu Stift und Zettel. Das ist auch dem Arbeitsplatz anzusehen: Der Schreibtisch ist aus dunklem, rustikalen Holz. Die Werkzeuge drum herum lassen den Besucher merken: Hier wird mit der Säge und nicht mit der Tastatur gearbeitet.

„Ich habe mir mal alle Raster vorgezeichnet“, sagt Groh. „Ich habe eins für jeden Ort der Welt.“ Das ist auch nötig, stellte der Kunsthandwerker doch bereits Sonnenuhren für Städte in Portugal und Kanada her. Das habe sich so ergeben, erzählt er, wenn die Leute zu ihm an den Stand kommen. Malte Groh stellt ab und zu auf Kunsthandwerkermärkten aus. Sein Atelier wird eher zufällig gefunden. Es befindet sich versteckt, abseits der üblichen Verkehrswege. Besonders im Sommer, an Pfingsten oder Himmelfahrt, kämen Radfahrer an seinem Atelier vorbei. Und wer weiß auf welchem Breitengrad Malte Grohs nächste Uhr landet.


  www.sonnenuhren.npage.de 

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