Wildeshausen - Erst neulich war es wieder soweit: „Die Frau eines Dienstleisters wollte Blumen zu einem Kunden in der Bürgermeister-Petermann-Straße bringen“, erinnert sich Anliegerin Bärbel Mack. Sie sei von Haus zu Haus gelaufen – bis sie eine Auskunft bekam. Was die Frau nicht wusste: Seit Anfang 2014 heißt die 444 Meter lange Verbindung zwischen dem Bargloyer Weg und der Visbeker Straße „Am Weizengrund.“

Der Straßenumbenennung vor drei Jahren, beantragt von Ratsfrau Kreszentia Flauger (Linke), ging eine längere Debatte voraus. Anwohner fühlten sich nicht ausreichend informiert. Sie verlangten seinerzeit Unterstützung – etwa bei notwendigen Änderungen von Ausweisen oder der Ummeldung bei Versicherung. Das sagte der Rat zu, der sich am 26. September 2013 mit deutlicher Mehrheit für die Umbenennung der Straße aussprach. Die Begründung: Hermann Petermann (1897-1977) sei als Bürgermeister von 1933 bis 1945 mitverantwortlich für Taten des NS-Regimes vor Ort gewesen.

Nun fragte die NWZ  nach, wie sich die Bürger im „Weizengrund“ fühlen: „Alle Zusagen sind eingehalten worden“, sagt Bärbel Mack. Die Stadt habe eine Pauschale von 100 Euro gezahlt und unverzüglich die Pässe geändert. Das bestätigt auch Hans Ufferfilge, Sprecher der Stadtverwaltung. Die Pauschale hätte (auf Antrag) 39 Haushalten zugestanden. Letztlich habe die Stadt 3200 Euro ausgezahlt. „Das ist alles ganz unproblematisch gelaufen.“

Als die NWZ  am Donnerstag Passanten in der Spielstraße ansprach, wo denn die Bürgermeister-Petermann-Straße sei, schüttelten diese nur mit dem Kopf. „Kenne ich nicht. Noch nie gehört“, so der Bewohner eines Mehrfamilienhauses, der dort seit zwei Jahren wohnt. Kein Wunder: Bis heute fehlt unter den Lettern „Am Weizengrund“ ein Zusatzschild, das auf den einstigen Namensgeber hinweist.