Wildeshausen - Wer sich den Termin im Kalender vorgemerkt hat, kann ihn getrost streichen: Die Gerichtsverhandlung im Konflikt zwischen der Stadt Wildeshausen und der Initiative „Willi wühlt“ ist abgesagt worden. Am Montagmorgen teilte das Amtsgericht Wildeshausen mit, dass die Hauptverhandlung verschoben worden sei. Offizieller Grund laut Amtsgericht: „Dieser Termin ist wegen Verhinderung der Verteidiger aufgehoben worden. Ein neuer Termin steht noch nicht fest.“ Dazu dürfte es wohl auch nicht mehr kommen, denn am Montagmittag haben Torsten Koschnitzke und Michael Witten die von Anwalt Joachim Musch ausgearbeitete Vereinbarung im Stadthaus abgeben, mit der der Streit beigelegt werden soll.
Damit dürften die derzeit noch anhängigen drei Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen zwei Betroffene, „die die Aufstellung eines rosafarbenen Betonhaufens mit dem Maulwurfschild ,Willi wühlt’ zum Gegenstand haben“, so das Juristendeutsch, bald passé sein. Das gehört nämlich zum Kompromiss, den Wildeshausens Bürgermeister Dr. Kian Shahidi jüngst mit drei führenden Köpfen des Bürgerforums, Franz Bahlmann, Torsten Koschnitzke und Michael Witten, geschlossen hat.
Dabei hatte sich Shahidi bereit erklärt, die Gerichtsverfahren gegen die Initiatoren von „Willi wühlt“ einzustellen, wenn die Gruppe einen freiwilligen Geldbetrag an eine soziale oder gemeinnützige Einrichtung in Wildeshausen spendet. Zudem soll die Initiative zusichern, dass bei geplanten Aktivitäten im öffentlichen Raum vorab eine entsprechende Sondernutzungserlaubnis eingeholt wird. Die Stadt will im Gegenzug binnen 24 Stunden einen Bescheid vorlegen.
Die entsprechende Vereinbarung haben Koschnitzke und Witten am Montagmittag ins Stadthaus gebracht. Da der Bürgermeister derzeit in Urlaub sei, habe dessen allgemeiner Vertreter Jens Kuraschinski die Vereinbarung entgegengenommen. Unterschreiben wollte Kuraschinski sie allerdings nicht, berichtete Koschnitzke, sondern lieber auf die Rückkehr des Bürgermeisters warten. Der Maulwurf, derzeit noch auf dem Klärwerk „eingesperrt“, soll demnächst wieder in „Freiheit“ sein.
Parallel ist das Medieninteresse am „Maulwurf“ auch überregional gestiegen. So sei ein Team des Fernsehsenders Sat1 am Montag zu Dreharbeiten in der Stadt gewesen, erzählte Koschnitzke. Ein ausführlicher Beitrag soll an diesem Dienstag, 17.30 Uhr, auf Sat1 zu sehen sein. Ein Bericht der Nachrichtenagentur dpa in der vergangenen Woche unter dem Titel „Willi wühlt die Lokalpolitik in Wildeshausen auf – Rosa Beton-Maulwurfshügel weisen auf besondere Missstände in der Kommune hin“ hat das Thema offensichtlich bundesweit gestreut.
Auch bei der NDR-Sommertour am Donnerstagabend hatten Witten und Koschnitzke dem Radio-Team Rede und Antwort gestanden. Ebenso hatte Alt-Bürgermeister Franz Duin mehrfach auf die Initiative verwiesen.
